Leserstimme zu
HERKUNFT

„Aha, soso, jetzt also kommt der Teufel in die Welt“

Von: Christian Eberli – @thinkingowlish
16.11.2019

Das sollen wohl die Višegrader in der stürmischen Nacht von Saša Stanišićs Geburt gedacht haben, teuflisch war jedoch nur der Krieg vor dem der Ex-Jugoslawe mit seiner Familie flüchtete. Herkunft ist ein Roman über das Leben eines Mannes dessen Geburtsland es gar nicht mehr gibt. Über einen Mann der dem Dorf seines Großvaters viel näher scheint als seinem Višegrad. Einen Autor der beim Erzählen seiner Vergangenheit immer wieder ins Erfinden fällt. So wie es uns wohl auch gehen würde. Geprägt durch eine lebendige Sprachgewandtheit mit der Stanišić seine Vergangenheit spielen lässt und Erdachtes ergründet ist dies ein sehr kurzweiliges Buch. Auch die Verbindung zur slawischen Mystik, besonders auf dem Berg Vijarac, band mich an das Buch. Interessant ist sein Ankommen in dem uns bekannten Deutschland, für ihn die Fremde. Der Hauptfaden jedoch gehört seiner Großmutter, der Frau mit den einst violetten Haaren und den mafiaartigen Unternehmungen, die langsam aber sicher in die Demenz abrutscht. Ohne gestellt zu werden zerlegt sich die Frage, was macht unsere Herkunft aus uns? Und wie wirkt sie auf andere, wenn ich zum Beispiel in der Verkehrskontrolle beweisen muss, dass ich nicht Kroate bin, wie mein Nummernschild es vortäuscht, um einer sinnlosen Bestrafung zu entgehen? Ist eine Geschichte gut, interessiert es mich ab einem bestimmten Punkt nicht mehr ob sie wahr oder erfunden ist, "Herkunft" hat das erreicht. Womit das Buch meine Leseerfahrung zusätzlich unglaublich bereichert hat, ist dass es ohne jegliche Klischees, Kitsch, Aphorismen und Nachgeschwatztem daherkommt, überhaupt ist es ein freies Buch das ich sehr gerne empfehle. Danke für das Leseexemplar, lieber Luchterhand Verlag.