Leserstimme zu
Der evangelische Papst

Der evangelische Papst

Von: Benedikt Bögle
23.03.2019

Papst Franziskus polarisiert. Während ein großer Teil des Kirchenvolkes seine Anstöße begrüßt und viele, teils auch nicht-christliche Menschen in ihm ein Vorbild sehen, gibt es in der Kirche immer wieder auch Stimmen, die ihm Häresie vorwerfen. Sie wollen nicht verstummen und werfen ihm den Bruch mit der Tradition vor, sehen seine Ausführungen in Amoris Laetita als häretisch an; ja, selbst vor einer Gleichsetzung des Heiligen Vaters mit dem in der Johannesoffenbarung beschriebenen Antichristen scheint mittlerweile ohne weiteres möglich zu sein. In diese Situation spricht ein hervorragendes Buch des Jesuiten Andreas Batlogg aus München: "Der evangelische Papst. Hält Franziskus, was er verspricht?", erschienen im Kösel-Verlag. Batlogg analysiert die Person des Papstes, seine Ausführungen in Schreiben, Interviews und Predigten sowie die großen Linien des Pontifikats. Er sieht Papst Franziskus im Lichte seiner jesuitischen Biographie, im Kontext der Gedanken, Ziele und der Sendung seiner Ordensgemeinschaft. Batlogg hat damit so etwas wie die Biographie eines Pontifikats vorgelegt. Der Jesuit geht den großen Spuren dieses Pontifikats nach und ordnet die Aussagen des Papstes dazu ein. Er fragt, was Synodalität der Kirche bedeuten kann, wie Kirche arm sein könnte, was Barmherzigkeit eigentlich bedeutet. Durchweg untermauert der Autor seine Thesen mit Zitaten des Heiligen Vaters und ordnet sie in ihren größeren Kontext ein. Vermeintlich skandlöse Aussagen von Franziskus erscheinen so plötzlich in einem anderen Licht: Was genau hatte es denn mit seiner Meinung auf sich, Christen müssten sich nicht verhalten wie die Kaninchen? Wie war das mit dem väterlichen Klaps für Kinder zu verstehen? Unaufgeregt versucht Batlogg diese Missverständnisse zu erklären und diesen Papst zu verstehen - ohne in subjektive Lobeshymnen oder gar eine Heiligsprechung zu verfallen. Daneben steht immer die Frage: Was hat dieses Pontifikat erreicht? All den Stimmen zum Trotz, die in Franziskus nicht mehr als einen Mann der großen und schönen Gesten sehen wollen, zeigt Batlogg die tatsächlichen Erfolge des Pontifikats auf; nicht als trockene To-Do-Liste, sondern immer als Frage nach den Intentionen des Papstes und seinen Wirkungen. Andreas Batlogg ist ein tolles Buch gelungen. Teilweise ist es eine Biographie von Jorge Mario Bergoglio, teilweise eine Innenansicht über den Jesuitenorden, dann wieder eine kirchengeschichtliche Abhandlung. Ganz einfach: Ein lesenswertes Buch über den Mann Franziskus, seine Ziele, seine Widerstände.