Leserstimme zu
Berlin 1936

Die Geschichte hinter der Olympiade

Von: B. Waligora aus Weisendorf
09.02.2019

Berlin 1936 ist ein Tagebuch der olympischen Spiele von 1936 in Berlin. Das Buch ist gegliedert in 16 Kapitel, eines für jeden Tag der Spiele. Zusätzlich gibt es am Ende noch einen Nachtrag mit dem Was wurde aus... in dem wir erfahren, was aus vielen der im Buch erwähnten historischen Persönlichkeiten nach den olympischen Spielen geworden ist. So begleiten wir Goebbels, Göring, diverse Olympiafunktionäre, einige Gastronimieinhaber Berlins, Diplomaten und andere ausländische Besucher. Unter anderem den Schriftsteller Thomas Wolfe, der eigentlich ein glühender Deutschland-Verehrer ist, aber in diesen Tagen von diversen Seiten her die Augen geöffnet bekommt. Hitler und seinen Ministern ist es mit den olympischen Spielen in Berlin gelungen die Weltöffentlichkeit davon zu überzeugen dass Deutschland ein friedliebendes Land ist und die Geschichten über die Judenverfolgung nur aufgebauscht werden. Im Hintergrund laufen aber schon die Vorbereitungen der weiteren deutschen Expansion. Für mich war dieses Buch interessant zu lesen. Zu jedem Tag gibt es auch immer den aktuellen Wetterbericht und Tagesmeldungen aus der Staatspolizeistelle. Goebbels wird mehrfach aus seinem Tagebuch zitiert und auch die Einschätzungen andere Diplomaten stammen aus deren Tagebüchern. Selbst Hitler-Skeptiker lassen sich in diesen Tagen von der laufenden Propaganda einwickeln. Zusätzlich wird exemplarisch an Einzelpersonen das Schicksal von Homosexuellen, Roma und psychisch kranken Menschen erwähnt. Berlin 1936 zeichnet ein gutes Bild der Stimmung in der Stadt in diesem Sommer. Es ließ sich flüssig lesen und wurde auf keiner Seite langweilig. Besonders das letzte Kapitel, in dem geklärt wurde, was aus den Personen dieser zwei Wochen wurde hat mich sehr interessiert. Was mich auch wieder erschreckt hat, wie gleichgültig dem Ausland das Schicksal der Juden am Ende doch war. Es stand ein Boykott der olympischen Spiele durch Amerika wegen der Diskriminierung der jüdischen Sportler zur Debatte. Daraufhin wurde erst der Leiter des Amerikanischen Olympischen Komitees mit einer Untersuchung beauftragt, dann auch noch einmal das olympische Komitee selbst. Letzteres gab sich dann damit zufrieden, dass die Deutschen eine jüdische Athletin nominierten. Untersucht wurde bei den Besuchen in Deutschland nichts, die jeweiligen Vertreter begnügten sich damit, die obersten Herren zu besuchen und sich von ihnen sagen zu lassen, wie das mit den jüdischen Athleten in Deutschland geregelt werde. Danach reisten sie wieder ab und verkündeten, dass es in Deutschland keine unterdrückten jüdischen Sportler geben würde. Und verhinderten damit den Boykott. Alles in allem ist es ein interessantes Buch, das einen weitgefächerten Blick in die damaligen Tage gewährt. Von mir eine Leseempfehlung für dieses sehr gut lesbare Sachbuch.