Leserstimme zu
Warum gerade du?

Ein Mutmachbuch durch die Trauer abseits von Klischees

Von: Brigittes Bücherblog
12.04.2019

Dieses zweite Buch von Barbara Pachl-Eberhardt wurde mit einigen Jahren Abstand zum Verlust ihrer Familie geschrieben. Sie verlor an Gründonnerstag ihren Mann und ihre beiden Kinder bei einem Autounfall an einem Bahnübergang. Da lag er, der zertrümmerte Clownsbus, denn sie waren eine Clownsfamilie, die Demenzkranke und kranke Kinder mit ihren Späßen ihr Leiden vergessen ließ. Lachen und Freude waren Bestandteil dieser Clownsfamilie. An diesem Tag vor Ostern trat eine neue Wirklichkeit in ihr Leben, die Trauer. Ihr Mann war sofort tot, ihr Sohn, hirntot, wurde noch tagelang von Maschinen am Leben gehalten und ihre kleine Tochter rang im Bett daneben mit dem Leben. Doch auch sie verlor den Kampf. Dieses Buch beschreibt das Leben der Autorin mit dem Tod und ihre Zeit danach. Trauer macht stumm. Um das Schweigen zu durchbrechen brauchen die Trauernden, deren Familien und Freunde viel Mut. Fehler und Missverständnisse sind vorprogrammiert, denn Trauernde verhalten sich nicht so, wie man es von ihnen erwartet. Weinen und Lachen, zurückschauen und vorwärtsgehen, sich verstecken und Neues wagen. Trauern und glücklich sein. Trauern ist all das und genau das ist es, was vielfach nicht verstanden wird und macht Familie und Freunde so hilflos im Umgang mit Trauernden. Aber auch Trauernde verlieren oft die Fähigkeit zu kommunizieren. Wie soll man sich erklären? Trauer veränderte, nicht nur ihr bisherige Leben, denn es fehlen die Liebsten, Trauer veränderte auch die Autorin. Sie glaubt an die transformierende Kraft der Trauer, lebt heute in Wien mit ihrem neuem Partner und ist in einem neuen Beruf tätig. „Es darf wieder gut werden im neuen Leben“, es gibt keine Regel für das „Wann“ oder „Wie“. Die Autorin wurde von Menschen kritisiert, die nicht verstehen konnten, wie sie sich nach nur 4 Monaten in einen neuen Mann, ihren heutigen Ehemann, verlieben konnte. Man nahm ihr die Echtheit, Wahrhaftigkeit ihrer Trauer nicht ab. Die Selbstverständlichkeit mit der die Schriftstellerin von Glaube, Gott und ihrer Familie auf der anderen Seite spricht, bleibt vielen fremd. Sie glaubt an ein Leben nach dem Tod, ganz selbstverständlich ohne wissenschaftliche Erklärungen. Sie ist trotz Trauer zuversichtlich, auch das entspricht nicht dem Klischee einer Trauernden. Woher nimmt sie nur die Zuversicht nach solch einem Verlust? Es ist kein Buch, in dem um Glaube und Gott gerungen wird. Es ist ein Mutmachbuch. Barbaras Leben mit und durch die Trauer und und ihre Erfahrungen nimmt den Leser auf eine außergewöhnliche Reise in ein neues, anderes Leben. Sie beleuchtet in ihrem Buch die guten und die bitteren Tage. Sie redet nichts schön und doch spürt man ihre Zuversicht. Sie macht dem Leser Mut, tröstet und gibt all denen Kraft, die noch kein Licht am Ende des Tunnels sehen, die nicht wissen, wie es weitergehen soll. Sie beschönigt nichts und doch ist sie sich sicher, dass es ihren Liebsten auf der anderen Seite gut geht. Für Betroffene wie auch Begleitende ein außergewöhnliches Buch, mit der Botschaft „seien Sie mutig, abseits von Klischees,“ Alles wird gut, anders als es war, aber gut.