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Jordi Llobregat im Interview zu seinem Thriller »Die Anatomie des Teufels«

Wussten Sie, dass sich Jordi Llobregat vorgenommen hat, alle Länder der Erde zu bereisen?

Eine kurze Biographie:
Ich wurde 1971 in Valencia (Spanien) geboren. Lesen und Geschichten zu erzählen waren immer Teil meines Lebens. Mit zwölf Jahren war ich von dem Film Le magnifique – ich bin der Größte von Jean Paul Belmondo und Jacqueline Bisset so beeindruckt, dass ich entschied, Schriftsteller zu werden. Nichts desto trotz musste dieser Wunsch über Jahre bis heute aufgeschoben werden. Zu Barcelona habe ich eine besondere Verbindung, denn es ist die Geburtsstadt meiner Familie mütterlicherseits. Eine dieser Geschichten, die hin und wieder bei familiären Tischgesprächen auftauchen, erzählt davon, dass mein Urgroßvater in einer Schmiede arbeitete, aus der die modernen Straßenleuchten des Passeig de Gràcia in Barcelona stammen. Im Moment schreibe ich und leite gleichzeitig ein Unternehmen, das sich mit der Durchführung von Projekten im Bereich der Forschung und kommunalen sowie unternehmerischen Entwicklung beschäftigt. Ich schreibe eine Kultur-Kolumne und bin zudem Gründer von „VLC LLIG“, eine Vereinigung zur Literaturförderung. Außerdem bin ich Co-Initiator und Direktor von “Valencia Negra”, ein Festival, das die Annäherung von Kultur und Mensch in meiner Stadt fördert. Meine wichtigsten Hobbys sind meine Familie, lesen, die Berge und das Reisen.

Warum haben Sie sich dazu entschieden, Autor zu werden?
Ehrlich gesagt kann ich mich an den genauen Moment nicht mehr erinnern. In meiner Familie war es normal, sich künstlerisch zu betätigen, allerdings mit recht wenig Erfolg. Ich folge dieser Tradition, da ich in meinem Leben auch einiges ausprobiert habe: Zeichnen, Malen, Musizieren … mit desaströsen Ergebnissen. Ich erzähle das, da alle diese künstlerischen Richtungen dasselbe Ziel verfolgen: eine Geschichte zu erzählen. Und das ist es, was ich immer gesucht habe. Das ist es, weshalb ich mich entschied Schriftsteller zu werden.

Wo finden Sie die Inspiration für Ihre Romane?
Ich nehme alles aus meiner Umgebung auf. Zum einen die zahlreichen historischen Orte: Städte, Straßen, Räume, Plätze, die mich inspirieren. Andererseits sind es Bücher. Lesen ist für jeden Schriftsteller die Grundlage. An dritter Stelle ist für mich jeder künstlerische Ausdruck eine große Inspirationsquelle.

Mich interessiert alles, was es mir ermöglicht, eine gute Geschichte erzählen zu können. Und zum Schluss und am wichtigsten: die Menschen. Sie faszinieren mich, und es zieht mich immer wieder zu ihnen hin. Deshalb gefällt es mir sehr zu beobachten, was die Menschen um mich herum machen. Manchmal finde ich etwas so interessant, dass ich vergesse wegzuschauen und dann aussehe wie ein Voyeur. So bekomme ich hin und wieder einen ablehnenden Blick, den ich aber gewöhnlich mit einem Lächeln abwenden kann.

An welcher Geschichte arbeiten Sie im Moment?
Ich arbeite an einer sehr düsteren Geschichte, mit der ich hoffe, die Leser zu überraschen und sie mitzureißen, bis ihnen der Atem stockt. Es ist natürlich klar, dass ich nicht mehr verraten kann.

Wer sind Ihre Lieblingsautoren? Und warum?
Ich lese ganz Unterschiedliches, vor allem aber vermeide ich, im Voraus eine feste Meinung zu haben bzw. mich auf das eine oder andere Genre zu beschränken. Meine Lieblingsautoren sind daher sehr verschieden. Konkret benennen kann ich Umberto Eco, Patrick Süskind, Carlos Zafón, Jose Carlos Somoza, Mary Shelley, Rosa Montero, Dennis Lehane, Pierre Lemaitre, John Connolly, Patrick Rothfuss, Joe Abercrombie, Stephen King … Alle haben eines gemeinsam, was mir essentiell für einen Autor erscheint: Sie sind große Erzähler mit einer zweifellos literarischen und menschlichen Qualität.

Welche Bücher haben Sie kürzlich gelesen?
Diesen Sommer habe ich es geschafft, Die Geschichte der Baltimores von Jöel Dicker, Der Beobachter von Charlotte Link und eine Artikelsammlung namens Helden vom spanischen Schriftsteller Jacinto Antón zu lesen.

