Konstantin Wecker: Das ganze schrecklich schöne Leben - Die Biographie

Konstantin Wecker – Die Biographie

Konstantin Wecker
© Thomas Karsten
Das Leben jedes einzelnen Menschen auf diesem Planeten wäre spannend genug, um in einer Biographie erzählt zu werden. Meistens sind es dann doch die eher Prominenten, deren Lebensgeschichten gelesen werden. Prominent aufgrund ihrer Verdienste, ihres Ruhms, ihrer Exzentrik – oder aber aufgrund ihrer Bösartigkeit. Aber auch die Biographien unauffälliger, sich stets dem Rampenlicht verweigernder Wesen wären der Beachtung wert.
Die Frage ist nämlich stets (ob der Mensch nun bekannt oder unbekannt ist): Wie entwickelt sich ein Lebensweg zu diesem einzigartigen Wesen, das es nie vorher gab und auch danach nie mehr geben wird?

Kein Wassertropfen gleicht dem anderen, keine Schneeflocke ist identisch mit einer anderen – und kein menschliches Leben, und sei es noch so angepasst, gleicht einem anderen. In jedem Menschen lauern Abgründe und Höllen, in jedem ist das Unvergleichliche, Ewige und Göttliche zu erahnen, manchmal sogar zu erspüren. Jeder und jede hat seine eigene Geschichte, Eltern, Großeltern, Schrecknisse und Gnadenmomente, seine ureigene Vita eben, seine Biographie. Auch wenn man über Jahrzehnte hinweg mit anderen die gleiche Geschichte teilt, schon ein falscher oder richtiger Tritt aus dem stets gleichen Trott – und sei es nur der Zufall einer Sekunde, der einen zum Schwanken bringt –, ein Windhauch, ein kurzes Hinüber- oder Zurückblicken, könnte genügen, um die Weltgeschichte zum Beben zu bringen. Es ist doch gar nicht sicher, ob es immer die Großen und Berühmten waren, die Heerführer und Kaiser, die Großdichter und Propheten, die unsere Weltgeschichte verändert haben – oft zum noch Inhumaneren, manchmal aber auch zum Menschlicheren.

Vielleicht war es die aus dem Moment geborene Befehlsverweigerung des Adjutanten eines Feldherrn, die das römische Imperium zum Einstürzen brachte. Vielleicht sind es aber auch viel weniger geschichtsträchtige Augenblicke, die zählen: das Händchenhalten zweier Verliebter zum rechten Zeitpunkt, ein Lächeln, das aus der Tiefe der Seele sprang, ohne damit etwas erreichen zu wollen, der unbedachte Satz eines im Ozean der Geschichte längst vertilgten Einzelgängers, die Abweisung einer Geliebten, der Pantoffel eines Ehepartners – ach, was weiß ich?

Wir alle drehen ständig am Rad der Geschichte, und keiner von uns, kein Einziger, kann sich da ausklinken. Auch wenn eine solche Vogel-Strauß-Politik einfacher wäre: Nein, so wie wir alle ein unvergleichliches und einzigartiges Leben haben, sind wir auch alle an dem beteiligt, was in der Welt geschieht. Am Schönen wie am Schrecklichen. Vor über 30 Jahren habe ich fast im Rausch und ohne mir wirklich bewusst zu sein, was ich da in einer Nacht zu Papier gebracht habe, meine Elegien »Uns ist kein Einzelnes bestimmt« geschrieben. Sie enden mit den Worten:

Uns ist kein Einzelnes bestimmt.
Ein jeder ist die Menschheit,
geht mit ihr unter
oder wendet sie
zum Guten hin.


Spannend, wie mich nach drei Jahrzehnten diese Verse wieder einholen und wie sie mein Leben in einem neuen Licht erscheinen lassen.
Kann es überhaupt eine objektive Biographie geben? [...] In den letzten Wochen habe ich mit vielen Menschen darüber gesprochen, meist nach Konzerten, und fast jeder hat mir das bestätigt: Es gibt keine objektive Sicht auf die eigene Biographie.
Genauso hat natürlich der Blick anderer auf mein Leben in erster Linie mit seinem eigenen Erleben zu tun. War ich als junger Mann für meine Freunde eher ein Konkurrent oder ein Freund, dem man liebend folgen wollte? In den Augen der einen bin ich heute ein Sturkopf, der sich an seine 68er-Ideale klammert und nichts dazugelernt hat, für die andern vielleicht gerade deshalb ein aufrechter Künstler, der seinen Idealen treu geblieben ist. [...]

Liebe Leserin, lieber Leser, diese Biographie ist ein wirklich neuer Versuch, einem ganz schön aufregenden Leben schreibend näherzukommen. Mir genügt meine eigene Sicht nicht, sie kommt mir etwas einseitig vor, und ich habe mich auch in so vielen Interviews, Internet-Blogs und auf facebook schon über mich ausgelassen. Vielleicht finden Sie es ja genauso spannend wie ich, diese nicht unbedingt langweiligen 70 Jahre aus drei Blickwinkeln beleuchtet zu sehen. [...]

»Hunderte Menschen sind mir im Laufe eines langen und ereignisreichen Lebens lieb und wichtig gewesen, aber nur wenige von ihnen konnten in dieses Buch Eingang finden. Den anderen möchte ich versichern, dass ich sie nicht vergessen habe und dass sie ihren Platz in meinem Gedächtnis und Herzen behalten werden bis zu dem Tag an dem ich sterbe.« Mir geht es genauso: Danke, dass ich an eurer Seite sein durfte und ihr mein Leben bereichert habt.

Das ganze schrecklich schöne Leben

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