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SPECIAL zu »Wer ins kalte Wasser springt, muss sich warm anziehen«

Über Liebesromane, Rollenverteilung und das Schreiben an sich …

Julia Bähr und Christian Böhm im gemeinsamen Interview


© Susanne Krauss, München

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, gemeinsam einen Liebesroman zu schreiben?
Christian Böhm: Ich wollte unbedingt mal einen Frauenroman schreiben, aber mir fehlte …
Julia Bähr: … das Verständnis von Frauen.
Christian Böhm: Und außerdem haben sie in der Agentur mal gesagt: Frauenromane können nur von Frauen geschrieben werden. Deswegen konnte ich den nicht allein schreiben.
Julia Bähr: Irgendwann kam Christian bei mir an und sagte, er wolle jetzt einen Frauenroman schreiben, und zwar mit mir. Ausgerechnet mit mir, die ich noch überhaupt nichts geschrieben hatte. Aber ich dachte: Wenn er so wahnsinnig ist, das versuchen zu wollen, dann bin ich es auch.

Meinen Sie, Männer können tatsächlich keine Frauenromane schreiben?
Julia Bähr: Och, es gibt ja durchaus erfolgreiche Liebesromane von Männern, die hauptsächlich von Frauen gelesen werden. Aber vielleicht kannten sie Christian so gut, dass sie wussten: Er schreibt einen Frauenroman, in dem Frauen so sind, wie Männer sie gerne haben wollen.
Christian Böhm: Ach ja. Das war’s.


© Susanne Krauss, München

Aber was ist das Verlockende am Frauenroman?
Christian Böhm: Gefühle. Die großen Gefühle!
Julia Bähr: Ich muss gleich weinen. (lacht)

Auf jeden Fall haben Sie aus der Not eine Tugend gemacht und den Roman aus wechselnden Perspektiven erzählt. Hatten Sie diese Idee sofort?
Christian Böhm: Das war das Praktikabelste. Zu zweit gleichzeitig schreiben, einer an der Tastatur, der andere steht hinter dem Schreibtischstuhl, funktioniert für uns nicht. Und wir wollten nicht eine Geschichte aus zwei Perspektiven erzählen, sondern wir erzählen eine Geschichte fort.

Gab es beim Schreiben eine klare Rollenverteilung?
Julia Bähr: Christian hat die Mark-Kapitel geschrieben, ich die Luisa-Kapitel.
Christian Böhm: Beim nächsten Mal machen wir das umgekehrt. (lacht)
Julia Bähr: Außerdem hat Christian sämtliche Konflikte aufgeworfen. Und ich musste sie lösen.
Christian Böhm: Genau. Wir haben uns also gut ergänzt.

Wie viel von Luisa und Mark steckt in Ihnen selbst?
Julia Bähr: Luisa ist eigentlich viel cooler, als sie im Buch wirkt. Das liegt daran, dass sie in Christians Passagen etwas zickig wirkt. Dabei sind wir beide natürlich kein bisschen zickig! Das einzige, was ich wirklich eins zu eins übernommen habe, ist Luisas Mädelsabend am Mittwoch – inklusive der Namen meiner Freundinnen.
Christian Böhm: Ich habe mit Mark das Aussehen gemeinsam.
Julia Bähr (lacht schallend): Entschuldigung! Sprich weiter. Das kann ja nicht deine Antwort gewesen sein.
Christian Böhm: Doch. War meine Antwort.
Julia Bähr: Oh.

Haben Sie alles gemeinsam entwickelt? Oder kann es immer nur einen geben, der die Handlung vorgibt?
Julia Bähr: Wir haben uns alle paar Monate getroffen und etwa die nächsten 80 Seiten im Voraus geplant. Dann stand die Route fest, aber die Stationen waren variabel.
Christian Böhm: Und einmal haben wir uns auch ein bisschen vergaloppiert: Luisa könnte doch die Tochter eines Mafia-Bosses sein. Aber das haben wir dann doch fallen lassen.
Julia Bähr: Ein Glück.

Wenn man sich die Bälle beim Schreiben so zuspielt, dann kann man doch den anderen immer auch ein bisschen ärgern. War das so bei Ihnen?
Christian Böhm: Das war das Allerbeste beim Schreiben: Luisa und Mark in eine Situation zu bringen, aus der es eigentlich keinen Ausweg gibt.
Julia Bähr: Und dann mir die Datei zu senden mit einem freundlichen: „So, du bist wieder dran.“ Einmal schickte mir Christian folgenden aktuellen Stand: Unsere Protagonisten waren am falschen Wochenende am falschen Ort und hatten ihre Koffer verloren. Da war ich schon ein bisschen erbost, muss ich sagen.

