Leserstimme zu
Am Ende das Glück der Welt

Auf jeder Reise kann man sein eigenes Glück finden und sei es nur um festzustellen, dass man nicht auf Bounty steht.

Von: VB00KS
25.01.2019

Meine Zusammenfassung: Ellen ist wie paralysiert. Als Geli ihr den Vorschlag machte, ein bisschen rachsüchtig zu sein und das neue Spielzeug ihres Exmannes zu zerstören, hatte sie sich bei dem Gedanken mit einem Baseballschläger auf das Cabrio einzuprügeln noch ziemlich gut gefühlt. Doch während sie so in ihrer komplett schwarzen Kleidung mitten in der Nach so vorm dem Auto stand, konnte sie es einfach nicht. Es war nicht ihre Art, Rache an einem Auto zu üben. Damit würde sie nicht das Leben von Richard zerstören, so wie er das ihre zerstört hat. Schließlich war sie Mutter von zwei Kindern. Mit klarem Verstand macht sie sich wieder auf den Weg nach Hause und entdeckt doch tatsächlich Licht. Hat Richard es sich anders überlegt? Hat er eingesehen, dass die Affäre mit seiner Assistentin Hanna, die gerade mal halb so alt ist wie sie und dann auch noch die Nichte von Geli ist, ein großer Fehler ist? Vermutlich nicht. Denn im Haus erwartet sie nicht Richard, sondern ihr Sohn Lukas, der einige Monate zu früh von seiner Asien-Reise zurückgekehrt ist. Dieser ahnt schon, dass etwas im Busch ist, denn die gepackten Umzugskartons lassen jeden Amateur-Detektiv die richtigen Schlüsse ziehen. Womit sie nicht rechnet ist, dass Lukas bereits errät, dass sein Paps eine Affäre mit seiner Assistentin angefangen hat. Am nächsten Morgen beschließt Ellen, dass es keinen Grund dafür gibt, dieses Haus zu verlassen. Hier, wo all die glücklichen Erinnerungen mit ihren Kindern ein Zuhause haben. Beim Ausräumen der Kartons entdeckt Ellen jedoch etwas, bei dem sie sich sicher ist, dass sie es nicht eingepackt haben kann. Das „Ja, heirate ihn“-Buch, was sie von Richard bekommen hat. Es erinnert sie jedoch nur noch daran, dass sie die geplante Weltreise, die mit diesem Postkarten-Buch einhergehen sollte, nicht angetreten haben. Ihr Entschluss zu bleiben steht dennoch. Doch als Richard unverhofft auftaucht als er erfährt, dass sein Sohn sein Studium zur Architektur in Graz in den Wind stoßen möchte um stattdessen lieber eine Ausbildung als Dachdecker zu beginnen, ist er völlig außer sich. Auch Ellen greift er dabei an und macht ihr bewusst, dass sie sich das Haus alleine, nur mit ihrer Teilzeitstelle in der Bibliothek, nicht leisten kann, oder Lukas auch nur ansatzweise mit dem wenigen Geld unter die Arme greifen könnte. Als ihr dann auch noch ein anderer Bewerber die Chance auf die Leitstelle in der Bibliothek vor der Nase wegschnappt, scheint es für Ellen, als würde sich die ganze Welt gegen sie verschwören … Doch apropos Welt; denn nun zahlt es sich aus, dass ihre Mutter doch einen guten Rat für sie übrig hatte: sie solle sich Geld auf die Seite legen, falls sie in ferner Zukunft mal etwas braucht. Und zum Glück hat sie des in Form eines Sparvertrages getan. Um Richard das Haus abzukaufen reicht es nicht, doch für eine kleine Reise für ein paar Monate um die Welt, um die Orte abzuklappern, die im Postkartenbuch verewigt sind, reicht es allemal und so macht sich Ellen tatsächlich auf die Reise und was sie dabei entdeckt, hätte sie niemals für möglich gehalten … Meine Meinung: Ach Mensch wie lustig. Das Buch war anders als erwartet, aber das war für mich tatsächlich nicht schlimm, da es mir dennoch wirklich gut gefallen hat. Ganz besonders der Anfang, als Ellen es nicht einmal schafft, das Auto ihres Exmannes zu zerstören obwohl er sie so „zerstört“ hat. Den Monolog den sie mit sich selbst geführt hat dazu, war einfach großartig und hätte von mir stammen können. Meine Güte war diese Frau - zu Recht! - frustriert über die Geschehnisse und ihren elenden Ex. Und man konnte ihr das nicht einmal verübeln. Doch Wahnsinn, was hat Ellen auf ihrer Reise doch für eine Verwandlung durchgemacht? Sie hat Menschen kennengelernt, die ihre Trennung nicht nur kritisch hinterfragt haben und sie einfach mal von einer anderen Seite beleuchtet haben, sondern auch Menschen, die sie einfach mit ihrer speziellen und interessanten Art von dieser Trennung abgelenkt haben. Obwohl Ellen niemals den Kontinent verlassen hat, hat sie es dennoch geschafft - zum ersten Mal auch alleine - eine so große Reise auf sich zu nehmen. Dabei hat sie Menschen getroffen, die in besondereren Beziehungen leben, die selbst ziemlich speziell sind oder einfach auch nur unzuverlässig. Doch jeder hat auf seine eigen Art dazu beigetragen, dass Ellen ihren eigenen Weg findet und auch den Weg, wie sie mit ihrem Schmerz und ihrem Leid umgeht. Ich hätte mir aber tatsächlich noch mehr von ihrer Reise gewünscht. Gefühlt ging ihre Reise erst so richtig los, als das Buch schon zur Hälfte vorbei war und das war mir irgendwie zu spät. Kurzzeitig dachte ich schon, sie macht sie nie auf den Weg und der Klappentext hat mich vielleicht auf den Arm genommen. Auch schade fand ich, dass mit jeder Ortschaft die Ellen bereist hat, weniger erzählt wurde. Dennoch tut es dem ganzen keinen großen Abriss und ich wurde trotzdem durch das Buch ziemlich gut unterhalten. Es hat sich wirklich einfach lesen lassen und ist für zwischendurch eine wunderbare Lektüre. Daher bin ich trotzdem zufrieden damit. Mein Fazit: Auf jeder Reise kann man sein eigenes Glück finden und sei es nur um festzustellen, dass man nicht auf Bounty steht. 4 von 5 Sternen.