Leserstimme zu
Bonfire – Sie gehörte nie dazu

Solides Debüt - unterhaltsam und mit Luft nach oben

Von: unzensiert♡team
20.01.2019

Als erfolgreiche Anwältin lebt Abby schon lange in Chicago, doch dann muss sie zurückkehren in ihre Heimatstadt, um dort ein mögliches Umweltverbrechen zu untersuchen. Nie wieder wollte sie dorthin zurück – doch nun muss sie sich ihren Dämonen stellen, ihren Mobbern, ihrem Vater, alte Verletzungen aufreißen und sich neuen Konfrontationen ausgesetzt sehen. Zusätzlich lässt sie ein alter Fall aus ihrer Jugend nicht los: Das spurlose Verschwinden der beliebten Kaycee Mitchell, ihrer Peinigerin, und das Spiel, das es damals schon gab und das auch heute unter den Jugendlichen noch zu existieren scheint. Was ist wahr in Barrens und wem kann Abby überhaupt noch trauen? Entdeckt und geholt haben wir uns das Buch tatsächlich wegen Krysten Ritter. Die Verrückte aus Apartment 23, Lucy aus Gilmore Girls und natürlich Jessica Jones – und jetzt schreibt sie? Wird da nur der Ruhm ausgenutzt oder kann sie es wirklich? Die typischen Fragen waren es, die uns bewogen, seit Langem mal wieder einen Thriller in die Hand zu nehmen. Der Titel ist eher nichtssagend und der deutsche Untertitel – naja, den hätte man sich auch sparen können. Auch mögen wir es nicht unbedingt, wenn der Umschlag mehr Werbung für den Autor als den Titel macht – denn letztendlich ist doch immer noch der Inhalt das Entscheidende, oder? Aber genug von den Äußerlichkeiten, werfen wir einen Blick "hinter" das Cover. Abby ist eine recht starke Frau, die sich ihren Ängsten stellen muss. Es wird schon auf den ersten Seiten ganz klar, wohin die Reise geht und mit was für einer Figur wir es hier zu tun haben: keiner strahlenden Heldin, sondern einer gebrochenen, kaputten Frau. So weit, so viel Identifikationspotenzial. Auch ihre Arbeit, sich im Zweifel sogar gegen die Bevölkerung und vor allem gegen das riesige Unternehmen Optimal zu stellen, um zu erforschen, ob dort alles mit rechten Dingen zugeht, ist zunächst einmal ein ehrbares Ziel. Auch wenn Ritter mit dem David-gegen-Goliath-Bild das Thriller-Rad nicht neu erfindet, sorgt es doch zumindest für Sympathie für die kleine Kämpferin, der schier unbezwingbare Steine in den Weg gelegt werden. Parallel ist die Reise in die Heimatstadt auch eine Reise in die Vergangenheit – zwei Verbrechen mit einer Klappe werden sozusagen aufgeworfen. Das macht Ritter sehr geschickt mit wenig Hängern oder Längen. Von Beginn an ist das Buch spannend und – sofern man sich denn für die Protagonistin und den Fall interessiert – fesselnd geschrieben. Die Idee dahinter ist gut durchdacht und das ganze Geflecht von Beziehungen, das eine Kleinstadt so mit sich bringt, wird gut erklärt, sodass wir nur selten mal durcheinander kamen. Dazu noch eine "tragische" Familiengeschichte – voilà, ein solider Thriller. Warum dann keine volle Punktzahl? Nun, zum einen wären da die Menschen aus Abbys Vergangenheit, die nicht wirklich "runde" Charaktere sind und bei denen etwas mehr Tiefgang wünschenswert gewesen wäre. Zum anderen – und das ist der Hauptpunkt – hat Abby ab einem gewissen Zeitpunkt immer wieder Aussetzer und Erinnerungslücken. Das an sich ist nicht schlimm, allerdings häuften sich diese Aussetzer zu sehr und Abbys Umgang damit war für uns nicht nachvollziehbar. Das hat uns ein wenig den Spaß an der bis dahin spannenden Geschichte verdorben. Unser Fazit: Eine gute Idee, vermischt mit persönlicher Tragik und einem Ort voller Menschen, die ihre Geheimnisse nicht preisgeben wollen – es gibt definitiv schlechtere und banalere Thriller. Ritter fesselt mit ihrer klaren, aber emotionalen Sprache und führt strukturiert durch das ganze Buch. Punktabzug gibt es für die Naivität der Protagonistin, die vor allem gegen Ende nervig wurde. Daher geben wir 3,5 von 5 Sternen und ein: Kann man auf jeden Fall mal lesen, wenn man Lust auf einen akzeptablen Thriller hat. Hardcore-Thrillerfans allerdings wären vermutlich etwas enttäuscht.