Leserstimme zu
Vom Himmel zum Meer

Handfest: Vom Himmel zum Meer

Von: Erdhaftig schmökert
18.03.2019

Wenn eine Waise das Waisenhaus verlassen muss, weil es erwachsen geworden ist, bedeutet das in den meisten Romanen nichts Gutes. Meistens drohen solche Figuren erst Mal "unter die Räder zu kommen" bis dann doch etwas aus ihnen wird. Hier ist es ganz anders. Und das ahnt man bereits bei den ersten Zeilen!Handfest & QuirligKurzweilig erzählt Lisa Marcks die ersten zwei Jahre ihrer Hauptfigur Agnes. Die sich weder schämt ein Findelkind zu sein noch denkt, als Frau sei sie weniger wert als Männer und kein Blatt vor den Mund nimmt und dennoch sympathisch wirkt. So entstehen die ersten amüsanten Dialoge und ratzfatz lese ich den Schmöker zu einem Drittel durch. Ich versinke im Hamburg als dort die Cholera um 1872 ausbricht, lache dabei, wie Agnes geschäftstüchtig wird und ihr Leben wie Beppo Straßenkehrer aus Michael Endes "Momo" angeht. Schritt um Schritt vorwärts kommen ohne das große Ganze aus den Augen zu verlieren. In Agnes Fall dreht es sich erst Mal nur um ihr eigenes Überleben. Aber es geht noch weiter. Was man mit sympathischer Art und handfestem Tun in die Wege leiten kann, wenn man nur will, das zeigt diese Geschichte ganz nebenbei auf. Es überhaupt zu versuchen und merken, was alles geschehen kann oder auch nicht.Die Geschichte allein ist prima. Jeder Faden wird verflochten, keiner löst sich und Marcks schreibt charmant, lässt schmunzeln und Zeit und Raum total vergessen. Ein wunderbarer Schmöker!