Leserstimme zu
Star Wars™ Phasma

Stimmungsvolles Spin Off des neuen Star Wars-Universums.

Von: Wolfgang Brunner - Buchwelten
12.10.2018

Phasma genießt einen besonderen Status bei ihren Vorgesetzten, denn sie gilt als erbarmungslos und kaltblütig. Ihr größter Widersacher ist Captain Cardinal, dessen Stellung sie innerhalb der Ersten Ordnung eingenommen hat. Cardinal versucht, so viel wie möglich von Phasma zu erfahren, um sie eventuell bei ihren Vorgesetzten anzuschwärzen. Als Cardinal die Rebellin Vi gefangen nimmt, die Phasma aus früherer Zeit kennt, zwingt er sie, ihm alles zu erzählen, was sie über die geheimnisvolle Sturmtruppenführerin weiß. . Eine Reise in das Universum von „Die letzten Jedi“ – so wird der Roman von Delilah S. Dawson eingeordnet. Entfernt hat er damit auch zu tun, denn auch in diesem Film erscheint der Charakter der undurchsichtigen Phasma. Ihren ersten Auftritt hatte sie in „Das Erwachen der Macht“, wo sie trotz ihrer fast schon unbedeutenden Nebenrolle auf gewisse Art und Weise eine Art Kultfigur wurde. Dawson gibt dieser Frau in ihrem Roman nun ein Gesicht, was zur Folge hat, dass man die beiden obengenannten Filme mit Sicherheit mit anderen Augen sieht. Die (Lebens-)Geschichte von Phasma besitzt einen hypnotischen Reiz, dem man sich nach einer gewissen Zeit nicht mehr entziehen kann. Dawson hat der Figur einen glaubwürdigen Charakter und eine spannende Vergangenheit auf den Leib geschrieben, den man sich übrigens sehr gut als Film vorstellen kann. 😉 Es dauerte anfangs eine Weile, bis ich Zugang zu der Story bekam. Das lag vielleicht an der humorvollen Art, mit der die Protagonistin Vi ihrem „Geiselnehmer“ Captain Cardinal gegenübertrat. Da hatte ich zugegebenermaßen kleine Schwierigkeiten, die mich sogar ein wenig gestört haben. Verfolgt man aber den Verlauf der Geschichte und die Entwicklung der beiden, wie sie miteinander umgehen, dann ergeben diese sarkastischen Äußerungen im Nachhinein Sinn und machen Spaß. Vi erzählt Captain Cardinal die Geschichte von Phasma. Dieser geschickte Schachzug, dass die Story der eigentlichen Schlüsselfigur von einer dritten Person erzählt wird, versucht der Roman eine äußerst faszinierende Atmosphäre. Hinzu kommt der Schauplatz des Geschehens: ein dystopischer Planet namens Parnassos, der im Kopfkino des Lesers eine apokalyptische Welt á la „Mad Max“ oder Stephen Kings „The Stand“ entstehen lässt. Dawsons Schreibstil ist sehr flüssig zu lesen, so dass die 500 Seiten nur so weggelesen werden können. Phasma bekommt in diesem Roman eine greifbare Persönlichkeit, die sie gleichermaßen menschlich, aber auch „abgeklärt“ wirken lasst. Der Mythos um diese Figur, den man in den Filmen vermittelt bekommt, bleibt aber dennoch bestehen. „Phasma“ stellt eine äußerst spannende und sehr atmosphärische Hintergrund- und Entwicklungsgeschichte der Sturmtruppen-Kommandantin dar, die fast wie ein Spin Off in der Art von „Rogue One“ wirkt und im Zusammenhang mit den Filmen eine stimmige, interessante Geschichte abgibt. Aber auch wer sich nicht mit dem Star Wars-Universum befasst und den Charakter der Phasma bis jetzt überhaupt nicht kennt, kann diesen Roman ohne weiteres lesen, denn es sind keine Vorkenntnisse nötig, um der Handlung folgen zu können. Und die dystopische Welt, in der sich die meiste Zeit die Handlung abspielt, vermag einen auch ohne Star Wars-Begeisterung absolut zu fesseln. Wer allerdings epische Weltraumschlachten oder andere kriegerische Auseinandersetzungen zwischen der Ersten Ordnung und den Rebellen erwartet, wird von dem Plot höchstwahrscheinlich enttäuscht sein. Es geht nämlich in erster Linie nur um die Person Phasma und ihre Entwicklung zur Sturmtruppen-Kommandantin und keineswegs um die Konfrontation der verfeindeten Parteien. Obwohl der Roman also relativ „ruhig“ daherkommt, finden sich niemals Längen im Plot, bei denen man hofft, diese Stellen mögen bald wieder vorbei sein. Allerdings fand ich persönlich die Kapitel, in denen Vi und Captain Cardinal miteinander kommunizierten, immer wieder als kleine Höhepunkte, weil sie immer sehr stimmungsvoll beschrieben waren. Alles in allem stellt „Phasma“ von Delilah S. Dawson für mich eine tolle Ergänzung zum Star Wars-Universum dar und ich kann diesen Roman nur wärmstens empfehlen. . Fazit: Stimmungsvolles Spin Off des neuen Star Wars-Universums. © 2018 Wolfgang Brunner für Buchwelten