Leserstimme zu
Umarmen und loslassen

„Ein Buch, das vom Sterben erzählt und dabei das Leben feiert“

Von: Annette Hirzel aus Königswinter
11.08.2019

Diese Überschrift auf dem Roll-Up bei den Lesungen des Autorenpaares ist Programm. Es geht in diesem Buch, das von 13 prallvollen Jahren Leben eines den Prognosen nach nicht lebensfähigen Kindes mit seinen jungen und noch unerfahrenen Eltern handelt, nicht, wie man vermuten könnte, um eine moralische Debatte. Es geht um das unwahrscheinliche und doch real gewordene Lebensglück in einer wunderbaren Familie nach der Entscheidung für dieses schwerstmehrfach behinderte ungeborene Kind – mit allen Konsequenzen. Die Unwägbarkeiten des Lebens, das Wissen um seine Begrenztheit und selbst das Loslassen stehen dem Lebensglück nicht im Weg, sie gehören dazu. Mehrfach habe ich Lesungen des Paares vor vielen Jugendlichen in der Schule miterlebt. Staunend und gebannt hören die Schülerinnen und Schüler zu, fragen nach, wollen begreifen, wie Menschen das, was ihnen selbst wie ein Unglück, ein Unfall des Lebens vorkommen muss, so liebevoll, dankbar und lebensfroh erinnern. „Es gibt kein normales Leben ohne Krisen“, sagen sie den Jugendlichen. Aber, und daran bleibt kein Zweifel, mitten in den Krisen gibt es mehr an Beglückendem als der Verstand fassen kann. Das Leben ist unermesslich wertvoll. Wenn die beiden aus ihrem Buch vorlesen, meint man, man wäre als willkommener Freund ganz nah dabei an dem, wovon sie erzählen – bis in die letzten Atemzüge ihrer geliebten Jaël, deren wortlose Lebensfreude bis ins Sterben hinein auch beim Leser tiefe Spuren der Erinnerung hinterlässt. In der ihnen eigenen unverblümt – offen – herzlichen Weise bringen die Diplom-Pädagogin und der Theologe Hochs und Tiefs ihrer Empfindungen, Erfolge und Rückschläge der Therapie, Hoffnungen, Ängste und Enttäuschungen miteinander und mit den Menschen um sie herum in dieser von liebendem Umarmen und Loslassen geprägten Zeit zur Sprache. „Informativ, berührend, inspirierend“, so das Fazit einer Jugendlichen. Ungeschönt und ohne falsches Pathos sprechen sie auch von den Erschütterungen ihres Glaubens. Sie nehmen in ihrem aufgeriebenen und durchgeschüttelten Leben ihr darin nicht zerriebenes Vertrauen, dennoch von Gott gehalten zu sein, als Geschenk an. Ein Buch nicht nur für Erwachsene, das ohne moralischen Zeigefinger die Kostbarkeit des Lebens schmecken lässt.