Leserstimme zu
Heut ist irgendwie ein komischer Tag

Brandenburg von seiner ehrlichsten Seite

Von: Weltenfuchs
31.07.2019

Ich verstehe eigentlich nicht ganz, wieso ich mich zwinge, meine Worte in eine ausschweifende Rezension zu verpacken, wo der Kern dieses Beitrags doch eine kurze wenngleich wichtige Botschaft umfasst: Lest einfach dieses Buch, ihr werdet nicht enttäuscht sein. Tatsächlich habe ich mit ziemlich hohen Erwartungen das Lesen begonnen, da ich sowohl Fontane als auch Brandenburg sehr schätze. Der Roman, der genauer gesagt eine Reiseerzählung des Herrn Pollmer ist, beruht auf den „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“, welche ich zugegebenermaßen bisher nur bis zu den Berichten um Schloss Quitzöwel gelesen habe (wem die Bücher bekannt sind, weiß, dass dies nicht kein sonderlich großer Lesefortschritt ist, allerdings muss ich dazu sagen, dass meine Ausgabe in altdeutscher Schrift ist und ich als Laie gewaltig viel Zeit benötige, um eine Seite zu entziffern, obwohl ich mit den einzelnen Buchstaben mittlerweile vertraut bin). Theodor Fontane selbst ist seit jeher einer meiner liebsten Dichter/Autoren - nachdem wir damals „John Maynard“ in der Grundschule behandelt hatten, habe ich bis zum Abi nur noch Fontane-Gedichte rezitiert, wenn wir mal die Gelegenheit dazu bekamen. Das Buch, um welches es sich hier nun dreht, ist also eine Reiseerzählung, in welcher der Leser auf den Spuren Fontanes durch die Mark geführt wird. Dass unser Reisegefährte ein (dem Schreibstil nach) so sympathischer und weltoffener junger Mann ist wie Cornelius Pollmer, macht die Sache um ein Vielfaches schöner, als sie in ihrem Wesentlichen schon ist. Pollmer ist ein, so empfand ich es beim Lesen, angenehmer Begleiter, der es nicht mit negativ konnotierten Beschreibungen zum Ausdruck bringt, wenn ein Gasthof ganz einfach Gulasch und Eintopf statt exotischem Trüffelsoufflé an Basilikumschaum auf der Speisekarte zu stehen hat und sich auf dem Dorffest unter die Leute begibt statt immer einen skeptischen Schritt Abstand zu halten. (Leider gelingt das nur Wenigen. Momentan gibt es zum Beispiel eine Reportagereihe in der Berliner Zeitung, die zwar interessant ist, dem Land Brandenburg aber leider einen ziemlich trostlosen Charakter verleiht, so sehr sich die Autoren auch bemühen.) Es ist nicht einfach, sich ganz ohne Vorurteile auf die Reise zu begeben und die Menschen dazu zu bewegen, die Maske abzulegen, die man nun eben gegenüber einem Journalisten aufsetzt, und ihn an ihrem wirklichen Leben teilhaben zu lassen. Gerade in einer (in vieler Hinsicht) so alten Gegend wie Brandenburg. Pollmer schaut hinter diese Maske, bemüht sich, seine Erlebnisse und Eindrücke klar und ohne Vorbehalte zu schildern, jedoch keineswegs zu nüchtern. Er berichtet von Orten, an denen man normalerweise mit dem Gedanken „Ist sicher schön, aber aussteigen muss ich hier nicht unbedingt“ vorbeifahren würde. Durch die Erzählung verspüre ich nun aber einen so starken eigenen Wunsch, die Gegenden zu erkunden, die durch glückliche Umstände nur einen Katzensprung von mir entfernt sind und aufgrund der beginnenden Semesterferien habe ich tatsächlich Zeit, diese Pläne auch zu verfolgen. 😊 Die in einzelne Abschnitte und Kapitel gegliederte Wanderung machte mich mal nachdenklich, mal traurig, doch ich konnte auch viel lachen. Der Humor, den man immer wieder in den Zeilen entdeckt, verleiht der gesamten Erzählung einen so beschwingten und neugierigen Charakter, dass es einfach Spaß macht, dieses Buch zu lesen und ich bin davon überzeugt, dass selbst Leser, denen Fontane relativ egal ist, am Ende begeistert und auch ein bisschen wehmütig die letzte Seite umblättern werden, weil es einfach so viel mehr ist als „nur“ Fontane oder „nur“ ein Reisebericht. Es ist ein Stück Wahrheit und ein Aufatmen in einer Welt aus Kurzlebigkeit und alternativen Fakten.