VERLAGSGRUPPE RANDOM HOUSE - BERTELSMANN
Menü

SPECIAL zu Katrin Jäger

Wussten Sie, dass Katrin Jäger schreibt, um ihre Geschichten nicht länger an die Dunstabzugshaube zu verlieren?

Interview mit Katrin Jäger

Würden Sie uns ein wenig über sich erzählen – Ihre Hobbys, Lebenssituation, Ihren Traum vom Glück, was Sie ärgert, welche Gabe Sie gerne besäßen …?
Ich lebe mit meinem Mann und unseren Söhnen (4 und 7) mitten auf einer Wiese in meinem Heimatdorf in Westfalen. Manchmal jogge ich über Feldwege zur Ems oder Bever, danach schreibe ich an meinem völlig chaotischen Schreibtisch. Manchmal habe ich Heimweh nach Berlin – und manchmal fahre ich hin, um alte Kollegen und Freunde zu besuchen. Ich hätte also gerne die Gabe, an zwei Orten gleichzeitig zu sein. Was mich ärgert? Menschen, die keine Rücksicht nehmen, drängelnde Autofahrer, motzende Ellenbogenausfahrer, nörgelnde „Auch-lange-nix-von-dir-gehört-Sager“. Mein Traum von Glück? Ein Haus auf einer Wiese, Bücher schreiben, sich zu Hause fühlen – ahh – schon erfüllt …

Wie kamen Sie zum Schreiben?
In der Grundschule liebte ich diese Reizwortgeschichten. Der Lehrer gab drei Worte vor und wir mussten etwas dazu schreiben. Dann, auf meiner Abiturfeier, sah ich zwei Reporterinnen der örtlichen Tageszeitungen. Die eine trug große runde Ohrringe und kurze Haare, und ich erinnere mich noch genau, dass ich die beiden beneidet habe. Darum, dass sie das, was sie hier sahen, aufschreiben durften und dass ihr Text am nächsten Tag von anderen Leuten gelesen werden würde. Als ich kurz danach erfuhr, dass unsere Lokalzeitung freie Mitarbeiter sucht, meldete ich mich – und seitdem habe ich nicht mehr aufgehört Texte zu schreiben, die andere Leute lesen.

Wie finden Sie Ihre Themen?
Ständig, dauernd, man ist doch eigentlich immer umgeben von Themen. Ich höre von einem menschlichen Schicksal, von einem Kriminalfall, von irgendeiner skurrilen Begebenheit, und mein zweiter Gedanke ist: Das müsste man mal aufschreiben. Schon als Kind hatte ich außerdem dieses Mitteilungsbedürfnis. Man hat etwas erlebt oder gehört, man möchte es spannend weitererzählen. Der Vorteil jetzt ist: Ich kann sogar Geschichten erfinden.

An welchem Buch arbeiten Sie gerade?
Mein Schützenkönig ist zwar ein in sich geschlossenes Buch, aber es geht weiter mit meinen Helden. In Luderplatz gerät die rotzige Großstadt-Reporterin Viktoria Latell wieder in einen doppelbödigen Fall. Ihr Fotografenkollege Mario findet nach einem One-Night-Stand jede Menge Blut in seinem Badezimmer, doch seine Herzdame ist verschwunden. Viktoria hilft ihm bei der Suche, die die beiden wieder nach Westbevern – und damit auch zum attraktiven Kai Westmark – führt. Wie gehofft, kommen Kai und Viktoria sich näher, doch eine Leiche und seltsame Hinweise auf einen Vermisstenfall aus Berlin lassen Kai plötzlich in einem ganz anderen Licht erscheinen.

Welche Szene daraus war bisher am schwierigsten zu schreiben?
Die Liebesszene zwischen Kai und Viktoria. Es soll knistern, erotisch sein, aber nicht in Pornografie und schwülstiges Kitschkino abgleiten. Ich hoffe, dass es gelungen ist.

Haben Sie eine Lieblingsszene?
Es gibt da eine ganz kurze Szene einer Nebenperson. Es geht um einen Rechtsmediziner, der der Karriere wegen nach Berlin geht und am Bahnhof seine Kinder abholt, die ihn das erste Mal besuchen kommen – und sich benehmen wie Fremde. Irgendwie muss ich jedes Mal heulen, wenn ich das beim Korrekturlesen noch mal lese.

Haben Sie eine Lieblingsfigur?
Ich mag sie ja irgendwie alle. Aber Mario, der Fotografen-Freund meiner Heldin, könnte das Zeug zur Lieblingsfigur haben.

Gibt es bestimmte geographische Orte, zu denen Sie oder Ihr Buch einen besonderen Bezug haben?
Mein Heimatdorf Westbevern bei Münster und die eine große beste Stadt: Berlin!

