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Jessica Grant »Die erstaunlichen Talente der Audrey Flowers«

Jessica Grant »Die erstaunlichen Talente der Audrey Flowers«

Ogottogott mit Fruchtkompott

Buchempfehlung von Manuela Haselberger

Mit Audrey Flowers schenkt die kanadische Autorin Jessica Grant ihren Lesern eine wunderbare Heldin. Audrey zeichnen ganz besondere Talente aus: Sie baut die schönsten Papierschlösser für ihre kluge Schildkröte Winnifred - eine wahre Shakespeare-Expertin, die sich ganz ausgezeichnet als Lesezeichen eignet und fließend französisch spricht. Obendrein besitzt Audrey auch noch ein riesiges Herz und einen höchst eigenwilligen Blick auf die Welt. Dass ihre Mitmenschen damit manchmal Probleme haben, lässt eine selbstbewusste junge Frau wie Audrey natürlich völlig kalt.

Ein Heimflug mit Hindernissen
In Portland, Oregon, wird sie von der Nachricht überrascht, dass ihr Vater nach einem schweren Unfall im Koma liegt. Audrey zaudert keine Sekunde und fliegt sofort in ihren Heimatort St. John‘s in Neufundland. Für jeden anderen ein normaler Flug - aber nicht für Audrey. Sie leidet unter Flugangst und beobachtet die beiden Piloten im Cockpit mit Argusaugen. Küssen die sich wirklich? Und hat der Passagier neben ihr tatsächlich noch keine einzige Seite in seinem Roman umgeblättert? Komisch. Als er ihr zum Waschraum folgt, ist Audrey irritiert. Als sie dabei auch noch eine Waffe entdeckt, kennt sie kein Halten mehr: Kurz entschlossen entwaffnet sie den gefährlichen Terroristen und sperrt sich in der Toilette ein. Wenn das Sicherheitspersonal versagt und die Piloten mit der Liebe beschäftigt sind, muss der kluge Passagier eben selbst aktiv werden! Der Flieger setzt zur Zwischenlandung in Toronto an und Audrey ist nur mit großer Mühe davon zu überzeugen, dass es sich bei dem scheinbar gefährlichen Terroristen um einen Luft-Marshall der Fluggesellschaft handelt.

Eine verzauberte Kindheit
Nach diesem Heimflug mit Hindernissen wird Audrey von ihrem Onkel Thoby am Flughafen abgeholt. Er überbringt ihr die traurige Nachricht vom Tode ihres Dads. Für Audrey bricht eine Welt zusammen, denn ihr Vater und Onkel Thoby bedeuten ihr alles. Sie verdankt ihnen eine wunderbar verzauberte Kindheit: Die beiden Männer schmückten ihr Kinderzimmer mit einem riesigen Baum, den Audrey je nach Jahreszeit mit Blättern in den passenden Farben dekorieren durfte. Jede freie Minute spielten die drei leidenschaftlich Cluedo. Träume nannten sie einfach „Montage“, weil man so mit jedem Alptraum gut fertig wird. Man muss sich gar nicht mehr davor fürchten, denn so eine Montage kann man ganz locker umbauen. Sprachspiele aller Art zählten zur absoluten Spezialität der drei. Selbst bei der Todesanzeige für ihren Vater Walter macht Audrey davor nicht halt: „In dem von mir verfassten Nachruf heißt der Verstorbene Water Flowers. Blumen gießen. Ziemlich witzig, wenn Sie mich fragen. Onkel Thoby fand es auch sehr lustig. Heute Morgen vor der Beerdigung haben wir so sehr gelacht, dass wir uns an der Küchenanrichte festhalten mussten, was ein sicheres Zeichen für Fastkaputtgelächter ist.“

Vermisst: eine Maus und ein Onkel
Doch alles Gelächter kann Audrey nicht über ihre große Trauer hinwegtäuschen. Dann verschwindet auch noch Onkel Thoby und hinterlässt lediglich einen kleinen, kaum entzifferbaren Schmierzettel - wobei gesagt werden muss, dass Lesen nicht zu Audreys Stärken zählt. Die junge Frau macht sich energisch auf die Suche. Da neben Thoby auch noch ihre kleine Maus Wedge unauffindbar ist, die schon seit Jahren als treues Haustier in St. John's lebt, ist der Fall für Audrey sonnenklar: Es wird Zeit, eine internationale Suche in die Wege zu leiten. Nichts wird sie bei ihrem Unterfangen aufhalten! Sie bekommt sogar Unterstützung von dem netten Weihnachtsketten-Verkäufer, der ihr am Heiligen Abend einen wunderschönen Fallschirm aus strahlend roter Fallschirmseide schenkt.

Ein verrücktes Huhn und eine kluge Schildkröte
„Die erstaunlichen Talente der Audrey Flowers“ gehört zu den Romanen, die den Leser nicht gleichgültig lassen. Die Story ist schrill, schräg, voller skurriler Figuren. Allein, wenn die schlaue Schildkröte Winnifred das Wort ergreift und ihre Sicht der Dinge schildert, ist das ein besonderes Vergnügen.

Bei allen wunderbaren Einfällen, mit der die Autorin ihre Leser überrascht, bleibt am Ende Audreys ungeheure Herzenswärme im Gedächtnis. Man möchte dieses verrückte Huhn, das so sehr um seine Familie kämpft, am liebsten kennenlernen und knuddeln: Mit dem unschlagbaren Paar Audrey und Winifred kann es einfach nie langweilig werden! Und wenn doch, dann erfindet Audrey einfach einen neuen Reim, Winnifred steigt in den Pool ihres Schlosses aus Papier und beide lachen: Ogottogott mit Fruchtkompott.

Manuela Haselberger
(bookinist)
Geislingen, April 2010

"Jessica Grants Roman sollte einen Warnhinweis tragen: Es besteht höchste Gefahr, dass Sie sich krank lachen, Ihnen Tränen in die Augen schießen, Ihr Puls anfängt zu rasen, und dass der Reichtum an klugem Witz die Synapsen in Ihrem Hirn neu verknüpft. Dieses Buch ist bemerkenswert einzigartig. Ein Freudenfest!" Lisa Moore