Leserstimme zu
HERKUNFT

Eine Biografie der besonderen Art

Von: _leserin_
17.09.2019

Eine Autobiografie, die nicht chronologisch niedergeschrieben wurde. Der Autor pickt häppchenweise Erlebnisse und Begebenheiten aus seinem Leben heraus. Was für eine beeindruckende Biografie, wenn man bedenkt, dass Sasa Stanisic die deutsche Sprache erst mit 14 Jahren erlernte und heute ein Autor ist, der mit dieser Sprache aktuell zu den besten Schriftstellern Deutschlands zählt. Sasa Stanisic wurde im ehemaligen Jugoslawien geboren und musste aufgrund des Krieges gemeinsam mit seinen Eltern nach Deutschland flüchten, er war damals 14 Jahre alt. Das Jugoslawien, aus dem er geflüchtet ist, gibt es heute nicht mehr. Der Krieg ist zwar schon lange vorbei, jedoch so, wie er es verlassen hat, ist es nicht mehr, Jugoslawien ist zerfallen. Er erzählt von der ersten Zeit mit der Mutter alleine in Deutschland, mit den Schwierigkeiten, die Sprache nicht zu sprechen und einfach neu zu sein. Eine zentrale Person ist seine Großmutter Kristina, die nach und nach ihre Erinnerung verliert. Aber erzählt auch von seiner ersten Liebe und der Clique an der ARAL Tankstelle. Er berichtet von seinen ersten Schreibversuchen und dem Deutschlehrer, der ihn motiviert hatte, weiterzuschreiben. Wie schwierig es war, in Deutschland zu bleiben und dass ihm das gelang, weil er studierte und später konnte er endlich einen Vertrag mit einem Verlag vorweisen, um zu zeigen, dass er in Deutschland für sich selbst sorgen kann. Er erzählt heitere und traurige Episoden aus seinem Leben, aber auch aus dem Leben jener, die in bestimmten Lebensabschnitten wichtig für ihn waren und ihn begleitet hatten. Manche hat er heute aus den Augen verloren, von manchen weiß er zumindest, was aus ihnen geworden ist. Es geht in dem Buch um Herkunft, Heimat und Wurzeln, um fremd sein und dazugehören. Das Buch ist an manchen Stellen heiter, dann wieder traurig, melancholisch, nachdenklich, es ist amüsant und unterhaltsam und dann wieder sehr ernst.