John Grisham - Special

"Gäbe es einen Lexikoneintrag zu Hörbuchqualität, würden dort Fotos von Grisham und Brauer zu finden sein."
Bücher-Magazin, April 2014

Charles Brauer, bekannt spätestens aus dem Hamburger Tatort mit Manfred Krug, ist John Grishams deutsche Stimme – und er kennt die Bücher vielleicht sogar besser als der deutscher Lektor. Bei den Aufnahmen zu "Der Gerechte" konnten wir interviewen:


Alle Hörbücher von John Grisham – natürlich mit Charles Brauer – finden Sie hier

Charles Brauer, Sie sind dank Ihrer Hörbuch-Lesungen seit vielen Jahren so etwas wie die deutsche Stimme von John Grisham. Worin liegt für Sie das Besondere an seinen Romanen?

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Als ich den ersten Grisham als Hörbuch gelesen habe (das ist glaub ich auch schon 25 Jahre her), da hatte ich zuvor noch nie ein Buch von ihm gelesen. Ich wusste zwar, wer er ist und hatte auch mal einen Film gesehen, aber ich hab das gemacht, weil: macht ja Spaß ein Hörbuch aufzunehmen – und damals war das auch noch recht neu.
Nach den ganzen Jahren jetzt finde ich, dass Grisham sich sehr verändert hat: es ist nach wie vor immer sehr spannend, aber es ist misanthropischer geworden. Ich denke, die amerikanische Justiz hat sich auch nicht gerade positiv verändert – darum geht’s ja hauptsächlich bei Grisham: um Fälle und Geschichten von Menschen, die mit der amerikanischen Justiz zusammenprallen, die oft unschuldig verurteilt worden sind oder ähnliches.
Ich bin mittlerweile ein großer Fan von John Grisham – eben wegen dieses Engagements. Das Schöne ist, das er natürlich auch sehr erfolgreich dabei ist – und: dass er sehr gut schrieben kann!

Kennen Sie sich inzwischen persönlich?

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Nein, um ein Haar wäre das mal passiert – er ist ja selten in Europa, aber er kam mal zu einer Lesung nach Hamburg – aber leider hatte ich da einen Termin und konnte nicht absagen, das ging also nicht.
Aber ich hatte ja gerade einen runden Geburtstag – und da bekam ich zu meiner großen Überraschung einen Brief von ihm, wo er sich bedankt für meine Arbeit und das endete mit „I'll keep writing, you keep reading!“ [lacht]

Das Bücher-Magazin schrieb „Gäbe es einen Lexikoneintrag zu Hörbuchqualität, würden dort Fotos von Grisham und Brauer zu finden sein." - was muss ein Hörbuchsprecher Ihrer Meinung nach ganz besonders gut können?

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Ja, vor allem: Lesen! [lacht] Man muss Lust und Spaß haben und eine große Liebe zur Literatur – und man muss auch viel gelesen haben in seinem Leben.
Ich werde oft gefragt von Journalistin: Wieso macht man Hörbücher, wenn man doch auch Theater und Fernsehen oder Film machen könnte? Da antworte ich immer: Das ist weiß Gott ein großer Teil unseres Berufes: Lesen zu können, Literatur zu mögen – das ist ja das was uns ausmacht! Die Abhängigkeit von einem guten Drehbuch ist weiß Gott groß, ein schlechtes Drehbuch machst Du nicht zu einem guten Film, das ist nun mal so – wie Billy Wilder schon sagte: "Drehbuch, Drehbuch, Drehbuch!"
Es kommt aber auch immer drauf an: Bei Grisham ist es eben sehr spannend, weil das oft richtige Dialogszenen sind – was ein großes Vergnügen ist für einen Schauspieler, da mit einer gewissen Charakterisierung ranzugehen. Bei Prosatexten, die literarischer sind, und wo vielleicht weniger Dialog oder Charaktere sind, da ist das Vergnügen eben dem [Literarischen] nachzugehen.
Also: man muss eine Liebe zu Literatur habe, man muss ein guter Schauspieler sein – und man muss gut lesen können!

Gibt es so etwas wie die Magie der Stimme? Worin liegt sie?

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Vermutlich gibt es das – ich darf sagen, dass ich mir, trotz hervorragender deutscher Sprecher, höchst ungern synchronisierte Filme ansehe, obwohl ich als junger Schauspieler da auch mal ein paar Brötchen verdient habe. Aber die eigene Stimme des Schauspielers – das ist eben doch was ganz anderes, als wenn da im Synchronstudio ein noch so guter Sprecher seine Stimme drauf legt.
Natürlich gibt es eine Magie der Stimme: Marlene Dietrich war nicht die allertollste Sängerin, aber sie hatte eine unglaubliche Stimme – das ist wahrscheinlich auch mit Schauspielern so.

Aber woran das liegt, das hängt vom Zuhörer ab. Es gibt Leute, die einen ansprechen und sagen: ich höre sie so gerne – da frage ich dann natürlich auch nicht nach, warum hören sie denn das gerne? Hören Sie das gerne, weil Sie sich auf für das Buch interessieren oder kann ich ihnen auch das Telefonbuch vorlesen? Das ist dann vielleicht auch die Magie der Stimme.

Sie konnten ja schon vor der deutschen Buchveröffentlichung den neuen Grisham „Der Gerechte“ lesen – wie fanden Sie ihn?

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Den fand ich diesmal ganz besonders!
Ich glaube, das ist das erste Mal, das mir das passiert ist bei Grisham – das es durchgehend von einer Person ausgeht, also in der Ich-Fassung – und das ich die ganze Geschichte so lesen kann, als wenn er dem Zuhörer etwas erzählt. Die Dialoge färbe ich schon, so wie immer, aber bei den ganzen Beschreibungen ist es immer „Er“, der es beschreibt und dem Leser oder Zuhörer nahebringt – das war sehr spannend.
Die Story ist ganz toll: Es sind mehrere Fälle eines sehr verrückten Anwalts, der Fälle zugeschanzt bekommt, die andere nicht mögen – meist natürlich Mordfälle, der kümmert sich nicht um Familiengeschichten. Er hat auch kein Büro, er sitzt in einem umgebauten Transit mit kugelsicheren Scheiben. Zwischendurch wird der mal abgebrannt, seine Wohnung ist auch abgefackelt worden …
Eine sehr spannende Figur mit sehr spannenden Fällen diesmal – etwas, das man sehr empfehlen kann!

"Der Gerechte" hat für Grisham untypisch eigenständige Kapitel, fast schon einzelne Kurzgeschichten. Wie empfanden Sie diesen neuen Stil?

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Ich würde nicht sagen, dass das Kurzgeschichten sind, denn die Fälle sind ja in einander verwoben. Mir fällt eine Geschichte ein, die man für sich alleine lesen könnte, aber die anderen Fälle? Da geht alles ineinander über – und das ist sehr gut gemacht von Grisham! Mit großen Raffinement – so, wie er überhaupt ein sehr guter Bastler ist und Situationen herstellt, die einen dranbleibenlassen.

Der Gerechte

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