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KYRA GROH »Pinguine lieben nur einmal«

Kyra Groh über Hatschipuh, den Kobold, über die Tatsache, dass Schokolade leider mehr Kalorien hat als Gemüse, und über ihre Stalkerneigungen …

Würden Sie uns ein wenig über sich erzählen?
Ich liebe Musik. Ich spiele seit ich acht bin Saxofon und bin leider bei weitem nicht so gut, wie ich sein könnte, wenn ich auf Mama gehört und mehr geübt hätte. Bei Gelegenheit möchte ich noch lernen, Klavier zu spielen.

Ich träume von einem Arbeitszimmer, dessen Wände von mit Büchern und CDs vollgestopften BILLY-Regalen gepflastert sind. Ich arbeite eifrig an diesem Traum und ja, ich kaufe tatsächlich noch gedruckte Bücher und gepresste CDs.

Ich finde, es ist eine Unverschämtheit, dass Schokolade mehr Kalorien hat als Gemüse, aber trotzdem besser schmeckt. Da ist die Evolution definitiv gescheitert.

Ich wäre gerne ordentlich.

Wenn ich groß bin, möchte ich Zeichentrickfilme synchronisieren.

Wie kamen Sie zum Schreiben?
Ich habe ganz ehrlich schon immer gerne geschrieben. Schon in der Grundschule habe ich mir stundenlang Zeit genommen, wenn ich als Hausaufgabe Bilder- oder Fortsetzungsgeschichten schreiben sollte. Einmal hat meine Lehrerin mich tatsächlich ermahnt, ich solle mir nicht so viel Hilfe bei meinen Eltern holen, weil sie mir nicht glauben wollte, dass die Überschrift „Der defekte Drachen“ wirklich meinem eigenen Geist entsprungen ist. Anscheinend traut man das Wort „defekt“ einer Neunjährigen nicht zu. Meine Mutter erzählt heute auch noch gerne eine andere Geschichte aus meiner Grundschulzeit: Wir hatten uns im Unterricht mit dem Thema Hexen beschäftigt und sollten alle Unterrichtsmaterialien in einem Hefter sortieren und schön gestalten. Unsere Lehrerin nannte das „Das Hexenbuch“. Ich hatte die Aufgabe irgendwie falsch verstanden, denn am Ende der Lehreinheit gab ich ein Buch ab, in dem ich die Geschichte von der kleinen Hexe und ihrem Freund Hatschipuh, dem Kobold, erzählte – ich hatte eben ein Hexenbuch geschrieben. Mein neunjähriges Selbst hat es damals nicht gut verkraftet, dass ich auf diese (Fehl)Leistung keine eins bekommen habe.

Für mich selbst habe ich etwa mit elf zu schreiben begonnen. Ich übernachtete bei einer Freundin, und wir hatten den festen Vorsatz, die ganze Nacht aufzubleiben, aber irgendwann wurde uns schrecklich langweilig. Sie machte den Vorschlag, kleine Liebesgeschichtchen zu schreiben und sie anschließend einander vorzulesen. Nach dieser Nacht hatten wir monatelang keine andere Beschäftigung mehr. Irgendwann wurden aus meinen kurzen, handgeschriebenen (und heute nicht nur deshalb unleserlichen) Geschichten, seitenlange Computerdokumente. Ich schrieb einfach immer weiter, so lange bis ich plötzlich gemerkt habe: Hups, Kyra, ich glaube, du hast da ein Buch geschrieben! Das war im ersten Semester von meinem Studium – ich wohnte in einem Einzimmerappartement, hatte keinen Fernseher, kein Telefon, kein Internet. Ich hatte nur meinen Laptop, also habe ich einfach geschrieben.

Wie finden Sie Ihre Themen?
Ich bin eine gute Beobachterin. Wenn ich unterwegs bin, egal wo, wann und mit wem, ploppen in meinem Kopf häufig Geschichten zu den Situationen auf, die ich beobachte. Das kann unheimlich inspirierend sein – und klingt bestimmt ein bisschen gruselig und stalkermäßig.

Für lustige Szenen oder witzige Sprache inspiriert mich nichts so sehr wie meine Freunde oder meine Familie. An lustigen Abenden im Freundeskreis, beim Familientreff oder am Telefon mit Freundinnen würde ich manchmal gerne ein dutzend Notizen mitschreiben. Ich habe schon heimlich Facebook-Nachrichten von meinen besten Freundinnen abgespeichert, weil sie so unheimlich witzig waren.

Ich finde, dass es total Spaß macht, Dinge zu lesen, bei denen man denkt: Ja, genau so hätte das mir oder meinen Freunden passieren können, so hätte auch meine beste Freundin mit mir gesprochen. Weil ich das gerne lese, schreibe ich solche Passagen am liebsten auf – oder bemühe mich zumindest darum.

Musik, Literatur, Fernsehen, Serien, Filme, Dinge, die ich im Internet sehe, sind eine riesige Inspiration. Wenn ich sehe, lese oder höre, wie andere Menschen ihre Kreativität ausdrücken, bekomme ich total Lust, mich selbst an den Computer zu setzen und loszuschreiben.