Gab’s Momente, in denen Sie Ihren Co-Autor auf den Mond hätten schießen wollen?
Julia Bähr: Mehrere sogar. Zum Beispiel hat Christian geschrieben, dass Mark sich erinnert, mal was nebenbei mit einer kleinen Französin am Laufen gehabt zu haben. Das haben wir aber entzückend beigelegt.
Christian Böhm: Was heißt entzückend beigelegt? Du hast gesagt: geht gar nicht. Mit deiner bösen Stimme.
Julia Bähr: Ganz genau. Weil ich wusste, dass Mark nichts nebenbei laufen hatte. Der Kerl, den meine Protagonistin heiratet, hatte keine Affäre.
Christian Böhm: Dann wusste ich Bescheid. Mark hatte keine Affäre.


© Susanne Krauss, München

Abenteuer Liebesroman, Herr Böhm. Wie fühlt sich das an, einen Roman geschrieben zu haben, der wohl vorwiegend von Frauen gelesen wird?
Christian Böhm:
Julia Bähr: Sei stolz. Die klügere Hälfte der Menschheit wird dein Buch lesen.
Christian Böhm: Das stimmt! Ich kann’s noch gar nicht richtig realisieren. Ist wie nach dem Gewinn der Champions League.
Julia Bähr: Man merkt allein an diesem Vergleich, dass Christian keinerlei Ähnlichkeit mit Mark hat.

Was haben Sie dabei über das andere Geschlecht gelernt?
Christian Böhm: Frauen sind sehr sensibel. Sie mögen es nicht, am falschen Wochenende ohne Gepäck am falschen Ort zu landen.
Julia Bähr: Pah. Außerdem hast du vor allem gelernt, wie sich frau einen Heiratsantrag vorstellt.
Christian Böhm: Stimmt. Meine Freundin und ich haben beschlossen, zu heiraten. Dann ist mir wieder eingefallen, dass ich jetzt Liebesroman-Autor bin und das so nicht geht. Also habe ich einen Ring gekauft und einen sehr romantischen Heiratsantrag gemacht.
Julia Bähr (klatscht in die Hände): Ich bin so stolz auf dich!
Christian Böhm: Eigentlich hat dieser Roman mein Leben verändert. Jetzt bin ich tatsächlich verlobt.

Und Sie, Frau Bähr, was haben Sie über Männer gelernt?
Julia Bähr: Erstens: Fußball und Bier machen Männer überglücklich. Luisa braucht dafür eine Hochzeit mit hundert Leuten und weißen Rosen. Zweitens: Wenn man einen Mann fragt, woran denkst du? Und er antwortet: an nichts – das ist die Wahrheit.

Denken Männer wirklich an nichts, wenn sie nichts sagen?
Christian Böhm: Oder an Fernsehen.
Julia Bähr: Oder an andere Frauen.
Christian Böhm: Ich denke schon oft an irgendwas. Aber ich sage trotzdem nichts. Es führt zu nichts.
Julia Bähr: Dann habe ich doch nichts gelernt. Christian hat mich reingelegt!

Was haben Sie aus dem eigenen Roman gelernt?
Christian Böhm: Feiere nie eine große Hochzeit.
Julia Bähr: Falls du es unvorsichtigerweise doch tust, nimm Kleidung zum Wechseln mit.

Wird die Liebesgeschichte von Luisa und Mark weitergehen?
Julia Bähr: Wenn’s nach uns geht, klar!
Christian Böhm: Wenn sich hunderttausend Leser finden.
Julia Bähr: Beim nächsten Mal verwandele ich die beiden in Insekten und schicke sie auf den Mars. Dann schaue ich zu, wie Christian da wieder rauskommt.
Christian Böhm: Und ich schreibe ein Kapitel, da trifft Mark diese nette kleine Französin. Die es eigentlich gar nicht geben dürfte. Mal schauen, was passiert.
Julia Bähr: Untersteh dich!

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Julia Bähr, Christian Böhm

Wer ins kalte Wasser springt, muss sich warm anziehen

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