Leserstimme zu
Tod in Porto

Die Globalisierung macht auch vor Verbrechen nicht halt…

Von: Tina aus Herne
03.12.2019

Am Anfang verwirrte mich die Vorstellung, dass ein ganzes Kommissariat der Polícia Judiciária quasi geschlossen in den Urlaub geht? Ich gehe mal davon aus, dass die kriminelle Seite keinen Urlaub macht und irgendwer muss sich ja weiter um sie kümmern? Aber da hat sicher jedes Land so seine eigenen, als verlässlich erprobten, Regeln :-) Teammitglied Fonseca, Dino, Pinto, Ana sind die Teammitglieder, die wir in Tod in Porto begleiten und ihnen bei ihren Ermittlungen beinahe über die Schulter schauen. Das führt dazu, dass ich mich manchmal ein bisschen selber wie ein Mitglied des Teams gefühlt habe und mich über ihre Misserfolge geärgert und über ihre Erfolge wirklich gefreut habe. Korruption Da in Porto anscheinend vor allem die brasilianische Mafia sehr aktiv ist, erfahre ich sehr viel über deren Herkunftsland. Die politischen Verhältnisse Brasiliens sind genauso ein Thema, wie die Polizeiarbeit in der ehemaligen Kolonie Portugals. Vor allem der in Brasilien, und hier besonders in São Paulo, korrupte Polizeiapperat lässt die Mafia wachsen und gedeihen. Machtkämpfe Anscheinend führen rivalisierende Konkurrenten ihre Machtkämpfe mittlerweile statt in Brasilien in Portugal. Die größte oder mächtigste Gruppe, die Primeiro Comando da Capital (PCC) hat aber bisher wohl noch immer Oberwasser und foltert, entführt und ermordet ganz nach belieben - während die brasilianische Polizei dabei zusieht und gelgentlich sogar mitmischt. Video Das Video, in dem Ohren und Zunge eines Spitzels an eine Holztür genagelt waren, sorgte dafür, dass unser Ermittlerteam nur sehr wenig Zeugenaussagen zur Verfügung standen. Bei den Aussichten, was jemandem blüht der redet, ist ja wirklich kein Wunder. Das gestaltete die Ermittlungsarbeit gelegentlich etwas sehr zäh, was bei dem sehr komplexen Hintergrund der Morde Lokalkolorit Ich erfahre in Tod in Porto sehr viel über Brasilien und die Verhältnisse dort, aber relativ wenig über Portugal bzw. über Porto. Lediglich ein paar eingestreute portugiesische Floskeln oder Begriffe sorgen für etwas Lokalkolorit. Das finde ich ein bisschen schade, kann aber nachvollziehen, dass ein derart komplexer Fall gewisse Prioritäten setzt, wenn das Buch nicht zum dicken Wälzer werden soll. Für mich positiv fand ich, dass das Privatleben der Ermittler so gut wie gar nicht zur Sprache kam :-) Schreibstil Mario Limas Schreibstil fand ich ausgesprochen gut lesbar, die Spannung hielt sich durchgehend auf einem recht hohen Level und der Aufbau ist logisch und nachvollziehbar. Auch das Ende ist ebenfalls logisch nachvollziehbar - auch wenn es mich dann doch überrascht hat :-) Mein Fazit: Tod in Porto ist ein spannender Krimi, der zwar in Porto handelt, seinen seinen kriminellen Ursprung aber im fernen Brasilien hat. Sehr spannend geschrieben und mit sehr viel Hintergrundwissen über die brasilianische Unterwelt und die dortigen Verhältnisse. Ich freu mich jetzt schon auf den nächsten Band und den nächsten Fall für das Ermittlerteam - dann gerne auch mit “mehr Porto” :-)