Leserstimme zu
Der Himmel über Alabama

Die Rezension bezieht sich auf eine nicht mehr lieferbare Ausgabe.

ein stimmungsvoller Südstaatenroman

Von: Karthause
30.03.2015

Marlen Suyapa Bodden führt ihre Leser in die us-amerikanischen Südstaaten zu Zeiten, in denen noch die Sklaverei herrschte, aber schon leise der Geist einer neuen Zeit an den Türen der Plantagenbesitzer rüttelte. Clarissa, die Tochter eines solchen, wächst sorglos auf und bekommt zur Hochzeit Sarah, Tochter von Clarissas Vater und einer Sklavin, geschenkt. Obwohl auch Sarah für ihren Stand erstaunliche Privilegien genießen kann, macht sie sich schon in Kindertagen Gedanken über Freiheit und Flucht. Sie spricht aus, was andere Sklaven nur heimlich zu denken wagen, aus Angst vor drakonischen Strafen. Dieser Traum begleitet Sarah durch ihr Leben und den Leser durch das gesamte Buch. Sehr bildhaft werden die Lebensumstände, sowohl auf Seiten der Sklaven als auch auf der der Herrschaft beschrieben. Dabei werden die unterschiedlichen gesellschaftlichen Positionen beleuchtet und auch auf den „Wirtschaftsfaktor Sklavenhaltung“ und die Möglichkeiten der rechtskonformen Erlangung der Freiheit eingegangen. Abgesehen davon, dass der Klappentext ein bisschen zu viel verrät, ahnt der Leser schon zeitig, in welche Richtung sich die Geschichte entwickeln wird. Die Autorin zeigt verschiedene Lebenswege in beiden Gesellschaftsschichten auf, ihr Herz schlägt aber spürbar für die unterdrückten und ihrer Freiheit beraubten Sklaven. „Der Himmel über Alabama“ ist ein kurzweilig zu lesender und sehr interessanter historischer Roman. Der anschauliche Stil sorgte dafür, dass ich mich schnell in die Szenerie einfühlen konnte und vor meinem geistigen Auge Bilder entstanden, die schnell ein Eigenleben begannen. Die Charaktere waren facettenreich und lebendig beschrieben und waren Kinder ihrer Zeit. Kurzum, Marlen Suyapa Bodden hat einen sehr ansprechenden Roman mit wunderbarem Südstaatenflair geschrieben, der den Leser gefangen nimmt und auf eine Art gefühlte Zeitreise schickt. Mich hat er sehr gut unterhalten.