Leserstimme zu
The Mister

ganz nett für zwischendurch

Von: 78sunny
12.06.2019

Die Autorin kannte ich bereits von ihrer „Shades of Grey“-Reihe und da mir diese wirklich gut gefallen hat, konnte ich auch an „The Mister“ nicht 'vorbeigehen'. In diesem Hörbuch geht es um Maxim Trevelyan, dessen Bruder gerade gestorben ist. Neben Trauer und Unverständnis, wie es zu dieser Tragödie kommen konnte, spielt dieser Tod auch für Maxims gesellschaftliche Position eine große Rolle. Er ist dadurch nämlich Lord geworden. Eigentlich wollte er nie diesen Titel und muss sich nun mit der Verantwortung auseinander setzten. Auch wenn dies oft betont wird, spielt es doch eine recht geringe Rolle in der Geschichte. Ich muss allerdings gestehen, dass ich dies gut fand, da ich persönlich kein großes Interesse an den Pflichten und Aufgaben eines Lords habe. Das sicher einige Lesern, ihre Prioritäten anders setzten, wollte ich es aber erwähnt haben. Viel mehr geht es in dieser, sehr seichten, Story um die aufkeimende Liebesbeziehung zwischen Maxim und seiner neuen Putzfrau. Die Polin, Alessia, hat schlimmes erlebt, da sie an Menschenhändler geraten war, als sie nach England kam. Aber nicht nur das hat ihr Leben geprägt. Auch ihre Kindheit und das, was für sie als junge Erwachsene durch ihren Vater geplant war, hat sie zu der eher schüchternen, verängstigten Frau gemacht, die sie ist. Sie weiß nichts von Maxims Adelstitel und möchte einfach nur ein sicheres und ruhiges Leben führen. Maxims Verführungskünsten kann sie allerdings nicht widerstehen und ist ihm schon bald verfallen. Durch sie bekommt die Story ein klein wenig mehr Tiefe, da ihre Kultur und ihre Schicksal in ihrem Heimatland noch eine kleine Rolle spielt. Viel sollte man aber nicht erwarten. Alles wird sehr Cinderella-Like herübergebracht und wirkt wirklich sehr kitschig an manchen Stellen. Einiges wird angerissen und spielt dann plötzlich doch keine wirklich Rolle mehr. Um nicht zu spoilern mag ich hier aber nicht mehr dazu sagen. Es wirkte einfach teils etwas gewollt mit Nebenstory oder Hintergrund aufgepeppt. Ganz nett fand ich Alessias Leidenschaft fürs Klavierspielen in die Story eingebaut. Die Nebencharaktere spielen eine sehr geringe Rolle. Einzig die Ehefrau des verstorbenen Bruders kam recht häufig vor. Mit ihr hatte ich allerdings so meine Schwierigkeiten. Sie verhielt sich teils sehr widersprüchlich und ich war mir eigentlich bis kurz vorm Ende sicher, dass sie noch eine entscheidende Rolle bei einigen Ereignissen gespielt hat. Dies war dann aber nicht so und das wirkte auf mich persönlich, als wäre dies nachträglich im Lektorat geändert worden. Es war nicht stimmig und ihre Charakterentwicklung einfach merkwürdig. Alessias Eltern konnten mich auch nicht überzeugen und allgemein wirkten die Nebencharaktere eher belanglos. Die Liebesgeschichte gefiel mir dagegen sehr gut. Sie wurde in einem angenehmen Tempo entwickelt, die erotischen Szenen waren gut geschrieben und nicht übertrieben häufig. Alessia war wirklich sehr naiv und blühte unter Maxims erfahrenen Händen geradezu auf. So kitschig, wie dieser Satz klingt, so ähnlich war es aber auch geschrieben. Ich kann damit gut leben, aber ich wollte es mal erwähnt haben. Die Umsetzung des Hörbuchs war meiner Meinung nach etwas ungünstig. Positiv empfand ich die Aufteilung in zwei Sprecher. So etwas finde ich immer gut. Ich mag es einfach, wenn den Männerpart auch wirklich ein Mann liest und die Kapitel aus Frauensicht eine Frau vertont. Matthias Scherwenikas macht seinen Job sehr gut. Seine Betonung und sein Lesetempo waren angenehm. Regina Gisbertz dagegen war für mich eine Katastrophe. Sie las ihre Kapitel extrem übertrieben. Die ohnehin schon naive Alessia kam durch ihre Betonung sogar regelrecht dumm herüber. Teils wirkte es sehr gestellt und ich wurde nur durch die Kapitel, die Matthias Scherwenikas las, wieder in die Story zurückgeholt. *Fazit:* 3 von 5 Sternen Die Story war zwar sehr seicht, hat mich aber trotzdem gut unterhalten. Lediglich an die Sprecherin konnte ich mich bis zum Ende hin nicht wirklich gewöhnen. Der männliche Sprecher dagegen machte seinen Job ausgezeichnet.