Leserstimme zu
Das Tudor-Komplott

Neues vom Spion der Königin

Von: Elke Heid-Paulus aus Vaihingen
19.03.2015

Mary Tudor, Tochter von Henry VIII. und der in Ungnade gefallenen Katharina von Aragon, ist ihrem verstorbenen Bruder Edward VI. auf den englischen Königsthron nachgefolgt. Sie hängt fanatisch dem Katholizismus an und verfolgt alle Andersgläubigen mit unglaublicher Härte – nicht umsonst erhält sie den Beinamen „Bloody Mary“. Zu den Feierlichkeiten anlässlich ihrer Krönung ist auch ihre Halbschwester Elizabeth eingeladen, was deren Anhänger bei Hofe in höchste Alarmbereitschaft versetzt, fürchten sie doch um das Leben der protestantischen Thronfolgerin. Aber auch aus anderer Richtung droht Gefahr, denn Queen Marys geplante Vermählung mit dem spanischen Prinzen legt die Vermutung nahe, dass einflussreiche Drahtzieher Elizabeth am liebsten aus dem Weg schaffen würden, um einem Kind aus dieser Verbindung den Weg zum Thron zu ebnen. William Cecil, heute würde man sagen der Geheimdienstchef, aktiviert Brendan Prescott, einen seiner Spione, stattet ihn mit einer falschen Identität aus und schickt ihn an den Tudor-Hof nach London, wo er die Vorgänge und Intrigen zum Vorteil Elizabeths beobachten und nutzen soll. Eine Herausforderung für Prescott, der als Doppelagent Informationen der einen für die Sicherheit der anderen Seite sammeln und verwenden muss. Dass sein Auftrag nicht einfach ist, merkt er spätestens dann, als Elizabeth des Hochverrats beschuldigt wird und ihr Leben nur noch an einem seidenen Faden hängt… „Das Tudor-Komplott“ ist nach „Die Tudor-Verschwörung“ der zweite Band der historischen Romane des Amerikaners Christopher W. Gortner mit seinem Protagonisten Brendan Prescott, dem Spion am englischen Hofe. Wenn man sich bereits mit der Historie dieser Epoche auseinandergesetzt hat – was allerdings für die Lektüre nicht unbedingt erforderlich ist – wird man feststellen, dass der Autor im Vorfeld einen immensen Rechercheaufwand betrieben haben muss. Wer eine schwülstige Liebesgeschichte erwartet, wird enttäuscht sein. Stattdessen bekommt man detaillierte Beschreibungen des höfischen Lebens, verbunden mit korrekten biographischen Daten der historisch verbrieften Personen und Ereignisse, die diese Ära der englischen Geschichte lebendig werden lassen. Im Kontrast dazu bekommt man aber auch einen Eindruck, wie das Alltagsleben in London zur Zeit der Tudors aussieht, das nicht nur aus farbenprächtigen Roben und üppiger Verschwendung, sondern aus Lumpen, Hunger und Gewalt besteht. Natürlich kann man „Das Tudor-Komplott“ unabhängig von Band 1 lesen, aber zum besseren Verständnis, vor allem dann, wenn man sich noch nicht mit der englischen Renaissance auseinandergesetzt hat, scheint es mir sinnvoller, den Vorgänger zu kennen. Mitte Juli erscheint der dritte Band der Reihe unter dem Titel „Die Tudor-Fehde“ bei Goldmann – ich freue mich auf die neuen Abenteuer des Spions der Königin.