Leserstimme zu
Gott wohnt im Wedding

Eine Ode an die Verschiedenheit der Menschen

Von: Miriam
28.04.2019

Regina Scheers "Gott wohnt im Wedding" erzählt Geschichten aus dem Alltag eines Hauses und einiger seiner Bewohner*innen im Berliner Wedding. Über ein Jahrhundert deutscher Geschichte wird hier auf grandiose Weise erzählt. Ob die Kommentare zur Veränderungen der Zeiten durch das Haus, die Erinnerungen des jüdischen Großvaters, die Ansichten der jahrzehntelangen Bewohnerin oder die Überlegungen und Hoffnungen einer nach langer Reise dort Angekommen: Die Charaktere und ihre Hintergründe verweben sich und werden liebevoll dargestellt, ohne kitschig zu werden. "Gott wohnt im Wedding" lehrt Geschichte ganz nebenbei, ohne dabei den Zeigefinger zu erheben. Und das ist sehr wertvoll. Hier wird verschiedenen Meinungen Raum gegeben, die allesamt ihre Berechtigung haben. Selten habe ich in letzter Zeit ein Buch gelesen, das so vielseitig und so respektvoll Pluralität zum Ausdruck brachte. Gerade in unserer heutigen Zeit brauchen wir Geschichten, die uns verdeutlichen, wie wunderbar und wichtig unser Zusammenleben durch unsere Unterschiede wird - dass es kein Problem ist, anders zu sein, sondern wir alle durch ein bunteres Leben profitieren können. Und dieses Buch weist uns darauf hin, wie wir einander immer nur bis vor die Stirn sehen können. All die Kämpfe, die wir bereits ausgefochten haben und innerhalb derer wir uns immer noch befinden, prägen die Leben und Ansichten der Charaktere wie sie auch uns prägen. Ebenso zeigt es aber auch, wie wohltuend die Verbindung zu unseren Nachbarn und Nachbarinnen sein kann. Vor allem für Berliner*innen und jene, die sich in der Ferne nach dieser Stadt sehnen, eignet sich dieses Buch. Es entführt in die Stadtteile, wie sie sind und wie sie waren. "Gott wohnt im Wedding" ist Stadtspaziergang, Zeitreise und Blick in die Seele in einem. Eine wunderbare Erinnerung an das, was wirklich zählt im Leben und eine Ode an die Verschiedenheit der Menschen!