Leserstimme zu
Pfauensommer

Familien haben ihre Geheimnisse - ein berührender Roman über die Liebe und den Verlust

Von: Hanne / Lesegenuss
01.04.2019

Vor einem Jahr verließ Maggie Hals über Kopf England und ging nach Australien. Dort schlägt sie sich mit Jobs durch, doch im Herzen fühlt sie sich nicht richtig wohl dort. Da erreicht sie ein Anruf aus England. Ihre Großmutter, Lillian Oberon, war ins Krankenhaus eingeliefert worden. Die fast neunzigjährige Dame brauchte nunmehr ihre Hilfe. Also kehrt Maggie mehr ungewollt zurück. Doch was auch immer damals vorgefallen war, hatte Zeit. Sie ist erschrocken über den Zustand ihrer Großmutter, aber auch über den Zerfall des Hauses. Dieser riesengroße Kasten wurde von einer Person bewohnt, nämlich Lillian. Schier unmöglich, aber diese wollte dort nicht ausziehen. "Pfauensommer" setzt sich aus zwei Geschichten zusammen. Beide handeln von Lillian, zum einen als junge Frau und dann sechzig Jahre später. Die junge Lillian ist Mitte Zwanzig, als sie den Herren von Cloudesley kennenlernt und heiratet. Charles war Witwer und Vater eines Sohnes, Albie. Dieser ist es, dem Lillian alle Liebe gibt, die er braucht. Denn von seinem Vater erfährt er nur Härte. Eigene Kinder wird es in der Ehe nicht mehr geben. Auf einer Party im Haus lernt Lillian den Künstler Jack Fincher kennen. Ihr Mann hatte ihn angeheuert. Er sollte einen ganz besonderen Raum für bestimmte Artifakte schaffen. Seiner Fantasie konnte der Künstler freien Lauf lassen. Lillian fühlt sich zu diesem charismatischen Künstler hingezogen. Sie verbringt Zeit mit ihm und dadurch gerät Albie ein bisschen mehr in den Hintergrund. Für Lillian sind die Begegnungen Balsam für die Seele, denn sie leidet nicht nur seelisch in der Ehe mit Charles, sondern auch körperlich. Und so nimmt das Verhängnis seinen Lauf In der Gegenwart geht es ebenfalls um Lillian, aber auch um ihre Enkelin Maggie. Für diese wird es keine leichte Aufgabe, die Betreuung der Großmutter und Cloudesley Manor zu retten. Das letztere scheint eine aussichtslose Angelegenheit. Bis ihr der Zufall in die Hände spielt. Die Geschichte entwickelt sich emotional, denn auch für Maggie wird es eine Reise in ihre eigene Vergangenheit und den Problemen. Die Geschichten fließen mühelos ineinander. Trotz der etlich verarbeiteten Themen, Ehe, Beziehungen und Familie schafft die Autorin es, den Leser hiermit nicht zu überfüttern. Albie, der Stiefsohn von Lillian und Vater von Maggie, taucht absatzweise in der Handlung auf. Welch entscheidende Rolle er letztendlich in dem ganzen Drama spielt, erfährt der Leser erst so ziemlich zum Ende. Seine Kindheit, geprägt vom Vater, sein Leben, auf eine gewisse Art schon tragisch. Es sind nur wenige Charaktere, die einen bedeutsamen Platz in der Handlung haben. Hannah Ritchell hat es von Beginn an geschafft, dass ich nie den Faden verloren habe Auch das Cover ist ein Hingucker. Allerdings stört mich der Satz als Leserstimme von der Autorin Katharina Webb sehr. Meines Erachtens gehört das nicht aufs Cover. "Pfauensommer" eine beeindruckende Zeitreise nach Cloudesley Manor, einem Haus voller Geheimnisse. Ein Roman, das mich ganz zum Schluss im Nachwort doch sehr berührt hat. Den Verlust eines geliebten Menschen zu verarbeiten, braucht viel Kraft. Und vor allem braucht es Menschen, die einem zur Seite stehen. Das Buch hat die Autorin ihrer Schwester Jess gewidmet. "Pfauensommer", es war eine beeindruckende als auch emotionale Lesereise einer Geschichte "die lebt".