Leserstimme zu
Morgengrauen

Morgen Grauen - erschreckt!

Von: Elizzy
29.11.2018

In Morgen Grauen steckt viel mehr, als man auf den ersten Blick meinen sollte. Worum geht es? Demirtas ist kein Autor, wie man ihn sich vielleicht vorstellt. Er schreibt nicht gemütlich bei sich zu Hause auf seinem Laptop. Er schreibt aus dem Hochsicherheitsgefängnis von Edirne und seine Geschichten sind alles andere als frei erfunden. In den 12 kurzen und doch sehr intensiven Geschichten erfährt man mehr, als man auf den ersten Blick meinen könnte. Und die Botschaft, die dabei vermittelt wird, erschüttert einen bis auf die Knochen. Erster Satz: „Unser Gefängnishof ist so gross wie ein rechteckiger Betonbrunnen.“ Meine Meinung Nach dem Lesen dieses dünnen aber doch heftigen Buches musste ich mich eine Weile sammeln, bevor ich es rezensieren konnte. Jede Geschichte verbirgt auf ihre Art eine Botschaft, dessen Grausamkeit einem nur allzu exakt beschrieben wird. So erfährt man von einer jungen Frau, die auf grausame Art vergewaltigt und danach aus Schande von der eigenen Familie ermordet wurde. „Drei Männer hatten am Abend Sehers Träume gestohlen. Drei Männer stahlen in der Nacht ihr Leben.“ S. 30 Als ich diese Geschichte in Morgen Grauen lass wurde mir anders. Ich dachte lange über ihr Schicksal nach und konnte dies einfach nicht nachvollziehen. Ich spielte sogar kurz mit dem Gedanken, das Buch abzubrechen. Doch nur weil ich es nicht las, hiess das nicht, dass dies nicht auch tatsächlich geschah. Ebenso aufwühlend fand ich auch die Geschichte über die kleine Mina. Ein syrisches Mädchen, das sich mit ihrer Mutter auf die Flucht begab. Doch sie kamen nicht weit. Das Boot kenterte und die fünf jährige Mina ist nun eine Meerjungfrau… „Ich heisse Mina und bin fünf Jahre alt. Vor zwei Monaten haben wir uns in Hama auf den Weg gemacht. Mein ganzes Leben habe ich das Meer nie von aussen gesehen. Seit einer Woche bin ich nun am Grund des Meeres. Ich bin eine Meerjungfrau, und das Meer ist jetzt meine Mutter.“ S. 77 Ihr seht; Morgen Grauen ist alles andere als leichte Kost. Die Geschichten wühlen einen auf, lassen einen nicht los und auch nicht mehr vergessen. Tatsache ist; auch wenn einige Geschichten etwas abstrakt dargestellt wurden, diese Dinge geschehen wirklich. Und es ist wichtig darüber zu sprechen und es nicht Totzuschweigen. Schreibstil & Cover Der Schreibstil ist abstrakt und lässt viel Raum für eigene Vorstellungskraft, die oft grausamer, als das Geschriebene Wort sein kann. Nichtsdestotrotz findet der Autor richtige Worte und bringt seine Botschaft so sehr stark rüber. Das Cover ist passend und weckt auf jeden Fall das nötige Interesse. Fazit Morgen Grauen ist nichts für diejenigen, die sich von solchen Themen nur schwer lösen können. Es ist grausam was auf der Welt geschieht, es sollte aber nicht einfach ignoriert werden. Auch wenn man das Gefühl hat machtlos dem gegenüber zu sein, ist es wichtig auch aufgeklärt und offen zu sein. Vielleicht ergibt sich irgend ein kleiner Moment und man kann doch mehr tun. Bewertung Buchlänge ♥♥♥♥ (4/5) Schreibstil ♥♥♥♥ (4/5) Botschaft ♥♥♥ (3/5) Lesevergnügen ♥♥♥♥ (4/5)