Leserstimme zu
Sterne über dem Meer

Die Rezension bezieht sich auf eine nicht mehr lieferbare Ausgabe.

Toller Schmöker für trübe Herbsstage

Von: Simone Orlik
29.10.2018

Der Roman „Sterne über dem Meer“ der Autorin Kimberly Freeman hat mich über den Klappentext angesprochen und sofort neugierig gemacht. Und ja, nach den ersten Seiten, befindet man sich sofort in einem Lesefluss und kommt gut in die Geschichte hinein. Die gestaltet sich übrigens über zwei – oder eigentlich drei – Parallelstränge, die zunächst lose nebeneinander verlaufen, um sich zum Ende immer mehr ineinander zu verstricken. Victoria, die eigentlich im Ausland lebt, reist, wie wir im Klappentext erfahren, ins englische Bristol, um das Büro ihrer demenzkranken Mutter auszuräumen. Dabei findet sie einen uralten Brief, der ihr nur in Teilen vorliegt und sie macht sich auf eine Reise in die Vergangenheit dieses Briefes – denn er scheint eine besondere Bedeutung für die Mutter zu haben. Ein zweiter Lesestrang nimmt uns mit in die Vergangenheit und eine andere Geschichte rund um das Waisenkind Agnes, die sich auf die Suche nach ihrer Mutter macht – und dabei viele unangenehme Dinge auf sich nimmt. Der Brief, den Victoria im Büro der Mutter verbindet, stellt eine dritte Geschichte dar, welche die vorherigen Parallelstränge miteinander verbindet. Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber wenn ich Bücher mit diesen Parallelsträngen lese, merkt man schnell, welcher Geschichte man sich eigentlich am stärksten verhaftet sieht. Ich finde: Jeder Strang in diesem Buch ist gut dargestellt, aber am meisten gefangen genommen hat mich tatsächlich die Geschichte rund um die Protagonisten im Brief – und ich konnte es nicht erwarten, zu erfahren, wie die Geschichte weiterging. Ist das Buch anspruchsvoll zu lesen? Nein! Es handelt sich bei diesem Roman tatsächlich um einen Schmöker mit einer wunderschönen Geschichte mehrerer starker Frauen. Ein typisches Buch, mit dem man sich im Urlaub an den Strand oder jetzt im Herbst in seine gemütliche Leseecke setzen kann. Es ist kein Buch, das sich auf den 518 Seiten vor Spannung so schnell aufbaut, dass man es nicht mehr weglegen könnte. Aber es liest sich leicht und charmant und ist ein wirklich schöner Zeitvertreib. Übrigens: Von dem Cover sollte man sich nicht verleiten lassen. Zwar spielt in dem Roman das Meer eine Rolle, aber nicht in dem Maße, indem es hier suggeriert wird. Und ja, irgendwie spannt die Geschichte ein Band, das sich über Ozeane erstreckt. Aber tatsächlich ist das Band, das den Leser in seinen Bann zieht, ein ganz anders - so war es bei mir zumindest. Fazit Der Roman "Sterne über dem Meer" von Kimberley Freeman ist ein typischer Schmöker, so wie wir ihn lieben. Er nimmt uns nicht nur mit auf eine Reise in eine andere Epoche. Anhand der Protagonistinnen stellt die Autorin zwei starke Frauen vor, die aus Liebe - und zwar nicht zu einem Mann - viel weiter gehen, als man es ihnen zutrauen würde. Und erinnert uns daran, dass es auch eine Welt außerhalb unserer eigenen Komfortzone gibt, über deren Tellerrand wir zwischendurch mal schauen sollten.