Leserstimme zu
Der Einzelgänger

Mehr oder weniger spannende Appetithäppchen für zwischendurch

Von: Elke Heid-Paulus
04.12.2018

Um es in Abwandlung eines Zitates von Forrest Gump zu sagen: Eine Sammlung von Short Storys ist wie eine Pralinenschachtel. Man weiß nie, was man bekommt. Diese Aussage trifft auch bei der neuesten Veröffentlichung aus dem Jack Reacher Universum den Nagel auf den Kopf. „Der Einzelgänger“, unter dem Titel „No middle name“ im Original 2017 erschienen, ist eine Sammlung von zwölf kürzeren und längeren Erzählungen, die Lee Child im Lauf der Jahre geschrieben hat. Wer die Reacher-Reihe kennt, weiß was ihn erwartet, allerdings gibt es auch eine Überraschung. „Der zweite Sohn“ führt zurück in Reachers Kindheit auf einem Stützpunkt in Okinawa, wohin die Familie versetzt wurde und man in Grundzügen bereits erkennen kann, wie und warum sich der Teenager entwickeln wird. Für mich eine der stärksten Storys der Sammlung. Ansonsten gibt es wenig neue Aspekte, aber das ist ja auch das Schöne daran. Der einsame Wolf stromert ziellos durch die amerikanischen Bundesstaaten, wird mehr oder weniger zufällig in mehr oder weniger kriminelle Ereignisse hineingezogen und hilft diese, mit mehr oder weniger Köpfchen und /oder brachialer Gewalt aufzuklären. Was das Niveau der einzelnen Erzählungen angeht, habe ich mir deutlich mehr erwartet. Höchstens die Hälfte ist qualitativ den Romanen ebenbürtig. Vieles wirkt unrund, extrem konstruiert, ist langatmig, noch nicht auf den Punkt gebracht. Ich habe vielmehr den Eindruck, dass diese Storys die Ideen des Autors sammeln, Grundgerüste und/oder Exposés für künftige Reacher Geschichten sind. Das wird besonders bei „Zu viel Zeit“ deutlich, von Child in „The midnight line“ (der 22. Reacher, 2017, noch nicht übersetzt) fortgeführt und ausgearbeitet. Dennoch ist „Der Einzelgänger“ gerade wegen seiner Themenvielfalt die perfekte Wahl für Neueinsteiger ins Reacher-Universum, kann aber auch den Fans empfohlen werden, die sich die Wartezeit auf den zwanzigsten Band der Reihe „Keine Kompromisse“ verkürzen möchten. Erscheint im Juni 2019 bei Blanvalet.