Leserstimme zu
Mit Schreiben zu neuer Lebenskraft

Ein fürsorglicher Begleiter in einer schweren Zeit

Von: Klara aus Berlin
26.02.2019

Mit der Diagnose Krebs konfrontiert zu werden, stellt Betroffene wie Angehörige vor größte Herausforderungen. Immer wieder kommt es während und nach den Behandlungen zu Situationen, bei denen man nicht weiß, wie es weitergeht und wie man die komplexen Probleme, die sich vor einem auftürmen, lösen soll. Oftmals markiert die Krankheit einen tiefen Einschnitt ins Leben, der viele Veränderungen mit sich bringt. Es müssen existenzielle Entscheidungen getroffen werden, scheinbar Unerträgliches muss ertragen werden, Dinge geraten aus dem Gleichgewicht. Schreiben kann helfen, den Kopfsalat zu entwirren, sich mit sich selbst und seiner komplexen Gefühlslage auseinander zu setzen, dem Papier Dinge anzuvertrauen, die man sonst niemandem zumuten kann oder will, und in komplizierten Entscheidungssituationen zu innerer Klarheit zu gelangen. Wer über das klassische Tagebuch hinaus nach thematischen Anregungen und methodischen Inspirationen zum schreibenden Umgang mit der Krankheit sucht, dem kann ich das Übungsbuch „Mit Schreiben zur Lebenskraft“ nur empfehlen. Als Betroffene bin ich vor allem von der großen Nähe zu der emotionalen und körperlichen Lebenswirklichkeit von Krebspatientinnen begeistert, von der die Auswahl und Herangehensweise der Autorinnen an die Themen zeugt. Hervorheben möchte ich etwa eine Übung zur Krankheitsannahme mithilfe der Metapher, sich den Krebs als ungebetenen Gast vorzustellen, der mitsamt seinem Koffer unabweisbar in der Tür steht, die mit den Fragen verbunden wird, wie man sich in der Situation fühlt und mit welcher Haltung man sie meistern kann. Ermutigend auch die Aufforderung, „schreiend zu schreiben“, um der Wut, die sich in einem breit macht, einen Raum zu geben, etwa mit einem „Beschwerdebrief an das Universum“ oder einem Wutgedicht. Die Autorinnen helfen, den Blick auf das Positive und Stärkende, z.B. in Form eines ABC-Dariums der Lebensfreude oder mithilfe von Schatzsuchen, zu richten, geben aber, und das gehört zur Lebenswirklichkeit eines Krebspatienten eben auch dazu, gleichfalls Ideen, wie man sich den schmerzhaften Themen, seien es Abschied, zerplatzte Lebensträume oder innere Konflikte, etwa mithilfe einer Dilemma-Geschichte nähern kann. Die Übungen regen dazu an, innere Dialoge zu führen und zu einer Klarheit zu gelangen, die es ermöglicht, die eigenen Standpunkte auch nach außen, sei es im Arztgespräch oder mit den Angehörigen, besser zu vertreten. Durch die liebevolle Art und empathische Ansprache der Autorinnen findet der Leser auch zu einer fürsorglichen Haltung sich selbst gegenüber, die oftmals verloren gegangen ist und neu erlernt werden muss. Dass in dem Buch auch die Perspektive der Angehörigen explizit einbezogen wird, halte ich für einen großen Mehrwert, denn der Krebs verändert nicht nur das Leben des Betroffenen, er ist eine Herausforderung für das gesamte Umfeld, die bei jedem Spuren hinterlässt. Auch hier zeigt sich das gute Gespür der Autorinnen, die mit den Übungseinheiten „Wie kann ich jetzt helfen?“, „Und was wird jetzt aus mir?“ und „Miteinander neu anfangen“ treffend die Themen der Angehörigen aufgreifen und sie mit ihren ganz eigenen Fragestellungen nicht aus den Augen verlieren.