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SPECIAL zu »Wer ins kalte Wasser springt, muss sich warm anziehen«

„Wussten Sie, dass Christian Böhm von Menschen mit Rückgrat fasziniert ist, die nicht beim ersten lauen Gegenwind einknicken?“

Interview mit Christian Böhm

Christian Böhm
© Susanne Krauss, München | www.susanne-krauss.de

Bitte geben Sie uns eine kurze Biografie von sich:
Geboren im Bayerischen Wald, aufgewachsen in Wasserburg am Inn. Nach Abitur und Bundeswehr (Gebirgsjäger) kaufmännische Ausbildung (Stammhauslehre) bei Siemens. Anschließend Studium und (weil ich immer noch nicht richtig arbeiten wollte) Redakteursausbildung an der Deutschen Journalistenschule (DJS) in München (44. Kompaktklasse). Nach einem längeren Aufenthalt im Nahen Osten (2006-2007), namentlich Jerusalem, und einem dreijährigen Wasserburg-Comeback, lebe ich seit 2010 wieder in München, Obergiesing. Nicht verheiratet. Trotzdem glücklich.

Würden Sie uns ein wenig über sich erzählen – Ihre Hobbys, Lebenssituation, Ihren Traum vom Glück, was Sie ärgert, welche Gabe Sie gerne besäßen …?
Mein Traum vom Glück heißt Freiheit. Das zu tun, was ich gerade will. Das zu lassen, worauf ich gerade überhaupt keine Lust habe. Zu verreisen, wenn’s mir in den Sinn kommt. Einfach mal nichts tun, wenn mir danach ist. Noch habe ich für ein solches Leben zu hohe materielle Ansprüche und zu wenig finanzielle Mittel. Abgesehen davon wäre ich gerne noch gelassener, aber auch manchmal engagierter. Mich ärgert Ungerechtigkeit über die Maßen. Menschen, die andere Menschen piesacken und dabei ihre Machtgefühle ausleben, finde ich verabscheuungs-
würdig. Jeder sollte so leben, wie er es für richtig hält, aber nicht auf Kosten anderer. Oft zweifele ich an der Menschheit. Ich würde gerne die Gabe besitzen, das zu ändern. Aber von solchen Allmachtsfantasien nehme ich besser Abstand.

Wie kamen Sie zum Schreiben?
Ziemlich unspannend. Ich hatte gerade nichts Besseres zu tun. Viele Kunstwerke, habe ich irgendwo gelesen, entstünden aus Langeweile. Es ist also nicht so, dass ich mit zehn schon wusste, dass ich mal schreiben würde. Das hat sich mehr so ergeben, weil ich keine Lust auf Lernen hatte, aber nicht als Troubadour gelten wollte. Schreiben klingt besser als faulenzen.

Wie finden Sie Ihre Themen?
Film, Fernsehen, Internet, Zeitung, Gespräche. Und dann hinsetzen, nachdenken! Konzept schreiben, verwerfen, Biografie der Hauptfiguren entwerfen, wieder verwerfen, neu nachdenken, überarbeiten, leider wieder verwerfen, neu aufschreiben und dann hoffentlich ein Blatt Papier in der Hand halten, das als Landkarte für einen Roman taugt.

An welchem Buch arbeiten Sie gerade?
Zusammen mit Julia Bähr „Wer ins kalte Wasser springt, muss sich warm anziehen“. Frau will heiraten, Mann fürchtet sich vor dem Ja-Wort. Und dann gibt es da noch den unmöglichen besten Freund und zwei Familien, die es wirklich in sich haben – und Dinge nicht gerade vereinfachen.

Welche Szene daraus war bisher am schwierigsten zu schreiben?
Die „Jagdszenen aus Südtirol“. Schwiegerpapa in spe nimmt den Verlobten der Tochter mit in den Wald zur Wildschweinjagd. Da ist sehr viel Hass im Spiel.

Haben Sie eine Lieblingsszene?
Versöhnung von Marks geschiedenen Eltern. Seine Mutter macht seinem Vater die schönste Liebeserklärung auf der Hochzeit – mit anschließendem Rauchen der Friedens-Pfeife in Form eines Joints.

