Melanie Raabe: Kreativität

Lebe deine Kreativität!

Kreativität macht glücklich – und sie hilft uns dabei, die Herausforderungen des Lebens zu meistern, im Großen wie im Kleinen. Melanie Raabe, SPIEGEL-Bestsellerautorin und selbst lange auf der Suche nach ihrem „ganz persönlichen Ding“, erklärt in diesem Buch, weshalb wir alle kreativ sind und wie wir die Inspiration finden, um auf das zu stoßen, was uns im Innersten ausmacht und weiterbringt. Dabei geht es um Mut und Beharrlichkeit, Leichtigkeit und Durchhaltevermögen, um Originalität und Schnapsideen, um Produktivität und Prokrastination, ums Scheitern und vor allem: ums Weitermachen, auch wenn ein rauer Wind bläst. Denn Kreativität ist mehr als der gelegentliche Geistesblitz. Kreativität ist eine Lebenseinstellung.

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Wenn du bereits kreativ arbeitest – sei es beruflich, sei es privat –, dann ist dieses Buch für dich. Wenn du glaubst, dass du überhaupt nicht kreativ bist, es aber gerne wärst, dann ist es erst recht für dich. Denn eines weiß ich ganz sicher: Wir alle sind kreativ. Ob wir uns dessen bewusst sind und unsere Fähigkeiten nutzen oder nicht. Es gibt viele Dinge, die man tun kann, um bessere Ideen zu haben und auf Dauer inspiriert und produktiv zu bleiben. Denn diese Fähigkeiten funktionieren wie ein Muskel, und einen Muskel kann man trainieren. Ich verrate hier, wie ich es angestellt habe – und wie du es tun kannst. Und das macht viel mehr Spaß als der Muskelaufbau im Fitnessstudio. Versprochen.



Kreativ im Alltag
Ich bin der Meinung, dass Kreativität unser Leben schöner und reicher macht – im Großen wie im Kleinen.
Kreativität ist der Unterschied zwischen einem Blumenstrauß, den du im Laden kaufst, und einem, den du selber bindest … oder pflückst.
Kreativität ist der Unterschied zwischen einer ganz normalen Sprachnachricht auf der Mailbox deiner besten Freundin und einer, die sie zum Lachen bringt.
Wenn wir uns unser Leben als Kunstwerk vorstellen, das es zu gestalten gilt, dann nehmen wir allem gegenüber einen künstlerischen Blick ein. Wenn wir aufmerksam und mit einem Blick für Schönes und Interessantes durch die Welt gehen, dann begegnet es uns überall. Und schließlich bieten sich jeden Tag Hunderte Gelegenheiten für kleine kreative Akte. In der Kommunikation beispielsweise.
Wir können alles, was wir mitteilen möchten, auf herkömmliche oder auf kreative Art und Weise sagen. Wir können beispielsweise eine ungewöhnliche Form wählen.

Ich habe mal einen Entschuldigungsbrief bekommen. Der wurde mir aber nicht per Post zugestellt oder einfach ausgehändigt, er kam in der Form eines Papierflugzeugs angeflogen.
(Ich musste sofort lächeln und war augenblicklich entwaffnet.)

Es fällt mir auch jedes Mal positiv auf, wenn kreativ mit eigentlich gängigen Inhalten umgegangen wird. Im Prospekt eines Winzers, den ich mag, fand ich kürzlich diese Beschreibung eines Rieslings:
»feine Sponti-Nase, duftig-fein
phänomenal fruchtig-erfrischende Säure
zum Reinlegen (Info: für ein Vollbad benötigt
man ca. 160 Flaschen)«
Ich musste bei der Info zum Vollbad einfach sofort schmunzeln! Keine große Sache, schon klar. Aber ein bisschen Humor, eine unerwartete Wendung in einem ansonsten herkömmlichen Prospekt … und schon ist die Welt ein klein wenig bunter.

