Leserstimme zu
Bonfire – Sie gehörte nie dazu

Die Geister der Vergangenheit

Von: Buchschatzjägerin
07.07.2019

Abby Williams ist Anwältin für Umweltschutz. Aufgewachsen ist sie in der kleinen Stadt Barrens, ihre Schulzeit war für sie die Hölle. Nicht nur machten ihre Mitschüler ihr das Leben schwer, auch ihr Vater war keine allzu große Hilfe für sie, weshalb es für sie nach dem Schulabschluss bloß die Flucht auf dem Plan stand. In Chicago baute sie sich ein neues Leben auf, doch die Geister der Vergangenheit ließen sie nie so ganz los. Nun kehrt sie für einen Fall nach Barrens zurück und wird mit ihrer Vergangenheit konfrontiert. Der Thriller dreht sich einerseits Abbys beruflichen Fall für den sie nach Barrens zurückkehrt, eine große korrupte Firma, die das Wasser verschmutzt und versucht, das alles zu vertuschen. Andererseits ist dort aber auch Abbys persönlicher Fall, sozusagen, nämlich das Verschwinden ihrer ehemaligen Freundin und Rivalin Kaycee Mitchell aufzudecken. Mich persönlich hat der Handlungsstrang, in dem es um Kaycee ging weitaus mehr interessiert, als Abbys wirkliche Arbeit. Sicherlich ist es als Aufhänger gedacht, warum Abby überhaupt in ihre Heimat zurückkehrt, jedoch finde ich, dass der Thriller auch ganz gut ohne diese Nebenhandlung funktioniert hätte. Mich hat diese ganze Geschichte um Optimal leider eher gelangweilt. Besonders hervorzuheben ist jedoch die Gestaltung der Protagonistin Abby. Sie ist kein fröhlicher Sonnenschein und auch kein makelloser Charakter. Nein, sie hat Ecken und Kanten, versucht gar nicht erst anderen zu gefallen und vor allem trägt sie die Narben ihrer Vergangenheit noch immer deutlich sichtbar. Das ist für mich gerade ein Pluspunkt, denn es ist nur realistisch, dass jemand, der früher gemobbt wurde und das nie aufgearbeitet hat, diese Erfahrung noch immer mit sich herum trägt und gerade die Rückkehr an den Ort des Geschehens ruft nun mal alte Erinnerungen wach. Für mich ist Abby eine sehr authentische Figur, die es auch gar nicht daran anlegt, gemocht zu werden. Ein wenig hat sie mich ja doch an Ritters Jessica Jones erinnert. Ob das bloß ein Zufall ist? » ZUSAMMENFASSUNG « Bonfire – Sie gehörte nie dazu ist ein solider Debütroman, der mit einigen spannenden Wendungen und einer authentischen Protagonistin überzeugt. Darüber hinaus spricht auch der teils forsche und ungeschönte Schreibstil sehr für den Roman. Allerdings hat die Geschichte für mich eben auch eine Schwächen. Mir persönlich hat die ganze Geschichte um Kaycee deutlich mehr Spaß gemacht, als diese Geschichte mit Optimal, die mir doch zu langsam voranging und irgendwie auch nur als Platzhalter für das große Ganze diente. Wer hier auf eine originelle neue Geschichte hofft, den muss ich leider enttäuschen. Es ist etwas, was man so sicherlich schon mal gelesen oder in einem Film gesehen hat, nur eben etwas anders aufgearbeitet. Das muss nicht unbedingt ein Nachteil sein, aber es ist nun mal nichts vollkommen Neues. Wer jedoch Lust auf eine kurzweilige und dennoch tiefgründige Geschichte hat, der wird hier definitiv fündig.