Welche Szene war in Pinguine lieben nur einmal am schwierigsten zu schreiben?
Während der Arbeit mit meiner Lektorin sind wir auf ein Problem gestoßen. Der Charakter von Janoschs Freund Simon, war irgendwie nicht ausgereift. Es gibt im letzten Drittel des Buches mehrere Szenen, in denen Simon eine entscheidende Rolle spielt und einen recht negativen Einfluss sowohl auf Feli als auch auf Janosch ausübt. Ich hatte beim Schreiben durchaus beabsichtigt, dass er gewissermaßen zum bösen Buben wird, aber ich hatte mich nicht genug getraut. Simon hat schlussendlich in keine Schublade mehr reingepasst, dem Leser – und gewissermaßen auch mir selbst – konnte nicht mehr klar werden, ob Simon jetzt ein Guter oder ein Schlechter ist. Ich hatte seine Motive einfach nicht ganz durchdacht. Das hat sich beim Überarbeiten gerächt. Das Problem war: Ich mochte Simon eigentlich immer ganz gerne, also ist es mir schwer gefallen, Simon schlecht rüberzubringen. Für gewöhnlich lege ich eine Figur nämlich von Anfang an eher sympathisch oder unsympathisch an. Es war Neuland, plötzlich umswitchen zu müssen. Ich war fast ein bisschen wehmütig.

Haben Sie eine Lieblingsszene?
Eine meiner absoluten Lieblinge ist die Szene, in der Feli Janosch aus Der Vorleser vorliest. Die Zitate aus dem Vorleser passen einfach so gut zu Felis und Janoschs Geschichte.

Haben Sie eine Lieblingsfigur?
Ja und nein. Ich liebe Feli und Janosch, sie sind mir ans Herz gewachsen. Im Prinzip sind alle Figuren für mich und die Geschichte wichtig, aber mit den beiden Hauptpersonen habe ich einfach selbst geliebt und gelitten. Wenn Feli traurig ist, bin ich es auch, wenn sie sauer auf Janosch ist, hasse ich ihn, wenn Janosch schöne Dinge sagt, liebe ich ihn. Mich in Feli hineinzuversetzen war einfach etwas ganz Natürliches. Janosch war eine Herausforderung und deswegen auch sehr spannend.

Wer sind Ihre Lieblingsautoren?
Ich bin ein großer Fan von John Green. Und damit meine ich: Ich würde selbst seine Einkaufsliste mit Vergnügen lesen. Er hat die Fähigkeit, mich nicht nur innerhalb eines Buches, sondern innerhalb eines Satzes gleichzeitig zum Lachen und zum Heulen zu bringen. Das ist unglaublich! Ich mag Anthony McCarten sehr gerne, ich bewundere Joey Goebel, Jonathan Safran Foer, Markus Zusak, Jodie Picoult. Bei deutschen Autoren greife ich meistens zur Unterhaltungsliteratur: Tommy Jaud, Moritz Netenjakob, Ildiko von Kürthy, Kerstin Gier. Sie haben einfach die Gabe, unheimlich witzig zu sein.

Möchten Sie uns 3 Bücher für die einsame Insel empfehlen?
Das Schicksal ist ein mieser Verräter von John Green als Erinnerung daran, dass Glück und Unglück sich nicht unbedingt ausschließen müssen. Einen Harry Potter Band, am besten Die Heiligtümer des Todes, damit ich nicht vergesse, dass alles möglich ist, wenn man weiß, wer man ist und wo man hingehört. Und weil es auf einer einsamen Insel bestimmt nicht so viel zu lachen gibt, würde ich noch entweder Fremd Küssen von Steffi von Wolff oder Macho Man vom Moritz Netenjakob miteinpacken.

Was ist für Sie die größte Versuchung?
Meine allergrößte Versuchung ist leider Gottes: Essen. Ich neige dazu, mir von allem, was ich mag, zu viel zu genehmigen – das gilt nicht nur für Leckereien. Ich kaufe Bücher, obwohl ich den letzten Schwung noch nicht ausgelesen habe, T-Shirts, die sich von meinen bereits vorhandenen mit bloßem Auge nicht unterscheiden lassen, und in der Staubfänger-Abteilung im schwedischen Möbelhaus könnte ich schier durchdrehen.

Eine andere Versuchung, der ich ständig erliege, ist folgende: Wenn ich etwas dringend fertigstellen muss (das klassische Beispiel zu Uni-Zeiten waren Hausarbeiten), ist es wirklich verlockend, wenn mich einer meiner Freunde fragt, ob ich etwas unternehmen will. Mein Verstand sagt mir: Nein Kyra, du musst arbeiten. Aber meistens höre ich nicht auf meinen Verstand und verbringe den Abend lieber mit Freunden, statt fleißig zu sein. Prokrastination nennt man das wohl.

Was ist für Sie die optimale Entspannung?
Zwei Möglichkeiten:
1) Zwei bis zehn Freunde. Ein Balkon. Etwas zu essen und zu trinken. Musik. Alle lachen und quatschen wild durcheinander. Das ist die laute Form der Entspannung.
2) Nur ich, Kopfhörer, mein Laptop und das Tippen auf der Tastatur. In meinem Bett. Nach null Uhr. Dazu die Aussicht, am nächsten Tag ausschlafen zu können. Das ist die leise Form der Entspannung.