Leserstimme zu
ICH ist manchmal ein anderer

Ich ist manchmal ein anderer

Von: Die Stille meiner Bücher
14.03.2019

Die Psyche des Menschen ist faszinierend; ganz gleich ob wir uns mit dem "Normalmodell" einer Person befassen, oder die Vielfältigkeit an psychischen Erkrankungen in Augenschein nehmen - zu sehen, zu lernen, zu reflektieren finden wir immer genug Stoff. Ich finde es spannend und lehrreich mich mit dieser Thematik auseinander zu setzen, und so kam es, dass ich zu Cordt Winklers "Ich ist manchmal ein anderer" griff: Ein Buch, eine Geschichte, teilweise ein Ratgeber zum Thema Schizophrenie. Wir begleiten den Verfasser ab seiner Jugend, in der er unter der schizophrenen Erkrankung seines Vaters leidet, über seine ersten eigenen psychotischen Episoden bis hin zu seinem Weg, mit dem Krankheitsbild vertraut zu werden und seinen Weg zu meistern. Für diesen Werdegang und darauffolgende Offenlegung bringe ich den größten Respekt entgegen! Ich bedanke mich bei Herrn Winkler, den ich nach all diesen intimen Einblicken seines Lebens im Grunde sehr gerne beim Vornamen nennen würde, für das Schreiben dieses Buches. Mein Interesse an der Erkrankung Schizophrenie wurde vor ein paar Jahren geweckt und mit dem Lesen dieser Lebensgeschichte wurde auch meine laienhafte Neugier befriedigt. Die authentische Erzählweise über das Kennenlernen seiner selbst und der Erkrankung, die man mit sich trägt hat mich nahezu von der ersten Seite an gefesselt, so dass ich mich fast schon ein wenig voyeuristisch fühle, doch spricht das meiner Meinung nach einfach nur für das Buch. Der schmale Grat zwischen Fachchinesisch und emotionaler Erzählung wurde perfekt getroffen. Für all jene, die gerne mal über den Tellerrand hinausschauen oder gar selbst in irgendeiner Art und Weise betroffen sind, ist "Ich ist manchmal ein anderer" die perfekte Lektüre. Das Tolle an dem Buch ist, dass es so viele Dinge auf einmal erreicht. Zum einen ist es eine spannende Entwicklungsgeschichte, die beschreibt, wie Cordt Winkler es schafft, mit seiner Psychose leben zu lernen. Es ist eine Familiengeschichte, die den Kontext der Erkrankung deutlich macht. Es ist ein Buch, das Mut macht, auch für Menschen, die nie mit Psychosen etwas zu tun hatten. Es zeigt, wie man in Notzeiten mit sich und der Welt wieder ins Reine kommt. Irgendwie gelingt es dem Autor auch noch den aktuellen Stand der Forschung wie beiläufig in seinen Bericht einfließen zu lassen. Dabei referiert er nicht nur die gängigen psychiatrischen Theorien, auch psychatriekritische Stimmen kommen zu Wort. Dabei bleibt Winkler neutral und schildert seinen eigenen Entscheidungsprozess. Auf jeden Fall beendet man die Lektüre klüger als zuvor. Cordt Winkler hat ein Buch für jeden geschrieben, der sich mit Schizophrenie auseinandersetzen möchte, sei es als Betroffener, als Angehöriger oder als Interessierter. Oder für jeden, der einfach ein gutes Buch lesen möchte. Ich wollte nur kurz reinblättern und habe es dann am Stück weggelesen.