Leserstimme zu
Bitterherz

Munchs und Krügers dritter Fall

Von: Franziska_J
02.07.2019

„Holger Munch arbeitete seit fast dreißig Jahren als Mordermittler, und es hatte nicht viele solcher Fälle gegeben. Eiskalt. Kalkuliert. Geplant. Als ob jemand jede Sekunde genossen hätte.“ Zuerst findet ein alter Mann auf einer Straße in den norwegischen Bergen einen kleinen Jungen, fast erfroren und mit einem Rehgeweih auf dem Kopf. Vierzehn Jahre später wir die Leiche einer jungen Frau gefunden. Sie trägt ein Ballettkostüm und neben ihr wird eine Seite aus dem Kinderbuch Die Brüder Löwenherz gefunden. Kriminalermittler Holger Munch steht vor einem Rätsel und trommelt sein altes Team wieder zusammen. Doch schnell wird klar, dass ihnen die Zeit davon läuft, denn schon nach kurzer Zeit taucht die nächste Leiche auf. Dieses Mal ein junger Jazzmusiker in einem Hotelzimmer. Über ihm an der Wand stehen einiger Zeilen aus dem Kinderbuch Bambi. Was will der Mörder ihnen mitteilen? Wie man es bereits aus Engelskalt und Federgrab gewohnt ist, ist Samuel Bjørks neuer Thriller Bitterherz ein einziges Rätsel. Im Laufe der Ermittlungen tauchen immer mehr Geheimnisse auf, nichts scheint zusammenzupassen und nur nach und nach gelingt es den Ermittlern, die Wahrheit wie die Schichten einer Zwiebel zu enthüllen. Sobald die Ermittler ein klein wenig Licht ins Dunkel gebracht und dem Mörder ein kleines Stückchen näher gekommen zu sein scheinen, ergeben sich neue Unstimmigkeiten und seltsame Details. Die kurzen Kapitel wechseln zwischen Tatvorgängen, Ermittlungsarbeiten und einer journalistischen Perspektive, ohne dabei jedoch zu viel zu verraten. Bis zum Schluss bleibt der Leser genauso wie die Ermittler im Unklaren darüber, wer der Täter ist und ob es gelingen wird, ihn zu fassen. Gekonnt verknüpft der norwegische Autor, Dramatiker und Singer-Songwriter das Unschuldige mit dem absoluten Horror, so dass sich das Bild eines perfiden, psychotischen Mörders ergibt, der nicht aufhören wird, seine Spielchen zu spielen, bis Holger Munch, Mia Krüger und ihr Team ihn gefasst haben. Wer bereits Bjørks letzte Thriller gelesen hat, der wird sich wie zu Hause fühlen, denn bis auf ein paar kleine personelle Umstrukturierungen in der Gerichtsmedizin, sind die Personen größtenteils dieselben geblieben. Auf diese Weise sind die Romane so konzipiert, dass sie fast lückenlos ineinander übergehen, jedoch sind sie gleichzeitig so abgeschlossen, dass die Kenntnis der ersten Bände nicht zwingend für das Verständnis des neusten Bandes ist. Die Geschichte von Holger Munch und Mia Krüger geht also weiter. Während Munch, der noch immer seinen Dufflecoat trägt, sich um seine Tochter sorgt, die sich noch von ihrer Entführung erholt, versucht Mia, endlich mit dem Tod ihrer Schwester abzuschließen. Doch als schließlich die erste Leiche auftaucht, fällt ihr geplanter Urlaub leider ins Wasser und sie muss im Laufe der Ermittlungen auf gefährliche Weise feststellen, dass man den Schatten seiner Vergangenheit nicht so leicht davonlaufen kann. Bitterherz – ein rasanter und psychologisch ausgefeilter Thriller, der seinen Vorgängerbänden in nichts nachsteht.