Leserstimme zu
Andromedanebel

Andromedanebel: Meisterwerke der Science Fiction, vorsicht Spoiler!

Von: Götz Piesbergen
21.04.2015

n der Reihe "Meisterwerke der Science Fiction" hat der Heyne-Verlag immer wieder Bücher herausgebracht, die das Genre geprägt haben. Der Fokus lag dabei natürlich auf Englischsprachigen Autoren. Jetzt liegt mit Iwan Jefremows "Andromedanebel" eines der seltenen Werke vor, das ursprünglich in Russland erschienen ist. Jefremow wurde 1908 in Wyriza geboren und verstarb 1972 in Moskau. Neben seiner Arbeit als Schriftsteller war er hauptberuflich Paläontologe. Er studierte an der staatlichen Universität Sankt Petersburg, machte allerdings keinen Abschluss. Er hat viele Bücher und Artikel geschrieben, sowohl wissenschaftliche als auch fiktionale. Doch nur letztere sind mehrheitlich übersetzt worden. 2000 Jahre in der Zukunft hat die Menschheit sich weiterentwickelt. Man reist zu fernen Sternen, kontrolliert die Natur und ist Teil eines interplanetaren Staatenbundes, genannt "Großer Ring". Regelmäßig wird via speziellen Sendungen unter den verschiedenen Spezies Kontakt gehalten. Doch dann erhalten die Menschen eine Nachricht, die anders ist. Sie sehen menschenähnliche Wesen, die wunderschön sind. Doch sie leben zu weit entfernt, um sie innerhalb eines Menschenlebens zu erreichen. Nur, dass ein Wissenschaftler der Gedanke nicht loslässt, das Unmögliche möglich zu machen. Und diesen Plan verfolgt er mit aller Macht. Das Zukunftsbild, das Jefremow entwirft, hat schon etwas interessantes, schon fast possierliches. Man merkt, dass der Autor in der Sowjetunion aufwuchs, denn in seiner Vision der künftigen Zeit hat selbstverständlich der Kommunismus gewonnen. Natürlich war dies zum Besten der Menschheit, wie sich zum Zeitraum der Handlungsgegenwart zeigt. Aus heutiger Sicht wirkt vieles, was er damals geschrieben hat, amüsant und schon fast possierlich. Schon allein der Gedanke, die Erde umzugestalten, wirkt naiv. Doch darüber hinaus passt nur wenig bei diesem Roman zueinander. Die Grundidee der Story liest sich ja mit viel Potential für die Spannung. Doch das Endergebnis ist eine langweilige Geschichte, die einen von Anfang in den Schlaf sinken lässt. Ein Problem ist schon mal, dass der Autor sich nicht darauf versteht, abwechslungsreiche Dialoge zu schreiben. Im Gegenteil: Die Gespräche lesen sich langatmig und uninteressant. Hier wird zu viel geredet, es wird alles zerredet. Mit dem Ergebnis, dass interessante Szenarien, wie zum Beispiel das Schicksal der Astronauten, die auf eine fremde Welt stoßen, es nicht schaffen, das Interesse des Lesers dauerhaft zu wecken und zu fesseln. Man liest es und ignoriert gleichzeitig die Emotionalität des Geschehens. Handlungstragende Figuren wie der Kommandant Erg Noor wirken dadurch fade, trotz einer Romanze zu einem Besatzungsmitglied. Was aber auch markant für die Geschichte ist. Denn die Figuren bleiben einem nicht im Kopf hängen. Ihre Persönlichkeit, ihre Charakterisierung ertrinkt förmlich in der Masse der nichtssagenden Dialoge. "Andromedanebel" gebührt nur deshalb Interesse, weil es eben einer der seltenen hierzulande herauskommenden russischen SciFi-Roman ist, mit starken Anleihen zur sowjetischen Ideologie. Und das merkt man dem Buch an. Es ist "Nur Für Fans" etwas.