Leserstimme zu
Das kalte Reich des Silbers

Eine tolle Märchen-Adaption

Von: Kerime
22.04.2019

Mirjem ist es leid, im kalten Winter zu frieren und zu hungern. Ihr herzensguter Vater arbeitet als Geldverleiher, jedoch verlangt er das verliehene Geld nie zurück, deshalb beschließt Mirjem seine Arbeit zu übernehmen. Sie befreit ihre Familie von der Kälte und dem Hunger. Doch mit dem Geld kommen auch noch andere Probleme. Die Staryk hören von der Tochter des Geldverleihers und verlangen nun, dass sie Silber in Gold verwandelt. Und wenn nicht, dann wird sie den nächsten Tag nicht erleben. Meine Meinung: Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll. Vielleicht mit der Anmerkung, dass das eine Rumpelstilzchen Adaption ist? Rumpelstilzchen ist zwar nicht mein Lieblingsmärchen, aber dennoch hat mir „Das Reich des Silbers“ sehr gut gefallen. Ich muss gestehen, dass ich mich echt erschreckt habe, als ich das Buch in den Händen hielt. Es ist ein dicker Wälzer und noch dazu klein geschrieben. Es hat mich also nicht gewundert, dass es sich hier und da ein wenig gezogen hat. Der Schreibstil ist sehr wortgewandt und mir kam es so vor, als ob ich ein Märchen von den Grimm Brüdern lesen würde. Die Autorin weiß einfach, wie sie mit ihrem magischen Schreibstil ihre Leser in den Bann zieht. Ich kam am Anfang sehr langsam voran, da viel beschrieben wird und kaum wörtliche Rede vorhanden ist. Außerdem wird die Geschichte aus drei verschiedenen Perspektiven erzählt und es steht leider nirgendwo, wer gerade erzählt. Das hat mich zwar am Anfang irritiert, aber die Autorin hat jedem Charakter eine eigene Stimme verliehen, sodass sich die anfänglichen Schwierigkeiten schnell gelegt haben. Die Charaktere fand ich echt klasse. Sie sind mir alle ans Herz gewachsen, insbesondere die Staryk. Sie sind nicht gerade ungefährliche Geschöpfe, die neben den Menschen leben. Die Staryk lieben alles, was Gold ist, da passt es wohl gut, dass Mirjem eine Geldverleiherin ist. Sie behauptet nämlich von sich, dass sie Silber zu Gold verwandeln kann. Keine kluge Aussage, wenn die Staryk sie hören können. Die Spannung baut sich langsam auf, die Mitte zieht sich ein wenig und das Ende ist dagegen wieder sehr spannungsgeladen. Die Liebesgeschichte entfaltet sich auf den letzten Seiten. Das hat mir besonders gut gefallen. Im Vordergrund stehen die unglaublich starken Protagonistinnen, die keinen Prinzen auf einem weißen Pferd benötigen. Fazit: Ich hatte eine Menge Spaß mit dem Buch, auch wenn es sich an einigen Passagen gezogen hat. Wer Märchen-Adaptionen liebt, ist hier genau richtig. Naomie Novik ist gut in ihrem Handwerk und verführt ihre Leser in eine düstere und dennoch märchenhafte Welt!