Leserstimme zu
Bonfire – Sie gehörte nie dazu

Düster und empfehlenswert!

Von: Leonie Jakobs
13.10.2018

Jeder von uns kann sich glaube ich noch an gewisse Dinge und Ereignisse aus seiner High School (Oberstufen-) Zeit erinnern. Mädchen-Cliquen, Partys, Beziehungen, Spiele, Rituale ... Wie die meisten Lebensabschnitte, hinterlässt diese Zeit einen bleibenden Eindruck. Sie gehört zu seiner ganz persönlichen Vergangenhei, die man verarbeiten oder auch einfach nicht loslassen kann. Letzteres trifft auf die Hauptfigur Abby Williams in Krysten Ritters Debüt Bonfire genau zu. Der Thriller ist geprägt von ihrer Perspektive, Gedanken und Dämonen. Zu der Autorin sollte ich anfangs erwähnen, dass sie mir bereits bekannt war als Schauspielerin aus der Marvel Netflix-Serie Jessica Jones, wie auch aus weiteren Hollywood-Filmen. Dies weckte selbstverständlich nochmals besonderes Interesse und machte mich neugierig. Allerdings war ich skeptisch, ob eine Schauspielerin auch eine genauso gute Autorin sein konnte. Nach dem Motto: Wenn ich schauspielern kann, kann ich doch auch singen, tanzen und schreiben. Ich muss allerdings sagen, sie hat mich nicht enttäuscht. Ihre Hauptfigur Abby Williams ist für die Seitenanzahl des Buches relativ gut und teifgründig ausgearbeitet. Als Anwältin ist diese auf Umweltskandale und -verbrechen spezialisiert, wobei sie für ihren aktuellen Fall in ihre alte Heimatstadt Barrens zurückkehrt, die sogleich schlechte Erinnerungen für sie bereithält. Doch nicht nur schlechte Erinnerungen warten auf sie, sondern Barrens ist auch ein Ort der Lügen und Korruption geworden. Damit hat hauptsächlich die Firma Optimal zu tun (Vorsicht Spoiler!). Die Firma vergiftet nicht nur das Trinkwasser des Ortes, besticht Politiker und bedroht ihre Widersacher, sondern vergeht sich auch an jungen Mädchen der ansässigen High School. Das Muster des Thrillers aus Erinnerungen von Abbys Vergangenheit mit dem zweiten Handlungsstrang der aktuellen Ereignisse ist sicherlich nicht neu, schafft jedoch einen guten Spannungsbogen. Personen aus der früheren Mädchen-Clique, von der Abby während ihrer Schulzeit stark gemobbt wurde, sind darüber hinaus in die aktuellen Machenschaften der Firma Optimal verwickelt und so fügt sich am Ende alles in einem packenden Finale zusammen. Der Thriller lässt einen schlussendlich nicht enttäuscht zurück und behandelt zudem eine Reihe aktueller Themen, wie Umwelt, Alkoholmissbrauch und Mobbing. Krysten Ritters Schreibstil ist flüssig und nicht zu langatmig, wobei in der Erzählweise wie mir scheint sich die Autorin von ihrem schauspielerischen Hintergrund stellenweise gerne beeinflussen lässt. So gebraucht sie ab circa der Hälfte des Buches Stilelemente aus Drehbüchern, wie: Innenstadt. Nacht. Draußen am Kiosk, beispielsweise. Dies finde ich nicht passe schlecht, doch wenn sie sich diesem Stilelement bedient, dann doch bitte stringent durchziehen oder nur einmal als abwechslungsreiches Stilelement einstreuen. Das Cover von Bonfire - Sie gehörte nie dazu wird wie ich finde einem typischen Cover eines Thrillers gerecht. Es ist atmosphärisch düster, bedrohlich und stark auf das Wesentliche reduziert. Die mehrmals beschriebenen Strommasten mit den darauf sitzenden Krähen finden sich treffend auf dem Cover wieder, was durch einen sehr prägnanten Titel in der passenden Farbe unterbrochen wird. Ein sehr stimmungsvolles und gleichzeitig tristes Cover, das auch Abbys Bild von ihrer Heimatstadt wiedergibt. Alles in allem, kann ich den Debütroman von Krysten Ritter jedem Thriller-Leser weiterempfehlen. Mir wurde das Buch freundlicherweise als Rezensionsexemplar vom Bloggerportal zur Verfügung gestellt, was mich sehr freute. Mir hat Abbys Geschichte spannende und aufregende Leseabende beschert, an denen ich das Buch manchmal kaum aus der Hand legen wollte. Zwei Sterne muss ich aus den genannten Gründen abziehen, so erhält der Roman jedoch noch gute 3 von 5 Sternen. Ich empfehle es euch guten Gewissens weiter.