Leserstimme zu
Das Ende der Lügen

Eine eiskalte Ermittlerin

Von: Paloma
13.03.2019

An die Skrupellosigkeit und Eiseskälte der Ermittlerin und Ich-Erzählerin des Romans muss man sich gewöhnen, was ich persönlich nicht ganz schaffte. Doch Claire DeWitt hält sich nicht nur den Leser vom Leib, sondern überhaupt alle, mit denen sie es zu tun hat. Eine eigenwillige Type, die das Glück, das „nur für Idioten" da ist, ebenso verachtet wie das Geld. Sie braucht ja auch keins, weil sie einfach x-beliebigen Personen Menschen, die dummerweise ihren Weg kreuzen, Auto, Handy und Geld abpresst, um damit auf ihre Verbrecherjagd zu gehen, die sie durch den Westen Amerikas führt. Auf einer Handlungsebene berichtet sie von einem alten Fall von 1999, an dem sich das ebenso unnahbare wie unschlagbare Team „mein Wille und ich“ die Zähne ausbeißt. Auf der jüngeren Zeitebene von 2011 wird Claire selbst Opfer eines Anschlags, den sie überlebt. Auf ihrer wilden Flucht vor einem wiederholten Mordversuch ermittelt sie weiter, mannhaft ignoriert sie ihre Schmerzen, was zu ihrem selbstgewählten Image gehört. Natürlich sind beide Geschichten miteinander verknüpft… Und dann gibt es noch Cynthia Silverton, die Teenagerdetektivin aus einem Comic, die eine ganz spezielle Rolle spielt. Das rasante Ende bringt kurz und knapp die Lösung, sehr genregemäß. Für Krimileser ist alles stimmig. Trotzdem klingt es falsch, wenn Claire sagt: „Es gibt kein Entkommen von dem Schmerz, den andere uns zufügen. Sie machen uns kaputt, und wir sie“. Vom Schmerz, von ihrem Schmerz habe ich beim Lesen nicht viel verspürt.