Leserstimme zu
Das Ende der Lügen

Kawumm: Das Ende der Lügen - Sara Gran

Von: DunklesSchaf
26.04.2019

Kawumm – und schon ist man mitten im Geschehen. Claire DeWitt erwacht benommen und verletzt, nachdem ein Lincoln in ihr Auto gekracht ist. Kein Unfall, Absicht. Wer will Claire ermorden? Die Detektivin nimmt mit ihren ganz eigenen Methoden die Ermittlungen auf und wühlt sich durch Gegenwart und Vergangenheit. „… Detekteien waren nichts anderes als Informations-Inkassobüros, sie trieben ausstehende Wissensschulden ein und stöberten kautionsbrüchige Faktenflüchtlinge auf.“ (S. 225) Claire DeWitt, die bester Ermittlerin der Welt, ist anders. Anders als die anderen Kindern, äh, Detektive. Anders trifft es zwar, beschreibt es aber nicht gut. Claire DeWitt ist Silettistin. Sile-was? Genau. Bevor man Claire DeWitt versteht, muss man einiges erklären, doch selbst dann versteht man Claire DeWitt wohl nie zur Gänze. Die Grundregeln für ihr Detektivdasein basieren auf „Détection“, einem Buch veröffentlicht von Jacques Silette, einem großen Detektiv, dessen Anweisungen aber keineswegs genau, sondern esoterisch ungenau sind und einen Hauch von Glückskeks ausstrahlen. Silettisten sind in der Ermittlerszene geächtet, doch die Erfolgsquote der Silettisten ist beachtlich. Auch Claire DeWitt kann nur Erfolge vorweisen, außer in ihrem eigenen Fall, dem Fall ihrer verschwundenen besten Freundin. Ich warne mal vor – Claire DeWitt, aber auch den Stil der Autorin, den Aufbau des Buches, muss man mögen, denn ansonsten hasst man es vermutlich. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es hier Graustufen gibt – man liebt oder man hasst Claire DeWitt. Einfach macht es einem die Autorin auf keinen Fall. Mag man Claire, muss man sich hier noch durch drei verschiedene Fälle arbeiten, welche die Autorin so genial verschlungen gelungen verquickt, dass ich hin und wieder doch den Faden verloren habe. Manches muss man wirken lassen. Das Buch arbeitet in einem, unterbewusst finden die Stränge dann wieder zusammen, bevor sich natürlich wieder neue Fragen und offene Enden bilden. Angereichert wird mit Wissen aus Détection, Silettes Lebensgeschichte, Claires einzigem ungelösten Fall und einer Comicserie aus ihrer Kindheit um die Teenagerdetektivin Cynthia Silverton. Und was die Wabenstruktur und die Biene auf dem Cover zu suchen haben? Da könnt ihr raten so viel ihr wollt, da kommt ihr nie drauf! Noch nicht abgeschreckt, lieber Leser? Claire DeWitt ist eine Wucht. Sie ist eine Einzelgängerin, streift seit Jahren umher. Sie ist ohne festen Wohnsitz, Drogen nicht abgeneigt. Man könnte sie für depressiv halten, fragt sie sich doch oft, warum sie alleine ist. Sie biedert sich nicht an, sie ist, wie sie ist. Doch immer auf der Suche nach der Wahrheit, die Fälle werden gelöst, ohne Wenn und Aber, ob der Auftraggeber es nun hören möchte oder nicht. Ich könnte hier noch unendlich weitermachen, doch Claire muss man einfach erlebt haben – man kann nie genug erzählen, um zu zeigen, wie sie ist. Sie ist die beste Ermittlerin der Welt. „Später im Leben begriff ich, dass die meisten Leute glauben, sie würden von allen gehasst. Die Wahrheit ist noch schlimmer: An die meisten Leute verschwendet überhaupt niemand einen Gedanken.“ (S. 243) Ich liebe Claire. Ich mochte das Buch. Und trotzdem lässt sie mich ratlos zurück. Hat sie die Fälle nun geklärt? Nun ja, irgendwie, zum Teil. Vielleicht auch nicht. Ich denke immer noch darüber nach. Ach, aber das ist gar nicht so wichtig. Wichtig ist Claire DeWitt. Und wichtig ist mir, dass bald ein weiterer Teil mit ihr erscheint, aber da muss ich leider die Hoffnungen erst mal begraben – die Autorin arbeitet gerade an anderen Projekten. Auf den nächsten Claire DeWitt müssen ihre Fans wohl wieder eine Weile warten. Fazit: Ein Krimi, wie ein Autounfall – man kann einfach nicht aufhören und wegsehen. Claire DeWitt ist die beste Detektivin der Welt, aber sie wird die Leserschaft spalten, entweder man liebt oder man hasst sie. Und Lösungen bietet sie schon gar nicht. Nur die Wahrheit. Die kann Claire DeWitt dafür grandios gut.