Was lesen Sie selber gerne?
Bücher, die mich zum Nachdenken bringen, ohne dass ich es merke oder mir Mühe geben muss. Geschichten, die mich überraschen – mit Helden, die ich mag. Das können Krimis, Liebesgeschichten, Entwicklungsromane – eigentlich beinahe alle Genres – sein. Nur dieser Fantasy-Hype, der geht völlig an mir vorbei.

Wer sind Ihre Lieblingsautoren?
Håkan Nesser, John Irving, Martin Suter

Wer sind Ihre liebsten Romanhelden?
Em und Dex in „Zwei an einem Tag“

Möchten Sie uns 3 Bücher für die einsame Insel empfehlen?
1. „Owen Meany“ von John Irving, weil das Buch viel mit Gott zu tun hat – und den braucht man, wenn man alleine auf einer Insel gestrandet ist.
2. „Dangerous Book for Boys“, weil darin viele praktische Tipps zum Baumhaus-Bauen und Himmelsrichtungsbestimmen drin sind.
3. „Zwei an einem Tag“, weil ich mich zusammen mit Em und Dex nicht so einsam fühlen würde.

Was ist für Sie die größte Versuchung?
Eierlikörbecher in der Eisdiele, Chips Oriental auf dem Sofa, zu viel kühles Bier auf einer Party, E-Mails checken statt Arbeiten am Computer, Lesen statt aufzuräumen.

Verraten Sie uns Ihr Lieblingsrezept?
Fürs Leben oder in der Küche?

Für die Küche: Nudeln mit Gorgonzolasauce. Einfach die Nudeln kochen und den Gorgonzolakäse in Sahne auflösen, etwas dick werden lassen und dann über die Nudeln geben. Das schaffe sogar ich ...

Fürs Leben: Nichts bereuen, es macht alles irgendwie Sinn!

Was ist für Sie die optimale Entspannung?
Wandern. Schlafen. Fernsehen.

Haben Sie ein Lebensmotto?
Das, was man machen will, machen!

Gibt es eine Person, die Sie persönlich fasziniert?
Es gibt einige: Doch diese beiden fielen mir zuerst ein: Harald Schmidt und Helmut Schmidt.

Welche menschliche Leistung des letzten Jahrhunderts bewundern Sie am meisten?
Den Frieden und den Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg.

Welche Organisation oder welches Projekt würden Sie gerne unterstützen – oder tun dies bereits?
Projekte für alte Leute und Ärzte ohne Grenzen finde ich unterstützenswert.

Fünf Dinge, die wir noch nicht über Sie wissen:
1. Ich mag überhaupt keinen Kaffee.
2. Ich bin Cola-Zero-süchtig und MUSS immer eine kalte Flasche im Kühlschrank haben.
3. Ich habe einen Zwerghamster namens Diego, der aber wahrscheinlich nicht mehr lange lebt, da er schon 2 ist. Ich hätte gerne einen Esel, doch wenn ich an die Pflege und Hege denke, ist der Hamster klar die bessere Alternative.
4. Ich war eine sehr unbegabte Bassistin der sehr begabten Band „Graces in the Mud“ und habe Madonnas „Material Girl“ in einer Punk-Version gesungen ... äh ... versucht, zu singen.
5. Ich liebe „Dr. House“ – also nicht ihn, die Serie!

Wollen Sie Ihren LeserInnen eine kurzen Gruß schreiben – wir würden uns freuen!
Meine Mutter erzählt manchmal, dass ich als Kind immer so voller Geschichten war, dass sie regelmäßig die Dunstabzugshaube angestellt habe, um mein Dauergequassel nach der Schule nicht immer hören zu müssen. Was für ein Segen für sie und für mich, dass ich schreiben lernte und endlich aufschreiben konnte, was mich bewegt. Wenn ich heute ein Buch schreibe, schreibe ich es so, wie ich es selber gerne hätte. Ich versuche, eine deutliche, klare, gerade Sprache zu verwenden und ich versuche eine Geschichte zu erzählen, die spannend ist, die zu Herzen geht, die traurig ist und lustig – so wie alle Geschichten eben, die das Leben so schreibt. Es macht mich stolz und froh, wenn jemand sich die Zeit nimmt, MEIN Buch zu lesen. Ich bin glücklich, dass Sie mein Leser oder meine Leserin sind! Danke fürs Zuhören … äh, Lesen …

August 2012

Katrin Jäger

Jagdgrund

Kundenrezensionen (1)

€ 7,99 [D] inkl. MwSt. | CHF 9,00* (* empf. VK-Preis)

Oder mit einem Klick bestellen bei

Weiter im Katalog: Zur Buchinfo