Eine Freundin von mir hat eine Schiefertafel bei sich im Flur aufgehängt. Jedes Mal, wenn ich bei ihr bin, steht ein anderes schönes Zitat darauf. Oder sie hat etwas gezeichnet. Ich stelle mir vor, wie sie morgens nach dem Zähneputzen mit Kreide an diese Tafel tritt, sie auswischt, kurz überlegt, was sie heute mit ihr anstellen will und loslegt. Was für ein hübsches kleines Ritual!
Ich mag so etwas.

Als ich einst bei einem befreundeten Paar zu Besuch war, stellte ich fest, dass sie ein Spiel herumstehen hatten, das ich noch aus meiner Kindheit kannte: Es besteht aus einem Plastikkrokodil mit weit geöffnetem Maul. Man kann abwechselnd auf die Zähne des Krokodils drücken – und irgendwann schnappt es zu. Ich fand dieses Spiel als Kind wahnsinnig aufregend. Besagtes Pärchen verwendet es allerdings nicht zum Zeitvertreib, sondern um Streits über Kleinigkeiten, wie die Frage, wer den Müll rausbringen muss, zu vermeiden. Wenn sie sich uneinig sind, holen sie das Krokodil heraus, spielen eine Runde – und wer »geschnappt« wird, bringt ohne zu murren den Müll weg. Plastikkrokodile können Beziehungen retten! Wenn das keine kreative Problemlösung ist, dann weiß ich auch nicht.

Es gibt Menschen, die all die winzigen Möglichkeiten, kreativ zu werden, ganz automatisch nutzen.
Oft haben sie etwas Spielerisches und mögen kleine Albernheiten. Wenn eine besonders öde Sitzung oder ein ungeliebter Vortrag ansteht, werden sie vielleicht vorschlagen, BullshitBingo zu spielen, oder ihren ganz eigenen Zeitvertreib erfinden, um sich die Langeweile zu vertreiben. Wenn sie in den Himmel schauen, dann sehen sie nicht Wolken, sondern Schildkröten, Einhörner oder Kaninchen im Sprung.

Besonders kreative Menschen sehen nicht nur was ist, sondern was sein könnte. Sie denken häufiger »Was wäre, wenn …?« Aus dieser Frage können kreative Werke und außergewöhnliche Erlebnisse resultieren.
Für die meisten von uns findet ein Konzert in einer Konzerthalle statt. Aber was, wenn wir sehr früh aufstünden, uns Campingstühle schnappten und in den Wald führen, um uns ein Vogelkonzert anzuhören?

Die Menschen in meinem Umfeld, bei denen die Fähigkeit, kreative Möglichkeiten zu erkennen, besonders ausgeprägt ist, empfinden ganz Alltägliches als aufregend und besonders. Kein Wunder, dass sie meistens ziemlich glücklich sind. Sie brauchen weniger dafür als andere.
Ich nenne das Mikrokreativität.

Wir werden nicht jeden Tag eine weltbewegende Idee haben – aber vielleicht einen kleinen Einfall, der uns oder anderen eine Freude macht. Vielleicht setzen wir uns an den Schreibtisch und schreiben von Hand einen langen, schönen Brief an unsere Oma. Vielleicht verzieren wir ihn mit Blumen, die wir zwischen den Seiten des dicksten Wälzers in unserem Bücherregal getrocknet haben.
Vielleicht nehmen wir uns ein Beispiel an den Kindern in unserem Umfeld, die Erwachsenen häufig Bilder malen. Vielleicht versehen wir den Einkaufszettel, mit dem wir unseren Mitbewohner in den Super markt schicken, mit Zeichnungen statt mit Worten. Vielleicht kreieren wir aber auch mit den Lebensmitteln, die wir noch im Haus haben, ein ganz neues Gericht. Oder wir richten eine altbekannte Speise auf ganz neue Art an! (Haute Cuisine hübsch aussehen zu lassen ist leicht, aber probier das mal mit einer einfachen Erbsensuppe oder einem Käsebrötchen!) Oder wir überraschen unseren Freund mit einem Gedicht. Oder einem kleinen, rasch auf der Akustikgitarre komponierten Lied. Vielleicht schreiben wir auch einfach einen witzigen Tweet oder knipsen ein schönes Foto für Instagram. All das sind kleine kreative Akte.