Was ist Ihre Lebensphilosophie?
Ich würde mir wünschen, dass auf meinem Grab geschrieben steht: Er hat gelebt. Ich glaube das Leben ist großartig, und es vergeht sehr schnell. Wir müssen alles tun, was in unserer Macht steht, um uns jede Sekunde daran zu erinnern, welches Privileg wir haben, und das Leben so intensiv wie möglich zu genießen. Wir vergessen es zu oft. Wenn es mal Schwierigkeiten gibt und alles sich ins Gegenteil zu verkehren droht, wende ich den Satz von Galileo an: „Eppur si muove!“ („Und sie bewegt sich doch!“).

Was tun Sie, wenn Sie nicht gerade schreiben?
Mein Leben ist oft ein wirkliches Chaos. Ich muss mich um die Firma kümmern, in der ich Teilhaber bin; ein Literaturfestival leiten, das wir in der Stadt organisieren; ich habe eine kleine Tochter, die nicht verstehen kann, warum ich nicht den ganzen Tag mit ihr spiele; ich gehe ins Fitnessstudio, um zu laufen (nicht so häufig, wie ich sollte), verreise oft … Ich bin sehr beschäftigt, wenn ich nicht schreibe.

Fünf Dinge über Sie, die wir noch nicht wussten …
Mmmhh...
1. Wenn ich den Anfang eines neuen Romans entwickle, mache ich das gern in irgendeinem Café, in dem es sehr laut ist.
2. Ich kaufe zwanghaft Bücher, auch wenn ich viele davon noch nicht gelesen habe.
3. Ich reise gern und war schon in mehr als 30 Ländern. Ich habe vor, jedes in der Welt gesehen zu haben.
4. Ich sammle Tassen, auch wenn ich nicht weiß, wo ich sie unterbringen soll.
5. Ich fühle mich im Grunde dem Mittelmeer zugehörig, da meine Familie sich zwischen Valencia, Katalonien und dem Süden Frankreichs verteilt.

Wie würden Sie Ihren Roman in einem Satz beschreiben?
Die Anatomie des Teufels ist eine Geschichte voller Geheimnisse, Verrat und Rätsel. Es ist auch die Geschichte einer Stadt und einer ganz besondere Zeit, in der alles möglich war.

Was hat Sie zu dem Roman inspiriert?
Mich ziehen Grenzmomente oder Grenzsituationen an und inspirieren mich. Ich bezeichne sie so, da es Momente der Zeit sind, in denen Widersprüche zusammenspielen, weil es Momente der Veränderung sind. Zum Beispiel: In Barcelona im Jahr 1888 gab es zur gleichen Zeit das Erwachen der Moderne durch die Industrialisierung und die Entwicklung des Spiritismus. Ähnlich wie die Medizin, die dabei war, einen großen Sprung zu machen, die Rolle der Frauen, die Entstehung elektrischen Lichts, das motorgesteuerte Auto … Was damals entstand, hat die Menschen für immer verändert. Niemals werden sie wieder dieselben sein können.

Wer ist Ihr Lieblingscharakter in dem Roman und warum?
Das ist, wie Sie sich sicher vorstellen können, nicht leicht. Alle sind ein Teil von mir, auch die abscheulichsten. Mir gefallen einige Nebenrollen sehr (La Negra, Dolors, Vidal …), aber wenn ich mich für eine entscheiden muss, wäre es Pau Gilbert wegen seines Charakters, seines Geheimnisses, das er hütet, seines Mutes.

Welche Szene war am schwierigsten zu schreiben?
Es gibt einige, aber die wirklich schwierigste war die Verfolgung in der Pferdekutsche auf der La Rambla. Sie war sehr komplex, weil sie darauf abzielte, dass sich der Leser so fühlen sollte, als säße er zusammen mit den Protagonisten in der Kutsche, um die größtmögliche Spannung und das Schwindelgefühl zu erleben, das diese Figuren erleben. Ich erinnere mich, dass ich mir diese Szene während einer Trekkingtour in Slowenien ausgedacht habe. Ich habe vier Stunden in absoluter Stille verbracht, während ich den Berg bestieg. Ich habe die Szene immer wieder verworfen, bis mich meine Begleiter davon abgebracht haben. Das war allerdings sehr gut, denn sonst wäre ich in den Abgrund gestürzt. Nachdem ich sie geschrieben hatte, habe ich sie dann noch ein Dutzend Mal korrigiert.

Welche Leser werden Freude an Ihrem Buch haben?
Leser, die gerne in eine faszinierende Epoche eintauchen und in eine unglaubliche Stadt. Leser, die Spaß an Romanen voller Intrigen haben und den unaufhaltsamen Wunsch verspüren, gemeinsam mit den Protagonisten Antworten zu finden.

Möchten Sie ein paar Worte an Ihre deutschen Leser und Leserinnen richten?
Lieber Leser und Leserinnen,

vielen Dank, dass Sie Die Anatomie des Teufels lesen und die Geschichte mit mir teilen. Ein Buch, das ohne Sie niemals existieren würde. Meine Worte werden Ihre werden, sobald Sie die erste Seite aufschlagen, und die Geschichte wird in Ihrem Kopf und Herzen real werden. Dann und nur dann wird dieses Buch zum Leben erweckt.

Die Anatomie des Teufels Blick ins Buch

Jordi Llobregat

Die Anatomie des Teufels

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