Haben Sie eine Lieblingsfigur?
Barnie, den besten Freund. Harte Schale, weicher Kern. Ein Suchender, der immer den großen Macker gibt, aber im Grunde ein großes Herz hat - was er dann auch zeigt. Und, was ich Besonders an ihm schätze, er springt über seinen eigenen Schatten. Großartig finde ich in ihrer Mischung aus Garstigkeit und Liebenswürdigkeit auch Luisas Nonna. Man weiß nicht, ob man sie lieben oder hassen soll.

Gibt es bestimmte geographische Orte, zu denen Sie oder Ihr Buch einen besonderen Bezug haben?
München, Toskana

Was lesen Sie selber gerne?
Genre egal, Hauptsache nicht langweilig

Wer sind Ihre Lieblingsautoren?
Max Frisch, Paul Auster, Jonathan Franzen, John Irving, Wolf Haas

Wer sind Ihre liebsten Romanhelden?
Garp, Simon Brenner, Neville Longbottom

Möchten Sie uns 3 Bücher für die einsame Insel empfehlen?
"Blackout", "Robinson Crusoe", "All inclusive"

Was ist für Sie die größte Versuchung?
Dem Chef mal richtig die Meinung zu geigen – mit Kraftausdrücken. Und dann einfach gehen, ohne auf Reaktionen zu warten.

Verraten Sie uns Ihr Lieblingsrezept?
Ich bin ein guter Esser, aber ein schlechter Koch. Tortelloni mit Olivenöl, Salbei, Meersalz, Pfeffer und Montasio bzw. Parmesankäse schmecken aber immer, selbst wenn ich am Herd stehe. Ach ja, Eier kann ich auch. Aber das ist zu einfach, um es hier groß zu erklären. Im Prinzip einfach in die Pfanne hauen, salzen, pfeffern, fertig.

Was ist für Sie die optimale Entspannung?
Schlafen, fernsehen, duschen.

Haben Sie ein Lebensmotto?
Da halte ich es mit Herbert Grönemeyer: Lache, wenn’s nicht zum Weinen reicht.

Gibt es eine Person, die Sie persönlich fasziniert?
Ich bin da sehr sprunghaft. Grundsätzlich sind das aber Menschen mit Rückgrat, die nicht beim ersten lauen Gegenwind einknicken. Und die bereit sind, sich zu ändern, obwohl ihnen das sehr schwerfällt.

Welche menschliche Leistung des letzten Jahrhunderts bewundern Sie am meisten?
Günter Netzer mit Gladbach im Pokalfinale 1973. Erst wechselt er sich selbst ein („Ich spiel dann jetzt“) und dann schießt er sein Team mit einem Traumtor zum Sieg über Köln.

Fünf Dinge, die wir noch nicht über Sie wissen:
Ich mag Tiere – heiß und fettig. Ich tanze nur ungern und wenn dann nur nach Genuss von alkoholhaltigen Erfrischungsgetränken. Ich hasse zelten oder campen. Wenn jemand heiratet oder stirbt, muss immer ich die Familienrede halten. Aber eigentlich rede ich ganz gern, besonders, wenn mir jemand zuhört – je mehr, desto besser. Ich bin ein Wettkampftyp, Training ist nicht so mein Ding. Ich bin auch kein Sprinter, eher Dauerläufer. Es „dauert“ also meistens bis ich ins Ziel komme, aber ich komme an.

Wollen Sie Ihren LeserInnen einen kurzen Gruß schreiben – wir würden uns freuen!
Wie wahnsinnig sind Sie denn? Dieses Buch zu kaufen und womöglich auch noch zu lesen, finde ich echt krass. Aber eines kann ich Ihnen schon jetzt versprechen: Sie werden es nicht bereuen. Es sei denn, Sie stehen nicht so auf Liebesgeschichten, Sie haben keinen Humor, Sie finden Happy Ends zum Kotzen. Aber so schätze ich Sie nicht ein. Ich glaube, dass Sie genau der richtige Leser für unser Buch sind. Sie werden bald merken, dass da sehr viel Liebe drin steckt und Leidenschaft – auch zwischen den Zeilen. Zu guter Letzt wünsche ich Ihnen viel Spaß bei der Lektüre. Ich bin mir jetzt sicher, dass Sie den haben werden.