Einer meiner Lieblingsschauspieler ist – seit meiner Kindheit – Bill Murray. Als Kind habe ich seine Filme wahnsinnig gerne gesehen. Im Fernsehen oder auf VHS. »Ghostbusters«, »Und täglich grüßt das Murmeltier«, »Die Geister, die ich rief« – all das eben. Und als Erwachsene habe ich ihn dann in Filmen wie »Lost In Translation« bewundert. Irgendwie hatte ich immer eine Schwäche für Bill Murrays Humor und sein knautschiges Gesicht. Und ich hatte immer das Gefühl, dass Bill Murray im echten Leben bestimmt ein cooler Typ ist. (Es ist natürlich kein Zufall, dass der Hund der Protagonistin aus meinem vierten Roman »Die Wälder«, der im Buch eine sehr wichtige Rolle spielt, Bill Murray heißt – »Billy« für seine Freunde.)
Irgendwann stellte ich durch völligen Zufall fest, dass es online jede Menge verrückte Geschichten über Bill Murray gibt. Wie diese hier, die jemand auf Facebook postete und die auf BuzzFeed Verbreitung fand: »Ich aß bei Wendy’s zu Mittag, als Bill Murray sich an meinen Tisch setzte, eine Fritte klaute, sie in meinen Milchshake dippte und sie aufaß. Dann schaute er mich an, sagte ›Niemand wird dir glauben‹ und ging wieder.«
Ich musste sehr lachen über diese Geschichte. Was für ein irrer kleiner Stunt. Nun bin ich die Erste, die folgenden Satz unterschreiben würde: Du sollst nicht alles glauben, was im Internet steht. Dennoch war ich angefixt und fing an, Bill Murray gezielt zu googeln. Dabei stellte ich fest, dass es zahllose solcher Storys über ihn gibt (manche fotografisch oder sonst wie dokumentiert) – und sogar eine Website, die sie sammelt. Hier ein paar meiner Favoriten: Bill Murray taucht uneingeladen bei einem Junggesellenabschied auf und gibt dem Bräutigam in spe Ratschläge fürs Leben.
Bill Murray spielt in einer Kneipe spontan den Bartender und schenkt an alle Tequilashots aus – unabhängig davon, was sie bestellt haben.
Bill Murray wird von ein paar jungen Leuten zu einer Party bei irgendwem daheim eingeladen. Er nimmt die Einladung an, feiert und trinkt mit ihnen. Bevor er wieder geht, spült er aber noch das ganze Geschirr, das sich in der Spüle der Studentenbude stapelt.
Bill Murray kommt an der Baustelle einer New Yorker Bibliothek vorbei, setzt sich einen Bauarbeiterhelm auf und liest den Arbeitern Gedichte vor.

Oft sind wir ein bisschen in unserem Trott gefangen. Ganz unabhängig davon, ob wir uns für kreative Köpfe halten oder nicht, manchmal scheint der Alltag irgendwie grau. Und genau deswegen mag ich diese Geschichten so gerne. Ich mag das Kindliche, das da mitschwingt. Das Verspielte, die Leichtigkeit. Wenn ich einen Preis für kreativen Lifestyle ausloben könnte, bekäme ihn Bill Murray.
Womit ich nicht dafür plädieren will, öfters mal Partys zu crashen oder für Fremde Gedichte zu rezitieren. Mir geht es darum, dass wir alle immer mal wieder auf kreative Art aus unserem Alltag ausbrechen und uns selbst überraschen. So, wie es uns entspricht. Auf die schönste Art, kleine kreative Ideen in den eigenen Alltag zu integrieren, stieß ich in den frühen Nuller Jahren:
»Random Acts of Kindness«, also eher zufällige freundliche Taten. Ich wurde durch den britischen Comedian, Autor und Filmemacher Danny Wallace darauf aufmerksam, der ein kleines Buch zu dem Thema geschrieben hat: »Random Acts of Kindness: 365 Ways To Make the World A Nicer Place«.
Random Acts of Kindness können relativ offensichtliche Dinge sein: der Kassiererin im Supermarkt ein (angemessenes) Kompliment machen. Einen netten Kommentar hinterlassen, wenn du online etwas gelesen oder gesehen hast, das dir gefallen hat. Ein Kompliment in die Küche schicken, wenn dir das Essen im Restaurant geschmeckt hat.

