Leserstimme zu
Perfect Girlfriend - Du weißt, du liebst mich.

Recht gut konstruierte obsessive Beziehung

Von: buechernarr
13.01.2019

Elisabeth will ihren Exfreund zurück. Dieser hatte mit ihr Schluss gemacht, weil er mehr Freiraum brauche. Nach etwa einem Jahr, dass sie wartend und Pläne schmiedend verbracht hat, beschließt Elisabeth, dass er genug Freiraum gehabt hätte und setzt alles daran, sich in sein Leben zurück zu mogeln. Sie ändert ihren Namen in Juliette, wird Stewardess in der gleichen Fluggesellschaft, für die ihr Exfreund als Pilot arbeitet und setzt ihren minuziös ausgearbeiteten Plan, wie sie ihn zurückerobern will, in die Tat um. Mit jedem Rückschlag werden ihre Aktionen verzweifelter, realitätsferner, obsessiver, auch wenn es überraschend ist, mit wie vielen ihrer Taten/Überlegungen sie tatsächlich ihrem Ziel näher kommt (oder zu kommen scheint?). Meinung: Es ist sehr leicht, in die Geschichte hineinzukommen und die Erzählung aus der Ich-Perspektive aus Juliettes Sicht ist sehr gelungen, weil man dadurch sehr nahe an ihren Gedanken und Überlegungen dran ist, die einen Großteil des Romans ausmachen. Zunächst ist das Buch noch sehr interessant und durch die ungewöhnliche Sichtweise und die ungewöhnliche Protagonistin entsteht beim Lesen eine Art Sog, man möchte unbedingt wissen, wie es weiter geht und wie weit sie gehen würde, aber irgendwann lässt diese Sogwirkung nach und es kommt auf weite Strecken zu Längen und Wiederholungen, die ziemlich ermüdend sein können. Juliette als Protagonistin ist gut ausgearbeitet, ihre Obsession und ihre Taten sind so krankhaft, dass man sie als Leser nicht sympathisch finden kann, aber Karen Hamilton beschreibt sie so, dass man zumindest nachvollziehen kann, was in ihrem Hirn, in ihrer Welt ihrer Meinung nach vorgeht. Die anderen Charaktere bleiben leider sehr blass, was natürlich der Erzählperspektive geschuldet ist, andererseits den Roman sehr einseitig werden lässt und die Reaktionen auf Juliettes Verhalten oft unverständlich bleiben lassen. Ich hätte als Leser gern mehr darüber erfahren, wie Nate, Juliettes Exfreund, die Situation wahrnimmt, ab wann er merkt, dass da was aus dem Ruder läuft und wie er seine Reaktionen rechtfertigt. So aber bleibt er seltsam passiv. Irgendwie kann man ihn schlecht verstehen und er wirkt unglaubwürdig in seiner Opferrolle. Richtige Spannung kommt nicht auf, daher wundert es mich ein bisschen, dass es oft als Thriller bezeichnet wird (Stadt Radio Göttingen, Freiburger Wochenbericht). Am wenigsten hat mir allerdings das Ende gefallen. Es wirkt, als wären der Autorin die Ideen ausgegangen, als müsste man sich deshalb als Leser ein eigenes Ende ausdenken. Die Geschichte ist einfach mitten drin abgebrochen, weder Erfolge noch Konsequenzen werden aufgezeigt. Es scheint, als hätten Juliettes Taten einfach stattgefunden, ohne dass sich jemand groß dafür interessiert. Für dieses Ende gibt es Punktabzug und auch für die Längen in der Mitte, sodass ich insgesamt gut gemeinte 3 von 5 Punkten vergebe.