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Kim Fisher - Im Zeichen der Jungfrau

SPECIAL zu Kim Fisher

Drunter und Drüber

Rezension von Ulrike Künnecke

Zweihundertsechsunddreißig Strafmandate für Falschparken in zwei Jahren. Diese stolze Quote teilt Dodo, genauer: Dorothea von Schretten, die Hauptfigur aus Kim Fishers neuem Roman, mit ihrer Schöpferin, die ebenfalls vom Polizeipräsidenten zum Idiotentest einbestellt wurde. Darüber hinaus gibt es noch weitere Parallelen zwischen der vielseitig begabten Moderatorin, Schauspielerin, Sängerin und Autorin und ihrem fiktiven Alter Ego. Ähnlich wie in ihrem äußerst erfolgreichen Erstling „90 Tage auf Bewährung. Die ersten drei Monate einer neuen Liebe oder Die stressigste Zeit im Leben einer Frau“ blitzen immer wieder autobiografische Versatzstücke in dem flott und witzig geschriebenen Roman auf.

Parken ohne Parkschein
Dodo lebt als Single mit ihrem hässlichen Hund Inge in Berlin, ist Radiomoderatorin, ein wenig aufmüpfig und ebenso charmant wie chaotisch. Nur dumm ist sie überhaupt nicht. So hat sie sich ausgerechnet, dass Strafmandate für Parken ohne Parkschein günstiger kommen als solche, die auf eine Zeitüberschreitung beim Parken folgen. Nichtsdestotrotz hat sich im Laufe der Zeit einiges angesammelt an Knöllchen. Also muss sie an einem Freitagmorgen zum Idiotentest.

„… Und dann kam er auch schon – der Psychoteil –, vor dem mich alle eindringlich gewarnt hatten. Als ich die Tür zum Behandlungszimmer öffnete, verfluchte ich den Moment, an dem ich beschlossen hatte, ungeschminkt zu dieser Veranstaltung zu gehen. Was für ein Mann. Er sah umwerfend aus und versprach gleichermaßen Spaß und gute Umgangsformen. Nur war das hier leider kein Speed-Dating, wo der Wecker nach sieben Minuten klingelte. Dieser Mann wollte mich mit Haut und Haaren – und zwar für die nächsten zwei Stunden.“

Die eiserne Jungfrau
Zwar verläuft der Test nach Plan, doch trotzdem ist es nicht gerade Dodos Tag. Hund Inge hat fortwährend Durchfall, während Dodo im Waschsalon versehentlich ihre gesamte Kleidung rosa einfärbt. Doch das Schlimmste: Die abendliche Moderation läuft aus dem Ruder. Von einem aggressiven Hörer beschimpft, behauptet Dodo auf einmal sehr überzeugend, mit ihren zweiunddreißig Jahren immer noch Jungfrau zu sein. Jungfrau aus Überzeugung. Max, der schimpfende Flegel aus der Sendung, ist beeindruckt. Doch nicht nur er: Auch die Boulevardpresse wittert ihre Chance auf einen frivolen Aufmacher. „Sexpertin noch Jungfrau! Und darunter las ich: 32-jährige Radiomoderatorin gesteht: Ich hatte noch nie Sex. Ich kam zu dieser Sekunde nicht im Entferntesten darauf, dass diese Beraterin in irgendeiner Form mit mir verwandt sein könnte.“

Zwar ist an Dodos Behauptung kein Fünkchen Wahrheit, doch eine riesige Maschinerie läuft an, mit weiteren Zeitungsartikeln, Interviews, einem Auftritt in der begehrtesten Talkshow. Und Dodo gewinnt langsam Geschmack an der ganzen Sache. Zumal nicht nur der attraktive Psychologe vom Idiotentest, Sebastian, sie per SMS um ein Date bittet, sondern sich auch Max, der durch seine Provokationen das Ganze überhaupt erst ausgelöst hat, als äußerst attraktiver Zeitgenosse entpuppt:

Ein A oder ein O
„Ich spürte eine Ladehemmung. Den ganzen Tag hatte ich wie auf Knopfdruck Worte gesprudelt, und jetzt? Nicht ein Laut, kein Vokal. Ein A oder ein O hätte doch sicherlich schon viel zur Kommunikation beigetragen. Offensichtlich suchte dieser Traummann auch nach Worten. Aber im Gegensatz zu mir konnte er noch seinen Namen aussprechen. ‚Max.‘ Er reichte mir die Hand. Und öffnete mein Herz. Und noch mehr – ich wollte ein Kind von ihm. Jetzt. Sofort. Wobei ich ganz klar gerade viel schärfer aufs Machen als aufs Bekommen war.“

Doch bevor sich Dodo an all diese Männer und die ungewohnte öffentliche Aufmerksamkeit so richtig gewöhnen kann, dreht sich der Wind schon wieder. Und sie muss sich einmal mehr verzweifelt fragen, wie es denn jetzt nur weitergehen soll – und ob einer der Männer tatsächlich sie gemeint haben könnte.

Temporeiches Vergnügen
Kim Fisher bietet mit ihrem locker-leichten Roman ein ideales Lesevergnügen für heiße Strandtage oder verregnete Wochenenden. Wie in einer literarischen Screwball-Comedy prescht sie mit hohem Tempo und Wortwitz durch eine Medienlandschaft, die ihr bestens vertraut ist. Aber vor allem begleiten wir die liebenswerte Heldin Dodo auf ihrer verwirrenden Suche nach dem endlich Richtigen – ein Thema, das kaum eine Frau kalt lassen dürfte ...

Ulrike Künnecke
Literaturtest
Berlin, Juni 2008