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SPECIAL zu »Wer ins kalte Wasser springt, muss sich warm anziehen«

„Wussten Sie, dass Julia Bähr ihre Mutter am meisten dafür bewundert, wie sie mit ihrer Pubertät fertig wurde?“

Interview mit Julia Bähr

Julia Bähr
© Susanne Krauss, München | www.susanne-krauss.de

Bitte geben Sie uns eine kurze Biografie von sich:
Nach dem Abitur besuchte ich die Deutsche Journalistenschule in München und absolvierte parallel das Studium der Diplom-Journalistik an der Ludwig-Maximilians-Universität. Seit 2007 arbeite ich in München als freie Journalistin mit Schwerpunkt auf Kulturthemen unter anderem für die „FAZ", die "Abendzeitung" und FOCUS Online.

Würden Sie uns ein wenig über sich erzählen – Ihre Hobbys, Lebenssituation, Ihren Traum vom Glück, was Sie ärgert, welche Gabe Sie gerne besäßen …?
Ein Geständnis: Ich bin besessen von zuckerhaltigen Nahrungsmitteln, schönen Künsten und trashigen Fernsehsendungen. Ein Traum vom Glück: mehr Zeit zum belletristischen Schreiben zu haben.

Wie kamen Sie zum Schreiben?
Zum kreativen Schreiben: über ein paar Kollegen, die einen winzigen Kurzgeschichtenwett-
bewerb in Pfaffenhafen an der Ilm organisierten. Sie brauchten noch Kandidaten. Ich hab unter lautem Wehklagen ("Kann das nicht!") eine Kurzgeschichte geschrieben. Und gewonnen.

Wie finden Sie Ihre Themen?
Glücklicherweise haben viele meiner Freunde ein ausgeprägtes Talent, in absurde Situationen zu geraten. Sobald ich aufhören kann zu lachen, frage ich dann immer: "Darf ich das für mein Buch verwenden? Bitte bitte bitte?"

Gibt es bestimmte geographische Orte, zu denen Sie oder Ihr Buch einen besonderen Bezug haben?
München und die Toskana kommen im Buch vor - die sind schon beide ganz wunderbar. Und ich hege eine stille Liebe zur Insel Lindau.

Was lesen Sie selber gerne?
Alles, was klug oder witzig ist (am besten beides!) und nicht im Mittelalter spielt. Krimis nur in Ausnahmefällen.

Wer sind Ihre Lieblingsautoren?
Thomas Glavinic, Vladimir Nabokov, Wilhelm Genazino, Dorothy Parker

Wer sind Ihre liebsten Romanhelden?
Keine

Möchten Sie uns 3 Bücher für die einsame Insel empfehlen?
Unbedingt! 3 Bücher über das Alleinsein nämlich:
"Die Arbeit der Nacht" von Thomas Glavinic
"Die Wand" von Marlen Haushafer
"Großes Solo für Anten" von Herbert Rosendorfer
ln dieser Reihenfolge. Keinesfalls umgekehrt, sonst würden Sie sich im Meer ertränken.

Was ist für Sie die größte Versuchung?
Essen. Leider. Immerhin sind Menschen meines Schlages sehr leicht glücklich zu machen. Besonders toll dabei: Wenn Sie das Wort "glücklich" durch "dick" ersetzen, stimmt der Satz immer noch.

Verraten Sie uns Ihr Lieblingsrezept?
Meine Güte, als hätten Sie es gewusst!
Chicken Madras für vier Personen:
600 g Hähnchenfilet
4 Zwiebeln
4 Knoblauchzehen
1 Dose Kokosmilch
3 Karotten
2 möglichst reife kleine Bananen
2 Chilischoten
250 ml Gemüsebrühe
150 g Cashews
Zitrone

Zwiebeln, Knoblauch und Karotten würfeln. Das Hühnerfleisch in mundgerechte Stücke schneiden und anbraten (am besten mit Ghee und im Wok, aber Sesamöl und Pfanne gehen auch). Fleisch rausheben, salzen, pfeffern und großflächig mit Curry bedecken. Dann das Gemüse anbraten, die Bananen schälen, zerdrücken und dazumischen. Mit Brühe ablöschen und 5 Minuten kochen. Währenddessen Chilischoten entkernen und kleinschneiden. Chili gemeinsam mit der Kokosmilch, den Cashews und dem Fleisch in den Wok werfen. 10-15 Minuten schmoren lassen, dann mit Zitrone, Salz, Pfeffer, Chilipulver, Korianderpulver und Kreuzkümmel abschmecken. Falls nötig, lässt sich die Konsistenz mit Kokosraspeln sämiger machen.

Was ist für Sie die optimale Entspannung?
Umgeben von lieben Menschen in der Sonne liegen und abwarten, wer als Erster aufgibt und frische Getränke holt.

Haben Sie ein Lebensmotto?
“Before you diagnose yourself with depression or low self-esteem, first make sure that you are not, in fact, just surrounded by assholes.”

Gibt es eine Person, die Sie persönlich fasziniert?
Pina Bausch. Bin immer noch untröstlich über ihren Tod.

Welche menschliche Leistung des letzten Jahrhunderts bewundern Sie am meisten?
Wie meine Mutter mit meiner Pubertät fertig wurde, war schon Schwerstarbeit.

Welche Organisation oder welches Projekt würden Sie gerne unterstützen – oder tun dies bereits?
Ich spende durcheinander: mal fördere ich Straßenkinder in Indien, mal für die DKMS, mal für Tierschutz. Eine besondere Herzensangelegenheit habe ich bisher nicht.

Fünf Dinge, die wir noch nicht über Sie wissen:
1. Ich kann mir fast nur Sätze merken, die sich reimen.
2. Ich liebe Opern und Baumärkte.
3. Ich verachte schleimiges grünes Gemüse.
4. Ich war noch nie betrunken.
5. Ich lese heimlich Kitschromane. Also: so RICHTIG kitschige.

Wollen Sie Ihren LeserInnen einen kurzen Gruß schreiben – wir würden uns freuen!
Wenn Sie Hochzeiten lieben, ist das hier das richtige Buch für Sie. Wenn Sie Hochzeiten hassen, allerdings auch: Einer der Protagonisten ist ganz sicher auf Ihrer Seite. Außerdem können Sie Argumente sammeln, warum Heiraten furchtbar stressig ist - und am Ende vielleicht widerstrebend zugeben, dass es sich trotz allem manchmal lohnt, die Liebe so richtig groß zu feiern.