Leserstimme zu
Das Leuchten des Mondes

Mondleuchten, Glatzköpfe und skurrile Ereignisse – kein klassisch, klischeehafter Liebesroman!

Von: Thursdaynext
23.03.2019

Wenn ein Buch mit einem ansprechenden Cover lockt und der Inhalt verheißungsvoll verspricht, eine andersartige Geschichte zu erzählen ,werde ich aufmerksam, allerdings entgehen mir dann die kleinen aber feinen Details. Als ich den Roman dann in Händen hielt und er auf dem Cover als Liebesroman ausgeschildert war – ein NoGo für mich – war das Entsetzen groß. Eine Chance habe ich ihm dennoch gegeben und das war gut. Tatsächlich ist „Das Leuchten des Mondes“ eine Geschichte über Liebe. Liebe zu Eltern, Menschen, Kindern und die Geschichte einer Suche nach einem nie gekannten Vater. Es ist aberauch ein Bericht über eine, nein zwei starke Mütter, einem Leben als komplett haarlose Frau, Autismus, Hochbegabung, der NASA, einer Mondkolonisierungsmission und vom Leben in einer Gesellschaft mit ungeschrieben Verhaltenskodizes und damit ist der Inhalt noch längst nicht auserzählt. Klingt wirr und konstruiert? Ist es nicht. Ich möchte nicht zuviel vorweg nehmen, Sunny und Maxon kennen sich seit ihrer Kindheit, sind verheiratet, haben sich gestritten. Das ist die Rahmenhandlung innerhalb derer sich eine ganze Welt auftut mit Verletzungen, Verletzlichkeiten, Anforderungen der Gesellschaft und dem unbedingten Willen zum Glück, das sich im Alltag so leicht verliert. Wie der Verlag auf die Idee kam „Shine Shine Shine“ so Netzers Debüt-Originaltitel von „Das Leuchten des Mondes„, der es 2012 immerhin auf die New York Times Liste der 100 Notable Books brachte und dort nicht als Liebesroman sondern als „This thought-provoking debut novel presents a geeky astronaut and his pregnant wife.“ angepriesen wurde, ist mir schleierhaft. Mit dieser kleinen Buchperle wurde zwar sicherlich das Niveau für die klischeeerfüllende Liebesromanleserin angehoben, zugleich aber auch die Hürde für Menschen, die dieses Genre mit Bedacht meiden, so hoch gelegt, dass diesem Buch eine weiter und breiter gefächerte Leserschaft, die man ihm wünschen würde, entschwindet. „Das Leuchten des Mondes“ liest sich fluffig weg, man weiß nie genau wohin die Reise geht, obwohl etliches erzählerisch schon vorweggenommen ist hält sich der Flow. Die Zeitrückblenden halten die Spannung hoch Überraschungen bleiben nicht aus. Ich habe mich nach und nach verliebt in diese kleine sachte Geschichte über außergwöhnliche Menschen und ihre Versuche sich anzupassen, was wie Sunny Mann glaubt, nötig ist um Sohn Bubber ein glückliches Leben zu ermöglichen. Ihr Ehemann und Astronaut Maxon Mann hingegen bezeichnet ihr Dasein mit den Worten: „Wir sind Mohnblumen im Weizenfeld.“ Lydia Netzer hat eine berührende, außergewöhnlich verträumte, zum Sinnieren einladende Geschichte erfunden, die sich der Kategorisierung in nur eine Genreschublade gekonnt entzieht. Tatsächlich ist sie sogar ein klein wenig kitschig, das aber nur, wenn man verlernt hat guten Geschichten zu lauschen, denn dies ist eine. Sie macht die Welt mit all ihren Schrunden, Kanten und weniger schönen Facetten ein klein wenig besser, runder und schöner. Genauso wünsche ich mir gute Geschichten.