Leserstimme zu
Rheanne - An Bord der Adlerschwinge

Falscher Handlungsfokus

Von: Ashelia
08.03.2019

Der Klappentext vom ersten Fall der Ritterin Rheanne ließ auf einen Mix aus Fantasy und Krimi schließen wie ich ihn gerne lese. Bücher in diesem Genremix sind auch noch viel zu selten. Entsprechend gespannt war ich auf den Inhalt. Rheanne wurde gerade erst zur Ritterin befördert und soll auf ihrem ersten Auftrag als solche ein Geschenk von großer Wichtigkeit sicher in das Land Genzabar bringen. Die Reise erfolgt per Schiff - der titelgebenden Adlerschwinge. Doch die Fahrt verläuft wenig entspannt, denn schon kurz nach der Abfahrt stirbt einer der Matrosen grausam - und alles deutet auf einen nicht-menschlichen Täter hin. Rheanne sieht sich als Ritterin in der Pflicht, den Täter zu finden und stellt Nachforschungen an. An sich mochte ich den Genremix und auch die begrenzten räumlichen Möglichkeiten durch das Schiff auf hoher See. Die entworfene Welt kann in den weiteren Bänden auch noch spannend werden, blieb hier aber noch recht oberflächlich. Auch gefiel mir, dass man den Täter tatsächlich nicht von vornherein erahnen konnte, sondern mitgrübelte, wer es denn sein könnte. Insgesamt liest sich der Roman auch kurzweilig und der Schreibstil ist angenehm. Doch leider liegt der Fokus der Handlung nicht so stark auf den Ermittlungen wie erhofft. Stattdessen trifft Rheanne recht zu Beginn auf den geheimnisvollen Cormac, der so attraktiv und mysteriös ist, dass er Rheannes Gedanken direkt fast vollständig ausfüllt. Rheanne konzentriert sich mehr auf ihre neue "große Liebe" als auf den Fall. Und entwickelt sich dabei von einer anfangs vielversprechenden, selbstbewussten jungen Frau zu einem weinerlichen, eifersüchtigen Teenager. Diese Liebesgeschichte war nicht einmal im Ansatz nachvollziehbar und einfach nur nervig. Zwar ist Rheanne noch jung und erst kürzlich zur Ritterin ernannt worden - insofern verzeihe ich ihr ein paar Unsicherheiten - aber etwas taffer hätte sie Cormac gegenüber ruhig bleiben dürfen! Neben Rheannes inkonsequentem Charakter blieben die weiteren Charaktere eher blass. Cormac, der neben Rheanne im Mittelpunkt steht, bleibt geheimnisvoll und abweisend, erst zum Ende hin erfährt man etwas mehr über ihn. Insgesamt ein ausbaufähiger Auftakt der Reihe, der mit der plötzlichen Liebesgeschichte einen falschen Fokus setzt. Die Passagen, in denen Rheanne aber wirklich ermittelt, gefielen mir gut und ließen den Roman kurzweilig bleiben. Einem zweiten Band werde ich auf jeden Fall noch eine Chance geben und hoffe dann auf mehr Krimianteile.