Leserstimme zu
Wer im Dunkeln bleibt

Auch Autoren dürfen ausgetretene Pfade verlassen!

Von: Elke Heid-Paulus
08.04.2015

Eine Bombenexplosion in einem der größten Londoner Bahnhöfe St Pancras ist der Ausgangspunkt für „Wer im Dunkeln bleibt“, dem sechzehnten Band der Gemma James/Duncan Kincaid-Reihe der amerikanischen Autorin Deborah Crombie, die wie Elizabeth George die Handlungsorte ihrer Krimis in England angesiedelt hat. Und wie diese beschränkt sie sich nicht nur auf die Schilderung des Kriminalfalls und dessen Aufklärung, sondern legt ebenso großes Augenmerk auf die Beschreibung der persönlichen Situation ihrer Protagonisten. Etliche Leser bemängeln dies gerade bei Deborah Crombie, nehmen doch die Schilderungen des Familienlebens mittlerweile großen Raum in ihren Romanen ein. Allerdings steht auf dem Cover unter dem Titel auch nicht Kriminalroman, sondern Roman, weshalb ich davon ausgehe, dass man als Fan der Reihe eigentlich wissen sollte, was einem erwartet, wenn man ein Buch von ihr in die Hand nimmt. Und ja, auch Autoren dürfen ausgetretene Pfade verlassen und Neues ausprobieren. Nach seiner Versetzung nach Camden muss sich DS Duncan Kincaid mit einem Bombenanschlag auf einem der größten Londoner Bahnhöfe St Pancras beschäftigen. Und es geht hierbei nicht nur um Sachschaden, denn bei der Explosion gibt es mehrere Opfer. Es gilt zu untersuchen, ob die Gruppe um Ryan March, der sich unter den Toten befindet, für den Anschlag verantwortlich ist, oder ob das Attentat einen terroristischen Hintergrund hat. Aber vielleicht war es ja auch ein Mordanschlag aus persönlichen Gründen? Gemma James kümmert sich derweil um den Fall eines zwölfjährigen Mädchens, das entführt, missbraucht und schließlich ermordet aufgefunden wurde. Es gibt einen dringend der Tat Verdächtigen, und Gemma ist auf der Suche nach Motiven, um diesen festzunageln und den Fall wasserdicht zu machen… Daneben nehmen sich die häuslichen Probleme ihrer Kinder, die verzweifelt versuchen, ein Heim für eine heimatlose Katze samt deren Jungen zu finden, doch äußerst banal aus. Wie bereits eingangs erwähnt, schafft es Deborah Crombie einmal mehr, die perfekte Balance zwischen Verbrechen und Familiengeschichte zu finden und dadurch ihre Protagonisten menschlich zu zeichnen. Deren Leben definiert sich eben nicht nur durch ihr berufliches Engagement, sondern auch durch die Verantwortungen, die sie in ihrem persönlichen Bereich übernommen haben. Eine Leseempfehlung für diejenigen, die es lieber unblutig mögen und auf Serienkiller-Gemetzel verzichten können. Dafür erhalten sie detaillierte und atmosphärische Schilderungen und ausgefeilte Personenbeschreibungen.