Leserstimme zu
Flavia de Luce 10 - Todeskuss mit Zuckerguss

Eine sehr gut gelungene Fortsetzung der „Flavia de Luce“-Reihe!

Von: khira.liest
23.10.2019

Flavia de Luce ist ein mittlerweile 12-jähriges Mädchen, das im England der 50er Jahre auf einem Landgut lebt und dort auch schon manch einen Kriminalfall lösen konnte. Denn Flavia ist überaus intelligent, pfiffig und eine Koryphäe auf dem Gebiet der Chemie. Die Ereignisse überschlagen sich, als ihre Schwester Ophelia beim Anschneiden ihrer Hochzeitstorte einen abgetrennten Finger darin findet. Außerdem gibt ein Auftrag für Flavias neu gegründetes Detektivbüro Rätsel auf... Die „Flavia de Luce“-Bücher stechen für mich total zwischen anderen Büchern hervor. Nicht nur wegen der tollen Covergestaltung, sondern vor allem wegen des einzigartigen Schreibstils. Flavias Gedanken sind besserwisserisch und teilweise überheblich, oft sind sie sogar richtig fies. Ich weiß, dass einige Flavia deshalb sehr unsympathisch finden und deswegen auch mit der ganzen Buchreihe wenig anfangen können. Aber ich liebe es! Hinter ihren Gedankengängen steckt so viel britischer Humor, für mich ist es genau das Richtige! Was mir außerdem besonders an den „Flavia de Luce“-Büchern gefällt, ist, dass in die spannende Erzählung Fakten und Wissenswertes über Schriftsteller, Komponisten, Künstler und Politiker der Zeit und Vergangenheit eingeflochten werden. Dank Flavia de Luce habe ich auf jeden Fall schön einiges gelernt. Sehr gut für die Allgemeinbildung! Und natürlich kommt auch Flavias große Liebe, die Chemie, wieder nicht zu kurz. So weiß ich jetzt zum Beispiel, was eine Klein‘sche Flasche ist und wie man laborchemisch Coffein nachweist. Nach 10 Büchern dieser Reihe habe ich alle Charaktere total lieb gewonnen. Vor allem Dogger ist mein heimlicher Star. Auch die Zankereien und Wortgefechte zwischen Flavia und ihren zwei älteren Schwestern finde ich immer wieder amüsant. Worüber ich mich in „Todeskuss mit Zuckerguss“ besonders gefreut habe, ist die Beziehung zwischen Flavia und Dogger. Wo er in den ersten Bänden noch ein treuer, aber nicht ganz zurechnungsfähiger Hausangestellter ist, entwickelt er sich von Band zu Band zu einem brillanten, gerissenen Vertrauten und sogar Freund von Flavia. Es war schön, Doggers Charakterentwicklung mitzuerleben. Man merkt, wie wichtig er der sonst so selbstständigen und manchmal sogar recht gefühlskalten Flavia ist. Mir gefällt, wie Dogger deine kleine Gehilfin behandelt. Er lässt sie selbst denken und nimmt nichts vorweg. Wenn Flavia dann die richtigen Schlüsse zieht, nickt er nur anerkennend und gibt ein „Bravo“ zu Besten. Dabei habe ich immer ganz genau seinen Gesichtsausdruck vor Augen, den er dabei wahrscheinlich macht. Der Kriminalfall hat mir wieder einmal sehr gut gefallen, vor allem die Rolle, die Hahnemanns Homöopathie darin spielt. Auch das Setting von Ophelias und Dieters Hochzeit als Schauplatz eines Verbrechens fand ich sehr stimmig. Die Bücher von Alan Bradley haben ihren ganz eigenen Charme. Der Humor ist teilweise recht anspruchsvoll, sodass man manch unterschwellige Bemerkung zum Beispiel nur mit Lateinkenntnissen komplett verstehen kann. Für mich also genau richtig. Natürlich kann man auch ohne Latein viel Freude am Buch haben, ich habe mich hier nur auf 1-2 Stellen bezogen. Immer wenn ich einen „Flavia de Luce“-Roman lese, denke ich mir, ich liebe im falschen Jahrhundert. Ich wette, meine Seele ist britisch und in einem früheren Leben habe ich auch auf einem englischen Landgut gelebt, so wie Flavia. Auf jeden Fall wecken die Bücher immer wieder mein Fernweh nach England. Insgesamt also wieder einmal eine sehr gut gelungene Fortsetzung der Bücher rund um Flavia de Luce, die ich nur weiterempfehlen kann!