Natürlich sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt. Genau darum geht es ja: immer neue kleine Ideen zu finden, mit denen man den Menschen in der eigenen Umgebung den Tag schöner, lustiger, heller oder bunter machen kann. Im Coffeeshop nicht nur den eigenen Kaffee bezahlen, sondern auch den der Person hinter dir, ist ein Klassiker. Einem Unternehmen, das häufig mit Beschwerden zu tun hat (wie die Deutsche Bahn zum Beispiel) ein Lob auszusprechen, wenn etwas besonders gut gelaufen ist, ist ein weiterer.

Im Film »Evan Allmächtig« aus dem Jahr 2007 begegnet die Hauptfigur Evan dem lieben Gott höchstpersönlich. Gott, gespielt von Morgan Freeman, verrät Evan in einer Szene, wie man die Welt verändert: »One act of random kindness at a time.« Ich finde, da ist was dran. Und selbst wenn nicht – es macht Spaß und ist eine der spannendsten Arten, Kreativität zu üben.

Zwölf kreative Ideen für Random Acts of Kindness
* Setze ein schönes Buch aus. Schreib vorne was Nettes
rein und lass es liegen. Auf einer Parkbank, in der Bahn
oder im Wartezimmer.
* Lass am Süßigkeitenautomaten oder im Waschsalon
ein paar 50-Cent-Stücke liegen.
* Bedanke dich bei jemandem, der selten ein Danke zu
hören bekommt.
* Verschicke einen Blumenstrauß.
* Stell nicht nur deine Mülltonnen raus, sondern auch
die deiner Nachbarn.
* Feuere deine Kollegin bei ihrem ersten Marathon an.
* Lies jemandem etwas vor.
* Verschicke eine selbst gemachte Dankeskarte.
* Sammle am Strand oder am Flussufer Müll ein.
* Verstecke kleine Nachrichten in dem Buch, das dein
Liebster, deine Liebste gerade liest.
* Bring jemandem ein Ständchen.
* Lass einer wohnungslosen Person ein übertrieben
großzügiges Geldgeschenk da.

Heimliche »Random Acts of Kindness« sind die besten. Es geht nicht darum, gut dazustehen. Es geht darum, nette kleine Ideen zu haben. Es geht darum, Gelegenheiten und Handlungsspielräume wahrzunehmen, die anderen verborgen bleiben.

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Melanie Raabe
© Marina Weigl

Melanie Raabe

Melanie Raabe wurde 1981 in Jena geboren. Sie ist gescheiterte Schauspielerin, gescheiterte Tänzerin, gescheiterte Lyrikerin. Erst, als sie damit begann, Prosa zu schreiben, fand sie eine künstlerische Heimat. Für ihre erste Veröffentlichung brauchte sie zwar zehn Jahre und fünf Anläufe, aber ihr offizieller Debütroman DIE FALLE wurde 2015 schließlich zu einem Bestseller. 2016 folgte DIE WAHRHEIT, 2018 DER SCHATTEN und 2019 DIE WÄLDER. Melanie Raabes Werke werden in über 20 Ländern veröffentlicht, mehrere Verfilmungen sind in Arbeit. 2019 erschien DER ABGRUND, eine Hörspielserie aus der Feder der Autorin, die zuerst als Fiction Podcast veröffentlicht wurde und Platz 1 der deutschen iTunes-Charts erreichte. Gemeinsam mit Künstlerin Laura Kampf betreibt Melanie Raabe einen wöchentlichen Podcast rund um das Thema Kreativität, „Raabe & Kampf“. Zudem ist sie offizielle Lesebotschafterin der Stiftung Lesen. Melanie Raabe lebt und kreiert in Köln.

Die Thriller von Melanie Raabe

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