Leserstimme zu
Dark Lake

Leichte Krimiunterhaltung

Von: Thomas Lawall
29.10.2018

Australien. Hier läuft einiges anders. Es sind noch knapp zwei Wochen bis Weihnachten. Das Klima macht allen zu schaffen. Es ist unerträglich heiß ... ... was zunächst, auf die Lektüre bezogen, eher weniger passt. Ein Jogger findet eine Leiche und irgendwie geht alles den gewohnten Weg. Die üblichen Ermittlungen laufen an, wobei sich selbige natürlich in alle Richtungen bewegen. Die üblichen Protagonisten werden nebenbei vorgestellt - ausgiebig und seitenfüllend. Hauptperson Detective Sergeant Gemma Woodstock kannte die ermordete Lehrerin, was zu ersten Komplikationen führt. Nicht ohne Probleme geht es auch in ihrem Privatleben zu, was sowohl Vergangenheit als auch Gegenwart betrifft. Die aktuelle Problematik läuft dem sich schleppend entwickelnden Fall fast den Rang ab. Spannend ist, wie sie sich wohl aus dem Dilemma herausbugsieren will. Entscheidungen sind angesagt, wenn das Familienleben "vermintes Gebiet" ist. Spannender macht dies die Haupthandlung weniger. Einige Nebendarsteller dann schon. Die Gerichtsmedizinerin Anna zum Beispiel. Diese fällt nicht etwa durch ebenso schaurige wie schräg gestaltete Autopsien auf, sondern durch ihr Privatleben. Während Sarah Bailey Annas berufliche Pflichten eher für zart Besaitete gestaltet, so wie fast das komplette Buch ebenso, legt sie beim "Eingemachten" einen Gang zu. Mit ihren Partnern klappt es nämlich gar nicht. Sie lebt "von einem Date zum anderen" und sucht im Internet weiter "nach Versagern". Wobei wir in der Abteilung Humor angekommen wären. Hier hat die Autorin einiges zu bieten, wovon sie leider nur recht sporadisch Gebrauch macht. Witzig sind ein "Kater", der sie "von innen abzumurksen" droht, eine Abhandlung über die Unterschiede zwischen jungen Polizisten und alten Detectives, sowie "keckernde" Kookaburras, die sich über "den komischsten Witz der Welt" zu amüsieren scheinen. Mehr davon bitte. Ebenfalls von jenen Passagen, mit welchen Sarah Bailey über sich selbst hinauswächst. Neben kurzweiligen Metaphern hat sie durchaus mehr zu bieten, wenn es gilt, sich langsam aber unaufhaltsam in menschliche Abgründe zu wagen. Es können schlicht und einfach Enten sein, "die Köpfe schön gezeichnet, wie Theatermasken", Ansichten ihrer männlichen Kollegen, jenem "Soundtrack aus anzüglichem Grinsen und dummen Kleinmach-Sprüchen" oder die abgründigen Selbstmordphantasien von Gemmas Jugendfreund Jacob: "Die Versuchung, fort zu sein ..." Das Buch "in einem Atemzug" zu lesen, wie es der Klappentext verspricht, oder "bis tief in die Nacht" wachgehalten zu werden, erscheint weit übertrieben. Man lässt sich eher Zeit für den tatsächlich immer komplizierter werdenden Fall, sowie das ebensolche und ausführlich geschilderte Privatleben Gemma Woodstocks. Selbiges kann in seiner Weitschweifigkeit mitunter die Nerven von Leserinnen und Lesern strapazieren. Man möchte fast ihre privaten Wirren und Befindlichkeiten, insbesondere das ständige Hinterfragen ihres Handelns, überspringen, um sich endlich dem Kern der Sache und natürlich der Auflösung zu nähern. Jene kann dann endlich punkten, so dass am Ende tatsächlich so etwas wie Spannung entsteht. Da sich hier Überraschungen sogar in mehrfacher Art ergeben, muss man die Lektüre dieser leichten Krimiunterhaltung letztlich dann doch nicht bereuen.