Leserstimme zu
Blick in die Ewigkeit

Einzigartige Perspektive auf Nahtoderfahrung - lesenswert!

Von: Katharina Hohenfels
03.09.2019

„Blick in die Ewigkeit – Die faszinierende Nahtoderfahrung eines Neurochirurgen“ von Dr. med. Eben Alexander erzählt auf 250 Seiten die unglaubliche Geschichte des Neurochirurgen, der ins Koma gefallen ist und dabei Dinge gesehen hat, die er laut den Ärzten, die ihn behandelt hatten, gar nicht auf diese Weise hätte sehen können. Was hat das also zu bedeuten? Eben Alexander litt an einer bakteriellen Meningitis, eine äußert seltene Krankheit, die das Gehirn von außen nach innen „auffrisst“ und erst bemerkt wurde, als er schließlich ins Koma fiel. Während dieser Zeit erlebte er eine Nahtoderfahrung visuell und auditiv so intensiv, wie es ihm eigentlich nicht möglich hätte sein können, da der Neokortex, der diese Art der Wahrnehmung bedingt, durch die Krankheit in großen Teilen lahmgelegt war. Das Werk ist als ein Aufruf des Neurochirurgen zu verstehen, der lange Zeit Materie mit Realität gleichgesetzt hat und wie andere Ärzte nichts von Dingen wissen wollte, die über das hinausgehen. Da er nun als Wissenschaftler am eigenen Leib erfahren hat, was er vorher nur von seinen Patienten kannte, versucht er sich Gehör zu verschaffen, dass da doch mehr sein muss als das, was wir bisher kennen. Ich beschäftige mich seit Längerem mit dem Sterben und Tod, da durfte natürlich auch eine Nahtoderfahrung nicht fehlen. Ich glaube, dieses Buch sticht insbesondere aus anderen Büchern, die über Nahtoderfahrungen berichten, heraus, da es von einem Arzt geschrieben wurde, der sie selbst erlebt hat. Dieses Buch hat also einen höheren Grad an Vertrauenswürdigkeit für uns und eine andere, „professionellere“ Perspektive. Das war jedenfalls der Grund, warum ich mich für dieses Buch entschieden hatte: Es gewährleistete einen gewissen Grad an Wahrheit bzw. wissenschaftlicher Herangehensweise. Ich wurde definitiv nicht enttäuscht. Der Autor ging chronologisch vor, wobei er mit der Zeit vor dem Koma beginnt und nach dem Koma endet. Er bindet dabei auch Ereignisse aus seinem Leben ein, die für ihn wichtig sind, sodass das Buch anfangs auf mich biographisch wirkte, was es in gewisser Weise auch ist – eine Biographie, die eine Nahtoderfahrung beschreibt. Dabei wechselt sich die Perspektive ab dem Fallen ins Koma ab: Auf die Erlebnisse im Koma folgt die Beschreibung dessen, was währenddessen um Eben herum geschah, worauf wiederum die Komaerlebnisse weiter beschrieben werden. Diese Vorgehensweise war in keiner Weise verwirrend, sondern unterstützte den chronologischen Charakter. Es gibt nur zwei Punkte, die ich zu bemängeln habe: Erstens wiederholte sich der Autor ziemlich oft, wodurch ich als Leser ein wenig ungeduldig wurde, jedoch auch gespürt habe, wie sehr ihm die Botschaft am Herzen liegt, dass Spiritualität neben Wissenschaft eben doch einen bedeutenden Stellenwert hat, was gerade heutzutage leider untergeht. Zweitens fanden sich die Argumente, die wissenschaftlich beschrieben, warum die Nahtoderfahrung auf diese Weise eigentlich nicht möglich ist, ganz am Ende des Buches wie eine Art Anhang. Ich hätte sie ganz an den Anfang gestellt. Erstens hätte es so Lust darauf gemacht, zu erfahren, was genau denn die unmögliche Erfahrung war, zweitens glaube ich, gehen diese Argumente schnell unter, wenn sie am Ende der Geschichte einfach drangehängt werden. Alles in allem ist dieses Buch dennoch absolut lesenswert! Gerade wer sich mit Nahtoderfahrungen beschäftigt, um beispielsweise wie ich mehr über den Tod zu erfahren, die Welt als Ganzes besser zu verstehen oder um private Erlebnisse zu verkraften, für denjenigen ist diese ärztliche Perspektive unverzeihlich! Kurzübersicht Name Blick in die Ewigkeit – Die faszinierende Nahtoderfahrung eines Neurochirurgen Autor Dr. med. Eben Alexander Seitenzahl 256 Positiv chronologischer Aufbau einmalige wissenschaftliche Perspektive Möglichkeit der Nahtoderfahrung noch nicht erklärt Appell an unser Denken: Spiritualität neben Wissenschaft Negativ zu viele Wiederholungen -> ungeduldiger Leser Anhang hätte am Anfang sein sollen Welcher Stapel? Dieses Buch kommt auf den Stapel der Bücher, die ich behalten möchte und die Einzug in meine zukünftige Bibliothek halten dürfen, denn es bietet eine einmalige wissenschaftliche Perspektive, wobei das Versuchsobjekt sozusagen gleichzeitig der Versuchsdurchführer ist. Bewertung 4,5 von 5 [Herzlichen Dank an die Verlagsgruppe Randomhouse Bloggerportal und den Heyne Verlag, die mir dieses Rezensionsexemplar zur Verfügung stellten.]