Leserstimme zu
Felicitas erklärt die Liebe

Statt humoriger Lektüre erwartete mich eine Leseenttäuschung. Es mangelt den Figuren leider an Glaubwürdigkeit, was auch für die Story selbst gilt

Von: Nicole Gauert (Nicole Happyendbuecher)
16.01.2019

Felicitas sitzt in der Polizeikantine an der Kasse. Doch insgeheim träumt sie davon, selbst einmal ein Mitglied der Polizei zu werden. Leider muss sie jedoch dafür die Aufnahmeprüfung schaffen, allein aus sportlicher Sicht, eine schwere Aufgabe. Seitdem sie mit ihren Exfreund Schluss gemacht hat, hadert sie mit ihrer Entscheidung. Doch insgeheim weiß sie, dass sie gut daran tat, den Mann in den Wind zu schießen. Immerhin ist er verheiratet und hat ihr diese, doch wichtige, Information verschwiegen. Die romantische Felicitas glaubt aber immer noch daran, dass es die wahre Liebe gibt. Deswegen würde sie auch zu gerne ihre Freundinnen mit passenden Männern verkuppeln. Zum Beispiel findet sie, dass Sarah wahnsinnig gut zu ihrem Bruder passen würde. Ausgerechnet diese beiden, machen Felicitas jedoch einen Strich durch die Rechnung. Erst eröffnet Sarah ihren überraschten Freundinnen, dass sie jemanden kennen gelernt und dessen Heiratsantrag angenommen hat. Und auch Felicitas Bruder brennt kurzerhand mit einer Zufallsbekanntschaft durch und plant, sich in einem exotischen Land mit seiner neuen Freundin niederzulassen. Felicitas könnte schreien. Sie glaubt dass Sarah einen großen Fehler macht. Schließlich liebt die Karrierefrau das Stadtleben in Dortmund über alles und würde, so findet Felicitas, auf dem Land eingehen, wie ein zartes Pflänzchen. So fasst sie einen gewagten Plan. Felicitas geht dazu undercover! Sie macht sich auf ins Münsterland, wo sie Sarahs Zukünftigen auf den Zahn fühlen will. Meint er es wirklich ehrlich mit ihrer Freundin? Schließlich wäre es für ihn bereits die dritte Ehe! In dem kleinen, beschaulichen Dörfchen gehen die Uhren völlig anders, doch Felicitas ist angetan, von den schrulligen aber hilfsbereiten Bewohnern und auch ihr Pensionswirt entpuppt sich als attraktiver Bursche. Doch er scheint bereits vergeben zu sein… Zunächst einmal fand ich, klang der Klappentext des aktuellen Romans von Dorothea Böhme, sehr verlockend. Eine romantische Heldin, die dazu noch in „meiner Stadt“ lebt und sich als eine Art Hobbydetektivin aufs Land begibt, um ihre Freundin vor einer Dummheit zu bewahren- das erschien mir der Stoff für eine tolle Story zu sein. Und zugegeben, Dorothea Böhme kann durchaus unterhaltend erzählen. Warum habe ich also nur 2 von 5 Punkten, für diesen Roman vergeben? Nun, in erster Linie fehlte den Akteuren und der Geschichte die Glaubwürdigkeit. Sicherlich haben wir es hier mit Unterhaltungslektüre zu tun, doch Felicity, die überall herumerzählte, sie wäre Ermittlerin bei der Polizei und dann auch noch meinte, sie wäre aus diesem Grunde prädestiniert dazu, die Sache mit dem zukünftigen Mann von Sarah auf eigene Faust zu durchleuchten, raubte mir leider den letzten Nerv mit ihrer Naivität. Diese, machte aus der Heldin weniger eine Träumerin, sondern eher ein nerviges, weltfremdes Dummerle. Freundschaft hin oder her, es war für mich nicht im Ansatz nachvollziehbar, dass sich Felicity, obwohl völlig überschuldet, weitere Schulden aufhalste, nur um die Reise ins Münsterland machen zu können. Die Gedankengänge der Heldin machten sie mir auch nicht wirklich sympathischer, etwa, als sie mit ihrer Mutter telefonierte und diese, ihr weitere finanzielle Unterstützung verweigerte. Felicity belog fast jeden in dem kleinen Dörfchen, auch ihren Pensionswirt, den sie ja eigentlich sexy fand und als einen Tiefpunkt empfand ich dann die Darstellung des tumben Dorfpolizisten Rudi. Puh, eine Nebenfigur die für witzige Momente sorgen sollte, wirkte einfach nur wie ein wandelndes Klischee auf zwei Beinen. Schade, eine verschenkte Chance! Dass Felicity, die, zu Tarnungszwecken verschiedenfarbige Perücken trug, dazu von keinem der Dörfler erkannt wird, könnte im Leser den Verdacht wecken, die Autorin würde glauben, dass in einem Dorf nur minderbemittelte Menschen leben. Und ausgerechnet Dortmund, als eine Stadt zu beschreiben, in der das Leben tobt, diese hier, als so pulsierend zu schildern, wie etwa Berlin, das war dann noch das Tüpfelchen auf dem „i“, in Sachen Unglaubwürdigkeit. Und das merke ich an, als Bewohnerin dieser Stadt. ;-) Noch schlimmer fand ich es, dass Felicity praktisch alles vergeben wird, sie stößt auf keine echten Schwierigkeiten und selbst dem Happyend ihre Liebesgeschichte haftet besagte Unglaubwürdigkeit an. Es ist bestimmt nicht einfach humorige Lektüre zu schreiben, zumal jeder Leser einen anderen Geschmack hat, doch die Autorin hätte meiner Meinung nach, viel mehr aus der Geschichte machen können; wenn sie beispielsweise einfach nur versucht hätte, eine nette Liebesgeschichte zu schreiben ohne unbedingt krampfhaft humorige Akzente setzen zu wollen. Es tut mir sehr leid für die Autorin und ihren Roman, dass meine Rezension so negativ ausgefallen ist, doch ehrlich gesagt habe ich mich streckenweise sehr, durch die sehr oberflächlich konzipierte Geschichte quälen müssen.