Leserstimme zu
Garten der Wünsche

Eine Geschichte vom Finden. Vom Zulassen und Entscheiden.

Von: SimoneD
28.11.2019

Bald wird Klara 60 Jahre alt. Fast die Hälfte ihres Lebens beherbergt sie in ihrer Pension Gäste, die dringend eine Auszeit benötigen. In der alten Bauernkate im idyllischen Lindenbühl erholen sich die Gäste so gut wie nirgendwo sonst. Denn Klara weiß, was die Menschen brauchen. Und sie hütet einen verwunschenen Garten, einen beseelten Garten; der seinen eigenen Willen hat. Romy hat nur einen einzigen Wunsch: Sie will Mutter werden. Seit drei Jahren versucht sie es. Seit drei Jahren klappt es nicht. Ihr Mann kann nicht mehr. Romy auch nicht. Zufällig findet sie die Visitenkarte der Pension Klara. Kurzentschlossen und verzweifelt bucht sie ein Zimmer. „Garten der Wünsche“ ist ein zauberhaftes Buch. So zauberhaft wie der Garten, den es beschreibt. Und wie auf den Garten, muss man sich auch auf das Buch einlassen. Es erzählt eine ruhige Geschichte. Eine Geschichte vom Finden. Vom Zulassen und Entscheiden. Sinnlich, still und sensibel. Es passiert nicht viel. So wie in uns – von außen betrachtet – oft auch nicht viel passiert. Aber in uns geschieht umso mehr. Wie in den Charakteren dieser Geschichte. Was schwermütig und traurig erzählt sein könnte, plätschert bei Valentin in lockerem, herrlich frischem Ton keck über die Seiten. Ich fühlte sehr mit Romy. Fühlte mich Klara sehr nahe. Hätte gerne meine Hände in die Lindenbühler Erde gesteckt. Und entdeckte eine Sehnsucht in mir, ein anderes Leben zu leben. Mich auch vom Finkenwerder Herbstprinz mit Äpfeln bewerfen lassen, Ringelblumensalbe und Löwenzahnsirup zu kochen und Johanniskraut zu sammeln. Ich kenne diese Sehnsucht. Doch noch ist es nicht soweit. Noch bleibe ich der Stadt erhalten. Aber ich schätze es, wenn diese Stelle in mir angestupst und wachgehalten wird.