Leserstimme zu
Der Mann im Leuchtturm

Spannend und dicht, ein toller skandinavischer Krimi

Von: brigitta
10.11.2018

Kurze Zusammenfassung: In Kopenhagen verschwindet die Mutter zweier mächtiger Männer aus ihrem Pflegeheim. Erst ist nicht klar, ob sie einfach von selbst gegangen ist oder ob sie entführt wurde, bis in dem perfekt gepflegten Zimmer zwei gelbe Plastikstücke gefunden werden, die fast arrangiert in der noblen Ordnung wirken, zudem ist die Mappe in dem das Testament aufbewahrt wird leer. Allerdings geht keine Lösegeldforderung bei Palle und Poul Blegman, den beiden mächtigsten Männern im Land, ein. Viggo Larssen, der die Blegmans noch aus Kindertagen kennt, lebt einsam und zurück gezogen in einem Leuchtturm auf der kleinen Insel Røsnæs. Er hat einen festgelegten Tagesablauf und verbringt die meiste Zeit in Gedanken oder lesend auf einer Bank vor seinem Leuchtturm. Eine Zeit lang wird er schon von einer jungen Frau beobachtet. Die junge Frau hat sich in einer kleinen Hütte unweit des Leuchtturms eingemietet und nähert sich stetig dem Mann im Leuchtturm. Erst beobachtet sie ihn nur durch ein Fernglas, dann zeigt sie sich immer öfter, bis sie ihn irgendwann anspricht und Fragen stellt. Sobald Viggo jedoch zu seinen Spaziergängen aufbricht, schleicht sie sich in Viggos Leuchtturm und durchsucht Viggos Leben. Viggo selbst ahnt, dass ihn seine Vergangenheit einholt und obwohl er die Insel nicht verlassen hat, scheint er der Einzige zu sein, der ahnt was mit der Mutter von Palle und Poul Blegmann passiert ist .... Fazit: Dieser Roman verdichtet sich von Seite zu Seite bis man die Atmosphäre förmlich greifen kann. Viggo Larssen ist ein seltsamer Kauz, der schon als Kind ein seltsamer Kauz war. Aufgewachsen ist er als uneheliches Kind bei seinen Großeltern. Der Großvater war streng und cholerisch, die Großmutter handlungsschwach und angepasst. Viggos Mutter war damit beschäftigt ihr Leben zusammen zu halten und Geld zu verdienen. So war Viggo den Launen seiner Kindheitsfreunden und des Großvaters ausgeliefert. Immer mehr zog sich Viggo in sich zurück, bis er in der Einsiedelei des Leuchtturms endete. Doch das Schicksal hat den Leuchtturm nicht als Viggos Endstation ausgesucht, sondern möchte längst vergangene Taten aufgelöst und gesühnt wissen. Damit wären wir bei dem zentralen Thema der skandinavischen Krimis: alte Schuld und Taten, die das Leben vieler veränderten. In diesem Roman geht es auch um sehr lange zurückliegenden Taten, die die Bahnen der Lebenswege einiger Menschen veränderten. Taten, für die es nie eine Entschuldigung oder eine Sühne gab. Nun fordert jemand diese lang zurückliegende Schuld ein. Doch die Menschen, die einst das Unheil stifteten, sind nicht ruhig geblieben. Sie haben weitergemacht, wurden mächtig und verschoben noch mehr Lebensbahnen. Es gibt aber jemanden der das nicht akzeptieren kann und pirscht sich immer näher an die Schuldigen heran ... Jeder der Protagonisten hat etwas mit der Urschuld zu tun, sie ahnen voreinander aber tauschen sich nicht aus. Noch ist Stillhalten die Devise obwohl jeder die Gelegenheit hat dem Geschehen Einhalt zu gebieten. Mit jeder Seite nähert sich der Leser dem Ursprung. Von vielen verschiedenen Seiten nähert er sich, er lernt die Wahrheit aus verschiedenen Blickwinkeln kennen und muss nach und nach die Bruchstücke der einzelnen Leben selbst zusammen setzen. Dabei sieht er manchmal mehr, als die Protagonisten sehen, doch oft bekommt er nur einen Teil der Wahrheit gezeigt, der mehr in die Irre führt als etwas auflöst. Aber während der Leser puzzelt, passiert etwas im Hintergrund, die Geschichte setzt sich fast eigendynamisch fort und serviert eine neue Wendung .... typisch skandinavischer Krimi und ich liebe es. Ich liebe diese dichte Atmosphäre und dieses Irren durch die Lebensläufe der Protagonisten. Für mich war dies ein toller Krimi, der so richtig gut in die dunkler werdenden Tage gepasst hat.